Alexander Zverev hat am Mittwochnachmittag seine Teilnahme an den Turnieren in Berlin abgesagt.
Foto: Imago Images/Alejandro Carcia

BerlinAndrea Petkovic und Julia Görges haben zuletzt Eindrücke vom Training gezeigt. Elina Svitolina zeigte sich entspannt mit einem Eis in der Hand, Kiki Bertens präsentierte ein paar Tennisoutfits und Petra Kvitova schenkte ihren Instagram-Followern zum Start in die Woche auf einem Selfie ein Lächeln. Während sich die Tennis-Frauen vor den Einladungsturnieren der kommenden Woche in Berlin gut gelaunt und vorfreudig zeigen, ist die Stimmung bei den Männern eine ganz andere. Alexander Zverev glänzte bis Mittwochnachmittag mit Social Distancing auf allen Social-Media-Kanälen, nachdem er durch seine Party-Teilnahmen negative Schlagzeilen geschrieben hat. Während sich Dominic Thiem und Nick Kyrgios, die weiteren Zugpferde der Veranstaltungen, weniger distanziert zeigten und sich einen verbalen Ballwechsel via Twitter lieferten, tauchte Zverev am Nachmittag wieder auf. „Ich habe die Entscheidung getroffen, für den Moment mit meinem Team zu trainieren und keine offiziellen Events zu spielen“, schrieb der Weltranglistensiebte am Mittwoch bei Instagram: „Es ist nie schön, auf ein Heimspiel zu verzichten, aber ich werde bald zurück sein.“

Der 23 Jahre alte Tennisprofi bestätigte damit das, was Turnierdirektor Edwin Weindorfer bereits am Vormittag befürchtet hatte. Bis dahin aber tappte Weindorfer im Unklaren, Zverev und dessen Management waren auch für ihn nicht erreichbar. Die Absage des deutschen Zugpferdes war aber längst nicht die einzige Negativbotschaft. Am späten Nachmittag musste Weindorfer verkünden, dass auch  Kyrgios, der aufgrund zahlreicher Corona-Infektionen in seiner Heimatstadt Melbourne und den daraus folgenden sechswöchigen Lockdown-Maßnahmen festsitzt, und Caroline Garcia abgesagt haben. Dass von den drei Top-Spielern nur Thiem in Berlin aufschlagen wird, stellt die Veranstaltung plötzlich infrage. Vor allem die Absagen von Zverev und Kyrgios sind ein Aufmerksamkeitsverlust, wie ihn kein Veranstalter gebrauchen kann.

Dabei sollen die beiden Turniere in Berlin eigentlich ein großer Probelauf sein. Das Rasenturnier von Montag bis Mittwoch im Steffi-Graf-Stadion und der Wettkampf auf Hartplatz im Hangar sechs in Tempelhof von Freitag bis Sonntag. Die Veranstalter haben dafür ein Konzept auf die Beine gestellt, welches sogar bis zu 1000 Zuschauer auf den Rängen vorsieht. Die internationale Tennisszene wird in diesen sechs Turniertagen auf Berlin blicken und sich dabei genau anschauen, wie ein Turnierbetrieb unter Einhaltung aller Abstands- und Hygieneregeln funktioniert. Auf dem Platz und auf den Tribünen. Wie es nicht geht, hatte vor wenigen Wochen der Weltranglistenerste Novak Djokovic auf seiner Adria-Tour gezeigt. Volle Ränge, unzureichende Hygienemaßnahmen und abendliche Partys, auf denen auch Alexander Zverev ausgelassen feierte.

Es passierte, was passieren musste: Zahlreiche Spieler steckten sich mit dem Coronavirus an. Die Wahrscheinlichkeit, dass es auch unter den Zuschauern, die keine Maske trugen und ohne Abstand auf den Tribünen saßen, Infektionen gab, ist sehr hoch. Auch deshalb hat sich Edwin Weindorfer in seinem Turnierkonzept auf das Minimum beschränkt. „Es wird keine Players Party geben, keine Kids Clinic, kein Rahmenprogramm, alles gestrichen“, sagte der Turnierdirektor in der Süddeutschen Zeitung, „bei uns herrscht Zero Tolerance. Wenn sich ein Spieler hier danebenbenimmt und glaubt, er kann in dieser Woche Party machen, wird dieser Spieler von uns eliminiert.“

Nun hat sich Zverev mit seiner Instagram-Botschaft selbst eliminiert. Immerhin hat Weindorfer Ersatzspieler in der Hinterhand. Der Oranienburger Rudi Molleker ist einer von ihnen und vielleicht auch der Berliner Robert Strombach. Am Dienstag hat das Duo immerhin schon auf dem Rasenplatz trainiert. Eine Ersatz-Turnier-Variante im Männerfeld aber mit einem Drittel Ersatzspielern zu bestreiten, ist ein Imageverlust. Um diesen so gering wie möglich zu halten, sind Weindorfer und sein Team darum bemüht, die Ausfälle zu kompensieren. "Die Zeit drängt zwar extrem, aber wir werden alles versuchen, um noch mögliche Last Minute Optionen zu ziehen", so Weindorfer. Bei den Frauen war ihm das mit Anastasija Sevastova schon gelungen.