Mönchengladbach - Am Ende blieb auch den Mainzern nichts anderes übrig, als über den unglaublichen linken Fuß des Juan Arango zu staunen. Das verblüffende Tor des Venezuelaners zum 2:0-Endstand hatte die Partie der 05er in Mönchengladbach entschieden. „Der schießt jede Woche ein Tor des Monats“, sagte Julian Baumgartlinger und schüttelte ratlos den Kopf. Heinz Müller, der den Vorzug vor dem jungen Loris Karius erhalten hatte, verließ in jener 63. Minuten seinen Strafraum für einen Befreiungsschlag, der Arangos linken Fuß landete.

Mainz besseres Team

Aus einer Entfernung von 44 Metern zog der Kunstschütze beinahe von der Außenlinie ab, der Ball nahm eine bizarre Flugkurve, stieg erst 20, 25 Meter in die Luft, um genau vor der Linie herunterzufallen. „Kurios und genial“, fand Thomas Tuchel diesen Moment. Es war der Todesstoß für die Mainzer, die „56 Minuten lang besser gewesen waren“, wie der Trainer sagte. In jener 56. Minute hatte Mike Hanke den ersten vernünftigen Gladbacher Spielzug mit dem Treffer zum 1:0 gekrönt.

Bis zu diesem Augenblick hatten die Gladbacher sich verhalten, wie ein krasser Außenseiter, defensiv, mutlos, und ohne jede Risikobereitschaft. „Wenn man diese beiden Tore wegnimmt und nur das Spiel anschaut, glaubt man nicht, dass Mönchengladbach hier gewinnen kann“, sagte der Mainzer Manager Christian Heidel später. Wobei die Borussia in der zweiten Halbzeit etwas besser geworden war und Mainz nach dem 0:2 „die Struktur gefehlt hat“, wie Tuchel sagte. Die Gäste haben die Partie in der ersten Halbzeit verloren.

Da waren sie das klar bessere Team, hatten mehr Ballbesitz, produzierten die gefälligeren Kombinationen. „Mit der nötigen Konsequenz hätten wir alle Möglichkeiten gehabt, hier zu gewinnen“, meinte Tuchel. Die Chancen waren da. Wie in der 13. Minute, als Andreas Ivanschitz nach einer Kopfballablage schoss und Marc-André ter Stegen mit Mühe parierte. Oder als der agile Shawn Parker über die linke Seite in den Strafraum eindrang, aus sieben Metern schoss und ebenfalls am Gladbacher Torhüter scheiterte. „Uns hat hat heute die Gier gefehlt“, sagte Nikolce Noveski, wobei Tuchel Wert darauf legte, die Kritik „nicht zu harsch“ zu formulieren. Denn wie in so vielen Partien dieser insgesamt gelungenen Vorrunde sei „die Qualität, die wir auf dem Platz bringen“, auch in Mönchengladbach zu sehen gewesen, Tuchel wirkte nicht unzufrieden mit der Darbietung, zumal der Blick auf die Tabelle den Mainzern im Moment ebenfalls gut gefällt. Auch wenn sie die Chance verpasst haben, auf die Europapokalplätze zu springen.

Gerüchte um Tuchels Wechel

Der Kragen platzte Tuchel trotzdem auf der Pressekonferenz, denn die Vorbereitung auf diese Partie war von einem sehr ärgerlichen Thema gestört worden. Die Bild-Zeitung hatte die Behauptung aufgestellt, Schalke 04 sei nach einer Trennung von Huub Stevens, über die seit einiger Zeit spekuliert wird, daran interessiert, Tuchel unter Vertrag zu nehmen. „Ich finde das respektlos gegenüber Huub Stevens“, zürnte der Mainzer Trainer nun. Er beklagte eine „Leichtfertigkeit, Dinge zu schreiben und auszusprechen, denn die Worte, die bleiben und erzeugen eine Stimmung, die eine Wirkung hat“.

Diese Geschichte hat den Mainzer Trainer wirklich berührt, und auch Heidel stieß einen wütenden Wortschwall hervor, als er mit dem Thema konfrontiert wurde. „An der Geschichte ist gar nichts dran“, sagte der Manager, „Thomas Tuchel wird nicht im Winter, nicht im Sommer und auch nicht im Winter danach irgendwohin wechseln, das ist einfach Humbug“. Der Vertrag des Mainzer Fußball-Lehrers endet erst im Sommer 2015, deshalb werde Schalkes Manager Horst Held „noch nicht einmal auf die Idee kommen, mich anzurufen“, so Heidel. „Weil er mich kennt und weiß, dass da nichts zu machen ist.“ Er hoffe, dass „die Sache damit beendet ist“, sagte er noch, was aber allerdings fehlt zum Ende der Debatte ist ein klares Bekenntnis Tuchels. Der hat sich zwar fürchterlich über die Spekulationen aufgeregt, aber er hat noch nicht gesagt, dass er auf jeden Fall in Mainz bleiben wird.