Mit Verstärkung im Angriff fokussieren sich die Eisbären Berlin auf die Liga

Nach dem 2:8 zum Abschied aus der CHL richten sich die Blicke des deutschen Meisters nach vorne. Zugang Alexandre Grenier könnte schon Freitag spielen.

In der Viertelfinal-Play-off-Serie 2021 unterlag Alexandre Grenier (Mitte) mit Iserlohn gegen die Eisbären. Am Freitag könnte er erstmals das Berliner Trikot tragen.
In der Viertelfinal-Play-off-Serie 2021 unterlag Alexandre Grenier (Mitte) mit Iserlohn gegen die Eisbären. Am Freitag könnte er erstmals das Berliner Trikot tragen.Imago/osnapix

Am trainingsfreien Donnerstag war Zeit, um mal auf andere Gedanken zu kommen. Primär aber dürften die Spieler der Eisbären Berlin den Tag genutzt haben, um den in den vergangenen Wochen stark belasteten Körper mal wieder zu pflegen. Als wäre das Pensum mit zuletzt vier Spielen innerhalb von sechs Tagen nicht schon hoch genug gewesen, bekamen die Spieler in diesen Partien ungewohnt viel Eiszeit. Zahlreiche Verletzungen hatten den Kader derart ausdünnen lassen, dass nach und nach immer wieder junge Spieler ihre Profidebüts gaben.

Torwart Felix Noack feiert Debüt bei 2:8-Klatsche

Vor knapp einer Woche feierte Maximilian Heim nicht nur seinen Einstand in der höchsten deutschen Spielklasse, sondern beim 3:1 in Ingolstadt sogar gleich sein erstes Tor als Profi. Am Mittwoch stand Felix Noack erstmals im Eisbären-Tor. Nach 40 Minuten hätte jeder von einem gelungenen Debüt gesprochen, nach der vollen Spielzeit aber musste man mit dem erst 17-jährigen Torwart Mitleid haben. Aus einem 2:2 war im Schlussdrittel eine 2:8-Niederlage beim tschechischen Vertreter HK Mountfield geworden. „Ich finde, er hat das gut gemacht. Im letzten Drittel haben wir ihn als Team nur etwas im Stich gelassen“, sagte Trainer Serge Aubin über den Auftritt des Torwart-Talents, „das war der erste Schritt einer hoffentlich langen Karriere.“ Dass er am Freitagabend (19.30 Uhr) beim Heimspiel gegen Bietigheim sicherlich wieder Tobias Ancicka, der bislang eine starke Saison gespielt hat, weichen muss, hat nichts mit der Leistung vom Mittwoch, sondern der Torwart-Hierarchie zu tun.

Denn auch Ancicka hatte sich eine Woche zuvor sieben Treffer der Tschechen einschenken lassen müssen. Schon dort waren die Eisbären im letzten Abschnitt auseinandergefallen, wirkten mit den Kräften am Ende und konnten das vorzeitige Ausscheiden aus der gefühlt ungeliebten Champions Hockey League (CHL) nicht verhindern. Während Straubing, München und Mannheim die nächste Runde erreichten, waren die Eisbären als deutscher Meister bereits in der Vorrunde gescheitert und konnten vor allem sportlich nicht überzeugen. Sehr prestigeträchtig aber waren die Auftritte in der CHL keineswegs. Beim Blick auf die personelle Situation (acht Spieler fehlten am Mittwoch) und die Belastungssteuerung könnte man aber sagen, dass es den Eisbären vielleicht sogar ganz gut tut, dass sie sich nun voll und ganz auf die Deutsche Eishockey-Liga und die Verteidigung des deutschen Meistertitels konzentrieren können. „Wir werden uns jetzt wieder auf die Saison fokussieren und nach vorne schauen“, sagt Serge Aubin.

Und bei der kommenden Aufgabe kann er vielleicht sogar schon auf die Dienste eines neuen Spielers zurückgreifen. Am Mittwoch hatten die Eisbären die Verpflichtung von Alexandre Grenier bekannt gegeben und damit auf die Verletzungsmisere reagiert. Man versuche, eine Spielberechtigung für den Kanadier bereits für die Partie am Freitagabend zu bekommen, hieß es von den Eisbären. Der Stürmer bringe ein gutes Gesamtpaket mit, „ist gut mit Puck, hat einen großen Körper und ist ein Spieler mit großer Erfahrung“, sagt Trainer Aubin.

Alexandre Grenier galt in der Schweiz als Glücksgriff

Einen Teil seines Erfahrungsschatzes von mehr als zehn Profijahren sammelte Grenier zwischen 2019 und 2021 bei den Iserlohn Roosters. Der 1,95 Meter große Stürmer kann sich noch gut an die Duelle mit den Eisbären, insbesondere das Ausscheiden in den Play-offs erinnern. Drei Assists waren dem heute 31-Jährigen damals in der Viertelfinalserie 2021 gegen die Berliner gelungen. Danach ging es für ihn in die Schweiz nach Langnau zu den SCL Tigers, für die er in 53 Spielen 15 Tore und 35 Assists erzielte.

Anfang des Jahres galt Grenier in Langnau als absoluter Glücksgriff, sogar als einer der meistunterschätzten ausländischen Spieler der Ligageschichte. Jetzt, also nur neun Monate später, aber war im Kader der Schweizer kein Platz mehr für Grenier, der sich nun auf Berlin freut. Und die Eisbären können sich freuen, dass sie nicht nur einen erfahrenen Spieler bekommen, sondern einen, der auch schon eine Verletzung im Saisonstart auskuriert hat und in der personell angespannten Lage helfen kann.