Mittelfeld-Allrounder: Manuel Schmiedebach entpuppt sich als Unions Königstransfer

Es ist keine gute Idee, Manuel Schmiedebach zu ärgern. Eine Trainingsszene beim 1. FC Union belegt das: Erst trifft Grischa Prömel im Duell mit Schmiedebach nicht nur den Ball, dann hält Akaki Gogia ihn einfach fest. Beide Male greift Trainer Urs Fischer nicht ein, also übt Schmiedebach Selbstjustiz – und dran glauben muss Felix Kroos. Eine Grätsche, ein Knall. „Es geht auch im Training zur Sache“, wird Kapitän Christopher Trimmel später sagen. Will heißen: gut so.

Im vergangenen Jahr war die zentrale Defensivposition ein Problemfeld, so wirklich fand sich keiner, der an diesem wichtigen Verknüpfungspunkt die Löcher schloss und das Spiel koordinierte. Vor drei Jahren hatten die Eisernen schon mal auf die Karte Erfahrung gesetzt und einen mit dem vermeintlichen Profil Schmiedebachs geholt: Stephan Fürstner. Damals 27 Jahre alt, bundesligaerfahren, eine Führungspersönlichkeit. Doch bekam der Mann aus Fürth weder die Härte in die Zweikämpfe noch die Präzision ins Aufbauspiel.

„Der will nur kicken“

In diesem Sommer war Schmiedebach, 29, 176 Bundesligaspiele, dann der wichtigste Transfer. Aus Hannover wechselte er in seine Heimatstadt – und liefert seither das, was sich die sportliche Leitung erhofft hat. „Es ist angenehm, einen Schmiedebach vor sich zu haben“, sagt Innenverteidiger Florian Hübner. Die beiden kennen sich aus Hannover. „Er ist giftig in den Zweikämpfen, und er lässt sich im Spiel nach vorne Bälle geben. Das gibt uns Sicherheit.“ Auch die Vorderleute loben Schmiedebachs genaues Auge für Laufwege, seine Vorlagen.

Nicht immer funktioniert das bei Verpflichtungen sofort so gut. Ehrlich gesagt: eher selten. Vielleicht liegt es daran, dass es für Schmiedebach nur eine Welt gibt. Seine Liebe für Fußball ist so groß, dass er nicht mal in der Sommerpause locker lassen kann und gerne über die Bolzplätze tingelt. Doch in Hannover war er über Monate aus dem Hauptort dieser Welt ausgeschlossen, dem Stadion. Nur 162 Einsatzminuten in der vergangenen Saison, meist war er gar nicht im Kader. Wieso? So gern er sein Gemüt auf dem Platz erhitzt, so ungern erklärt er sich in Interviews. „Der will nur kicken“, heißt es.

Gestalten, zerstören, gestalten

Den Gegnern ist Schmiedebachs Doppelrolle als Spielbeleber und Spielzerstörer nicht entgangen. Der Heidenheimer Coach Frank Schmidt ließ Schmiedebach sogar in Manndeckung nehmen. Prompt stockte Unions Angriffsspiel, obwohl Trainer Urs Fischer danach betonte: „Unser Spielaufbau läuft nicht nur über Schmiedebach.“ Die angesprochene Variabilität ist allerdings – wie im Training zu sehen ist – noch im Erarbeitungsprozess.

Gegen Paderborn mit ihrem mit zweitbesten Angriff der Liga, wird Schmiedebach am Sonntag (13.30 Uhr) vor allem als Umschalter gefragt sein. „In erster Linie gilt es, gut zu stehen. Wir müssen gut gegen den Ball arbeiten und über unsere schnellen Spieler nach vorne kommen“, sagt Hübner. Da passt es ganz gut, dass zusätzlich zu Akaki Gogia, Simon Hedlund, Kenny Prince Redondo und Marcel Hartel nun mit dem flinken Außenangreifer Joshua Mees noch einer fit ist, der die Konterräume besetzen kann.