Eine Motorrad-WM am Sachsenring wird es erst 2021 wieder geben.
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Hohenstein-ErnstthalAuch der Große Motorrad-Preis von Deutschland auf dem Sachsenring fällt wie befürchtet der Coronakrise zum Opfer. Der vom 19. bis 21. Juni geplante Lauf in Hohenstein-Ernstthal wird in diesem Jahr ersatzlos gestrichen, das teilten Veranstalter ADAC und WM-Vermarkter Dorna am Mittwoch mit. Auch die Rennen in den Niederlanden und Finnland fallen aus.

„Wenn man die Entwicklung der Pandemie sieht, dann muss man Realist sein und zu dem Schluss kommen, dass solche Veranstaltungen im Moment nicht möglich sind“, sagte ADAC Sportpräsident Hermann Tomczyk: „Kein Mensch kann etwas dagegen machen. Der Schutz aller Teilnehmer, ob Zuschauer, Fahrer oder Funktionäre, muss im Vordergrund stehen.“ Der ADAC und die Dorna hatten einen Alternativtermin im September mit Geisterrennen zwar geprüft, aber verworfen.

Keine Rennen, keine Besucher, keine Einnahmen: Die Absage sorgt bei Veranstaltern, Fans und vor allem den Gewerbetreibenden für Enttäuschung. „Es ist mit Sicherheit ein zweistelliger Millionenbetrag, der an Umsätzen in der Region verloren geht. Das ist für Hotels, Pensionen, Caterer, Campingplatz-Betreiber oder andere Helfer ein großer Verlust, der gestemmt werden muss“, sagte Peter Weidinger, Vorstandsmitglied für Sport beim ADAC Sachsen am Mittwoch in einer Telefon-Konferenz mit Medienvertretern.

"Ein herber Schlag für die ganze Region"

„Ein herber Schlag für die ganze Region. In den letzten Jahren wurde immer wieder um den Erhalt gekämpft und nun kommt #Corona“, twitterte Hohenstein-Ernstthals Bürgermeister Lars Kluge. Bis zum Ausbruch der Corona-Krise wurden über 70 000 Karten für das Sachsenring-Rennen verkauft. Alle Tickets behalten für die Veranstaltung im Juni oder Juli des kommenden Jahres ihre Gültigkeit.

In den vergangenen Tagen und Wochen wurden seitens des Veranstalters und des Rechteinhabers mehrere Optionen geprüft, darunter auch eine Verschiebung auf einen späteren Zeitpunkt in diesem Jahr. „Letztendlich war uns die Gesamtsituation aber zu unsicher. Hinzu kommt, dass wir in den vergangenen Jahren über 200.000 Zuschauer zu den Rennen begrüßen durften. Auch da sind wir überzeugt, dass die nicht alle hätten nebeneinander sitzen dürfen“, erklärte ADAC-Motorsportchef Thomas Voss.

Aufgrund des internationalen Starterfeldes und der Reisebeschränkungen in den einzelnen Ländern wäre zudem eine Teilnahme aller Teams oder Fahrer selbst im Herbst nicht gewährleistet gewesen. Voss appellierte zudem für eine wirtschaftliche Unterstützung des Freistaates Sachsen für den Grand Prix und dessen Anrainer: „Man liest und hört, wie der Wintersport im Erzgebirge und andere Sportarten gefördert werden. Es wäre schön, wenn sich der Freistaat auch zu dieser Veranstaltung deutlich bekennen würde.“ Dazu solle es mit der Landesregierung zeitnah erste Gespräche geben.

Neben dem Deutschland Grand Prix wurden am Mittwoch auch noch der Grand Prix der Niederlande in Assen (26. bis 28. Juni) und der WM-Lauf in Finnland (10. bis 12. Juli) abgesagt. „Es macht uns sehr traurig, dass wir diese drei wichtigen Rennen absagen müssen. Ich danke den Fans für ihr Verständnis und ihre Geduld, bis sich die Situation verbessert. Wir freuen uns 2021 auch an den Sachsenring, einer wirklich einzigartigen Strecke mit einer unglaublichen Geschichte, zurückzukehren“, erklärte Dorna-Boss Carmelo Ezpeleta.

Im kommenden Jahr soll der einzige deutsche WM-Lauf wieder planmäßig stattfinden. Danach läuft der Vertrag aus, doch ein neuer wird seit einiger Zeit verhandelt. „Wir sind in guten Gesprächen“, sagte Tomczyk, es gehe um eine Vereinbarung „ab 2022 um weitere fünf Jahre.“ Grundsätzlich herrsche „ziemliche Einigkeit, über die Konditionen haben wir schon gesprochen. Das Ziel wäre es gewesen, das zu Ende zu verhandeln, wobei es natürlich vor allem auch auf das Engagement des Landes Sachsen und der Region ankommen wird.“ Seit 1998 hat die WM ununterbrochen am Sachsenring Halt gemacht.