München in der Champions League: Kühle Bayern im Feuertopf

Neapel - Sie könnten sich nur selbst schlagen, hatten die Bayern zuletzt gesagt. Dann fiel dieses Tor, durch Holger Badstuber in der 39. Minute, und die Serie von 1146 Minuten ohne Gegentreffer fand tatsächlich durch einen Münchner ihr Ende. Auch wenn es der SSC Neapel nicht selbst geschafft hatte, zumindest in der Champions League weiß man nun, dass die Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes noch verwundbar ist. Das Gegentor ließ sich aus Sicht des FC Bayern jedoch verschmerzen. Toni Kroos hatte bereits in der 2. Minute die Führung erzielt. Und da Mario Gomez kurz nach der Halbzeit einen Elfmeter verschoss, blieb es beim 1:1 (1:1). Ungeschlagen sind die Münchner nun also seit 13 Spielen, als Tabellenführer gehen sie in die Rückspiele der Gruppenphase in der Champions League. Ärgern müssen sie sich allerdings, dass sie eine mögliche Vorentscheidung auf dem Weg ins Achtelfinale verpasst hatten.

Die Frage vor diesem Spiel war, ob der SSC jene Mannschaft sein könnte, die den FC Bayern endlich einmal fordert, vielleicht sogar in Bedrängnis bringt. Gelungen war Neapel das nicht wirklich, trotz des Unentschiedens. Dabei hatten die Tifosi sehr auf die Offensive mit Marek Hamsik, Ezequiel Lavezzi und Edinson Cavani gehofft. Und um die Mannschaft von Trainer Walter Mazzarri diesmal besonders zu unterstützen, sorgten sie im Stadion San Paolo für noch ein bisschen mehr Spektakel als ohnehin, wenn die Azzurri, die Blauen, auflaufen.

Der ohrenbetäubende Lärm und der Qualm der bengalischen Feuer der 60 000 Zuschauer kam gefühlt der Imitation eines mittelschweren Ausbruchs des nahegelegenen Vulkans Vesuv nahe. „Vinci!“, der Befehl zu siegen, stand auf dem Banner in der Kurve hinter SSC-Torwart Morgan de Sanctis.

Beachtliche Angriffslust

Die Rauchschwaden lagen noch schwer in dem weiten Oval, als die Bayern dieser Aufforderung offenbar nachkommen wollten. Gleich beim ersten Angriff zeigten sie, warum sie Mazzarri als „Gegner von stratosphärischem Niveau“ überhöht hatte. Jerome Boateng, erneut statt Rafinha auf rechts in der Viererkette aufgeboten, brachte den Ball bei einem Vorstoß nach innen. Kroos schob bedacht und mit einer Kühle ein, die im Feuertopf San Paolo besonders selbstbewusst wirkte. „Neapel ist die derzeit stärkste italienische Mannschaft“, hatte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge gewarnt. Doch diese Einschätzung hielt den zunächst eher hilflosen Bemühungen nach dem frühen Schock des Rückstandes nicht stand.

Die Münchner kontrollierten das Geschehen mit bedachter Angriffslust. Das gelang, weil die Ordnung und die Abläufe stimmten und die zurückliegende Erfolgsserie von zwölf Spielen ohne Gegentor und Niederlage viel innere Stabilität verliehen hatte. Kroos besaß die Gelegenheit, früh zu erhöhen. Kapitän Philipp Lahm und Mario Gomez versuchten sich aus der Distanz, Boateng zudem mit einem Volley. „Wir fahren da hin, um zu gewinnen“, hatte Lahm gesagt, „es ist entscheidend, was wir in der Champions League machen. Das registrieren alle anderen Mannschaften in Europa auch.“ Das Auftreten der Bayern verlieh Lahms Worten Nachdruck. Der Respekt vor der „Bestia negra“, der schwarzen Bestie, war zumindest den Gastgebern anzumerken.

Neapel forciert seine Bemühungen

Neapel, dessen Angriffswirbel in der italienischen Serie A gefürchtet ist, konnte Neuer nur selten beschäftigen. Harmlos gerieten die meisten Vorstöße, Hamsik, Lavezzi und Cavani kamen meist nicht über Ansätze hinaus. Die Bayern dagegen ließen den Ball immer wieder hübsch zirkulieren und wirkten äußerst kompakt und stabil. Eine der Ausnahmen war jener Moment kurz vor der Pause, als völlig überraschend der Ausgleich fiel, weil Lahm zunächst schlecht gegen Christian Maggio verteidigt hatte und Badstuber unglücklich in den Ball gegrätscht war.

Neapel forcierte zwar seine Bemühungen im zweiten Durchgang, doch nur selten wurde es wirklich gefährlich vor Neuer. Und weil die Bayern neben dem Elfmeter von Gomez, pariert von de Sanctis, noch gute Chancen durch Thomas Müller, Anatolij Timoschtschuk, Kroos und Franck Ribery kurz vor Schluss vergaben, mussten sie einem verpassten Sieg ein wenig nachtrauern. Geschlagen hatten sie sich nicht selbst. Aber zumindest war Neuer mal wieder bezwungen.