Soll Hertha in eine bessere Zukunft führen: Granit Xhaka.
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London/BerlinAm zweiten Weihnachtsfeiertag, dem „Boxing-Day“, musste auch Granit Xhaka die familiäre Festtafel verlassen und mit seinen Mannschaftskameraden von Arsenal London zum Auswärtsspiel nach Bournemouth in Südengland reisen. Traditionell spielt die Premier League auch am 26. Dezember. Arsenal schaffte ein 1:1 und der 82-fache Schweizer Nationalspieler stand 90 Minuten auf dem Platz. Der Auftritt in Bournemouth wird wahrscheinlich einer seiner letzten im Trikot der „Gunners“ gewesen sein. Der 27-Jährige soll unmittelbar vor einem Wechsel zu Hertha BSC stehen. Es wäre der bislang größte Transfer in der Vereinsgeschichte der Berliner. 

Jose Noguera, der Berater des Profis, bestätigte der Schweizer Boulevardzeitung Blick, dass sich der vielseitige, äußerst dynamische Mittelfeldspieler mit Hertha einig sei und um seine Freigabe gebeten habe. Hertha soll bislang 25 Millionen Euro geboten haben. Noch werde um die Ablösesumme gefeilscht.

Granit ist ein Supertyp, menschlich 1A, ein Führungsspieler, der mitreißt.

Thorben Marx

Sollte der Coup gelingen, würde das eine spektakuläre Rückkehr von Xhaka in die Bundesliga bedeuten. Als 19-Jähriger war er 2012 vom FC Basel zu Borussia Mönchengladbach gewechselt, Borussia zahlte 8,5 Millionen Euro Ablöse. Unter seinem Landsmann Lucien Favre avancierte Xhaka zu einem Anführer. Sein damaliger Teamkollege Thorben Marx sagt: „Granit ist ein Supertyp, menschlich 1A, ein Führungsspieler, der mitreißt.“

2016 konnte sich der Mann mit den albanisch-kosovarischen Wurzeln in ganz Europa einen neuen lukrativen Arbeitgeber aussuchen. Er ging zu Arsenal und kostete schon 45 Millionen Euro Ablöse. In der Schweiz schätzt man seine fußballerischen Qualitäten, in der Nationalelf ist er stellvertretender Kapitän und unumstrittener Spielmacher.

Oft zu ungestüm

Oft aber tritt er sehr ungestüm auf, sammelte etliche Rote Karten. Bei der WM 2018 in Russland sorgte er gemeinsam mit Xherdan Shaqiri und Stephan Lichtsteiner für Aufsehen. Beim Duell der Schweiz gegen Serbien (2:1) formten diese drei Spieler ihre Hände zum Doppel-Adler, der die albanische Flagge ziert. Es war eine politische Botschaft und für die Serben eine Provokation. Xhakas Vater Ragip saß einst aus politischen Gründen drei Jahre im Gefängnis. Später floh die Familie aus dem Bürgerkrieg im Kosovo in die Schweiz und fand in Basel eine neue Heimat. Zuletzt verhöhnten die Fans der „Gunners“ Xhaka bei einer Auswechslung. Der Profi provozierte im Gegenzug die Anhänger. Ein Eklat, die ihm die Binde des Kapitäns kostete.

TV-Experten der BBC kritisierten schon lange seine Art zu spielen („dreckig“). Nur Jose Mourinho, nun Trainer bei Tottenham, lobte: „Der ist der wichtigste Mann. Ohne ihn ist Arsenal verloren.“ Jetzt will Xhaka weg und zu Hertha BSC. Dort könnte er zu einem neuen Publikumsliebling aufsteigen.