Rafal Gikiewicz wehrt sich gegen Union-Chaoten.
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BerlinEs war die Szene des Spiels. Und dabei passierte sie erst nach dem Spiel. Ein Dutzend vermummter Fans kletterten aus dem Union-Block in den Innenraum. Ihr Ziel: die andere Seite. Die Fans von Hertha BSC, die nach der 0:1-Pleite im Stadtderby rot-weiße T-Shirts abrannten und Leuchtraketen aufs Spielfeld und in die benachbarten Blöcke feuerten.

Rafal Gikiewicz, der Torhüter der Eisernen, hielt die eigenen Fans zurück. Mit hoch-rotem Kopf und weit aufgerissenen, zornigen Augen wies der impulsive Pole die in schwarz gekleideten Männer wie kleine Schulbuben zurecht, trieb sie zurück wie eine Herde (schwarzer) Schafe in Richtung Block. Eine ganz starke Aktion des Torwarts, der dafür großen Applaus vom eigenen Anhang erntete. In Sprechchören wurde seine Name an der Alten Försterei gerufen: „Gikiewicz! Gikiewicz!“

„Rafa hat für die Zeit nach der Karriere vielleicht schon einen Job in Aussicht: als Ordner“, meinte Kollege Robert Andrich. Und Keven Schlotterbeck befand: „Das war mutig. Wir wollten die Fans zurückhalten, bevor es eskaliert. Die haben auf dem Platz nichts verloren.“

Eigentlich war alles angerichtet für ein Fußball-Fest. Das erste Derby in der Bundesliga. Historisch. Tolle Choreos von beiden Seiten, laute Fangesänge. Es folgte nach der Pause aber ein ganz unrühmlicher, ja gar vereinsschädigender Auftritt der Hertha-Fans. Kurz nach der Pause erzwangen sie fast einen Spielabbruch, in dem sie erstmals Pyrotechnik auf das Feld schossen. Eine Rakete landete sogar auf der Haupttribüne, „etwa einen Meter“ neben den beiden beiden Kindern und der Freundin von Sebastian Polter. „Das ist katastrophal“, sagte der Siegtorschütze. „Ich war schockiert. Das wünscht man keinem!“ Die Familie schaute den Rest der zweiten Hälfte im VIP-Bereich. „Aus Angst vor weiteren Raketen“, so Polter.

Den Sicherheitskräften im Stadion und dem sehr souveränen Schiedsrichter Deniz Aytekin war es zu verdanken, dass das Stadtderby nicht völlig aus dem Ruder lief. Hertha-Manager Michael Preetz suchte nach Schlusspfiff nach den richtigen Worten: „Das war ein mehr als gebrauchter Abend für uns. Wir hätten uns von unseren Fans ein anderes Bild gewünscht. Das geht gar nicht.“

Der Verlierer des Berliner Derbys, und zwar in doppelter Hinsicht, ist Hertha BSC. Einer der großen Gewinner, Gikiewicz, wollte hinterher nichts sagen. Es sei alles erzählt, meinte er mit einem Grinsen. Bleibt nur eines zu sagen: Danke schön, für so viel Mut, Herr Gikiewicz! Sie sind der Derbyheld.