Setzt sich zur Wehr: Moussa Marega vom FC Porto (r.) reagiert nach seinem Siegtor auf Affenlaute im Guimarães-Stadion.
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Berlin - Die erste portugiesische Fußball-Liga hat ein Rassismusproblem. Das haben sie nicht exklusiv. Affenlaute, Beleidigungen, rassistische Anfeindungen haben zuletzt auch den Fußball in Deutschland überschattet. Hertha-Profi Jordan Torunarigha etwa im DFB-Pokal wurde auf Schalke von Fans bepöbelt. 

Was den Fall vom Sonntagabend bei der Partie zwischen Vitoria Guimarães und Bayer Leverkusens Europa-League-Gegner FC Porto von fast allen Vorkommnissen der jüngeren Vergangenheit unterscheidet: Diesmal handelt das Opfer entschlossen und verlässt tatsächlich den Platz. Moussa Marega, 28 Jahre alter Nationalspieler aus Mali, hatte in der 60. Minute den Siegtreffer geschossen und zeigte beim Torjubel demonstrativ auf seine Haut. Nach Angaben seines Trainers Sérgio Conceição sei Marega schon beim Aufwärmen beleidigt worden.

Affengeräusche im Guimarães-Stadion

Als Marega schließlich wiederholt Affengeräusche von der Tribüne ertragen musste, ließ er sich weder von an ihm zerrenden oder wild gestikulierenden Mitspielern noch von beschwichtigenden Profis des Gegners von seinem Vorhaben abbringen. Am Tag danach erntete der Profi Respekt und Anerkennung für sein Handeln. Der portugiesische Regierungschef meldete sich ebenso zu Wort wie Vereine aus Deutschland oder Spaniens Torwart-Legende Iker Casillas.

Die Ereignisse im Stadion Dom Afonso Henriques in Guimarães provozieren aber zugleich die Fragen: Wäre so etwas nicht auch in Gelsenkirchen, Münster oder in anderen deutschen Städten und Stadien denkbar (gewesen)? Warum solidarisierten sich die Porto-Profis nicht mit ihrem Mitspieler und verweigerten ebenfalls das Weiterspielen?

„Entschuldigt, aber das hat sich nicht wie Familie angefühlt, als es passiert ist. Was haben eure Spieler gemacht?“, schrieb die Anti-Diskriminierungs-Organisation Fare am Montag bei Twitter, nachdem der FC Porto ein Bild von Marega mit den Worten „Wir sind eine Familie“ veröffentlicht hatte. Unstrittig ist, dass sich Profis und Vereine noch immer schwer tun im Umgang mit Rassismus oder Rechtsextremismus in den sogenannten eigenen Reihen.

„Die Verschiebung des Sagbaren, die sich an den Erfolgen der AfD ablesen lässt, ist natürlich längst auch wieder in den Stadien wahrzunehmen. Das Stadion ist und bleibt für die Gesellschaft ein wichtiger Ort, an dem Menschen ihren Frust und ihre Aggressionen entladen können“, schrieb die „taz“ nach dem Fall in Münster.

Beim Drittliga-Spiel zwischen Preußen Münster und den Würzburger Kickers taten sich die Zuschauer mit Zivilcourage hervor. Mit „Nazis-raus“-Rufen reagierte das Stadion auf die Beleidigungen eines 29 Jahre alten Mannes gegen den Würzburger Leroy Kwadwo. Zudem sorgten sie dafür, dass der Tatverdächtige, der seinen Platz verlassen hatte, ausfindig gemacht und identifiziert wurde.

Der Verein verhängte ein Stadionverbot, der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ermittelt, der Mann wurde wegen Volksverhetzung angezeigt. Dass die Aktion der Fans in Münster derart viel Aufsehen erregt hat, zeigt eben auch, dass derlei Reaktionen noch lange keine Selbstverständlichkeit sind.

Torunarigha musste Anfang Februar beim Pokalspiel beim FC Schalke 04 Affenlaute ertragen. In Chemnitz musste Stürmer Daniel Frahn wegen seiner angeblichen Nähe zur rechten Szene gehen, auch wenn er Sympathien für dieses Gedankengut bestreitet. Vor knapp einem Jahr wurden bei einem Länderspiel in Wolfsburg deutsche Nationalspieler beleidigt. Das Thema Mesut Özil und dessen Rassismus-Vorwurf erschütterten den Deutschen Fußball-Bund wochenlang.

Forscher: "Gesellschaftlich verwurzelter Rassismus"

Nach den jüngsten Ereignissen auf Schalke sprach der Fan- und Extremismusforscher Robert Claus von einem „gesellschaftlich tief verwurzelten Rassismus“. Dieser drücke sich in einer langen Liste an Beispielen im Fußball aus, wo sich einzelne Fans „rassistisch, antisemitisch oder anderweitig diskriminierend“ äußerten, sagte Claus der Berliner Zeitung. Der DFB-Integrationsbeauftragte Cacau sagte dazu: „Jeder Fall ist einer zu viel. Wir arbeiten daran, viel mehr Menschen dafür zu sensibilisieren, damit es nicht mehr zu solchen Vorfällen kommt.“