So konkret war die Frage nicht. Es ging nur allgemein darum, wer denn diesmal die Gelegenheit bekommen soll im Zentrum, um dort als Spielmacher die Offensivabteilung von Hertha BSC mit kreativen Ideen und überraschenden Pässen zu versorgen. Zuletzt haben die ja jeweils gefehlt. Wer seit vier Spielen auf ein Tor wartet, hat ein Problem. Also, Herr Dardai, wer soll denn nun an Sonnabend beim Auswärtsspiel gegen den Hamburger SV den Problemlöser geben?

In der Theorie kommen nur drei Spieler infrage. Der Läufer und Arbeiter Vladimir Darida, der Dribbler und Sprinter Valentino Lazaro oder Ondrej Duda, von dem man nach knapp zwei Spielzeiten aber immer noch nicht mit Sicherheit sagen kann, wofür er eigentlich steht. Er selbst sagt es so: „Ich bin nicht besonders schnell, außer vielleicht mit dem Ball. Ich mag Kombinationsspiel, kurze Pässe, schnell nach vorne und Chancen kreieren.“ In der Summe heißt das: „Ich passe zu dieser Mannschaft und der Spielphilosophie des Trainers.“

Im Grunde sieht das dieser Trainer genauso. Pal Dardai war von Anfang an begeistert von Dudas fußballerischen Fähigkeiten, seinem besonderen Gespür für Ball, Raum und Mitspieler. Zuletzt sagte er noch: „Die Qualität, die Duda hat, haben wir sonst nicht. Er ist technisch der beste Spieler hier. Ich brauche sein Können, seine Spielweise.“ Doch irgendwann kamen die Zweifel, folgten Anschlusssätze, die Dardai in einer Mischung aus Verständnislosigkeit und persönlicher Kränkung formulierte. Gestern sogar, ohne konkret nach Duda gefragt worden zu sein.

Mal gut, mal kaum was zu sehen

Es ging also um den potenziellen Spielmacher gegen Hamburg, und dann hielt Dardai einen Vortrag über Duda – mal wieder, nur verzichtete er dabei auf die lobenden Worte zum Einstieg. „Was für mich unangenehm ist, was mich ein bisschen ärgert, das ist die Sache mit Ondrej“, sagte Dardai. „Ich weiß bei jedem Spieler, was ich erwarten kann, außer bei ihm. Mal ist er richtig gut, mal ist kaum etwas zu sehen – das können wir uns nicht leisten.“

Viele Fußballprofis sagen, dass sie sich nicht dafür interessieren, was über sie berichtet wird. Die Erfahrung sagt, dass das nicht immer stimmt. Ondrej Duda, 23, slowakischer Nationalspieler, der vor anderthalb Jahren für 4,2 Millionen Euro von Legia Warschau nach Berlin wechselte, will etwa nichts davon gehört haben, wie Dardai ihn im steten Wechsel lobt und kritisiert. Bester Fußballer bei Hertha? „Ich weiß nicht, was der Trainer in der Öffentlichkeit über mich sagt, mir hat er das nicht gesagt. Aber wenn das so ist, freut mich das natürlich.“ Die schwankenden Trainingsleistungen? „Ich kann nur sagen, dass ich immer alles gebe. Manchmal probiere ich halt Sachen aus – und die klappen mal mehr, mal weniger gut.“ Und wie lautet jetzt die Antwort auf die Frage, die sich nicht nur Dardai stellt. Was hindert denn Duda daran, sein Talent mit Taten zu beweisen?

Duda hat nach seinem Wechsel eine Erfahrung gemacht, die dem ähnelt, was vor ihm schon Lazaro (kam vom RB Salzburg) und Valentin Stocker (FC Basel) erlebt haben. Alle drei spielten bei einem Klub, der als Seriensieger die Liga dominierte. „Ich will niemanden geringschätzen“, sagt Duda, „aber mir Legia war das manchmal so, dass wir das erste Tor geschossen haben und dann noch ein zweites und dann war nach zwanzig Minuten alles entschieden, ohne dass wir richtig ins Schwitzen gekommen sind.“

Drei Lektionen

Lektion eins: In der Bundesliga ist das anders. Und nicht jeder ist nun mal in der Lage, einen großen Schritt ohne viele kleine Rückschritte zu machen. Wie etwa Lazaro, dem Dardai nach seiner Anpassungszeit bald schon als Siegertypen bezeichnete.

Lektion zwei: Duda musste unter sehr harten Bedingungen erst begreifen, dass sein Körper mehr Zuneigung und Pflege braucht. Sieben Monate war er in der vergangenen Saison verletzt, dann kam er zurück, fiel erneut aus, trainierte, spielte und spielte doch nicht, er fand bis heute keinen Rhythmus. „Diese Zeit hat mich verändert“, sagt Duda. „Ich achte jetzt mehr auf die Details, habe etwa meine Ernährung umgestellt. Ich konzentriere mich auch mehr auf die Vorbereitung, und das Thema Regeneration und Verletzungsvorbeugung ist mir viel wichtiger als vorher.“

Lektion drei: Dudas Glück war, dass er bei Hertha einen äußerst hilfsbereiten Kollegen kennenlernen durfte: Peter Pekarik. Über seinen Landsmann sagt Duda: „Er ist der professionellste Fußballer, den ich kenne.“ Pekarik übernahm die Lehrerrolle, gab Tipps, war immer da. „Es ist doch klar“, sagt Duda, „dass man sich am Anfang erst mal anpassen muss. Dieser Prozess hat bei mir vielleicht etwas länger gedauert, aber er ist jetzt zu Ende. Ich bin mehr Profi geworden.“

Und eine Sache ist Ondrej Duda noch wichtig. Er hat einen Fünfjahresvertrag unterschrieben, was ungewöhnlich ist bei Hertha. An einen Wechsel denkt er nicht. Seine Lehre will er hier abschließen.