Der 1. FC Union ist weiterhin die einzige ungeschlagene Mannschaft der zweiten Bundesliga. Doch beim 0:0 der Eisernen gegen Dynamo Dresden legten die Gäste auf beinahe erschreckende Art und Weise offen, was den Köpenickern auch nach zehn Spieltagen schmerzlich fehlt: Die Fähigkeit, ein Spiel selbst aufzuziehen, wenn der Gegner kein Interesse daran hat, die Partie zu gestalten und lieber kontert.

Neun Abwehrspieler und Koné

So erlebte Unions Trainer Urs Fischer, der Joshua Mees und Ken Reichel für Marcel Hartel und Christopher Lenz aufgeboten hatte, von Beginn an tief stehende Dresdner, die sich bereits in den Anfangsminuten mit fünf Abwehrspielern und phasenweise vier Mittelfeldspielern am eigenen Strafraum verschanzten. Lediglich Stürmer Moussa Koné lauerte ein wenig abseits des Geschehens auf Zuspiele.

So sah sich Akaki Gogia in Ballbesitz plötzlich von fünf Gegenspielern umstellt, so suchte Grischa Prömel sein Heil im Rückpass auf den Hintermann, weil der Weg nach vorne konsequent blockiert war. Und so hatte Union im gesamten Spielverlauf große Probleme mit den früh anlaufenden Gästen, die jeden Ansatz eines Köpenicker Spielaufbaus im Keim erstickten.

Hätte man den 22 012 Zuschauern in der Alten Försterei einen Tipp gegeben, dass zwei Distanzschüsse (10., 15.), die jeweils nach einem Eckball das Tor deutlich verfehlten die auf lange Zeit besten Chancen bleiben würden, wäre der eine oder andere womöglich schon früher nach Hause gefahren, hätte den grauen Sonntag bei Frau und Kind verbracht.

Doch die Fans blieben eisern und durften nach 34 zähen Minuten auf etwas Bewegung im Spiel hoffen, als Schiedsrichter Sven Jablonski Dresdens Jannis Nikolaou Gelb-Rot zeigte und die Gäste nur noch zu zehnt mauern konnten.

Eine Torchance nach der anderen - eigentlich

Doch es wurde noch schlimmer. Dynamo schloss den eigenen Strafraum endgültig zu und die Unioner versammelten sich vor dem sächsischen Abwehrwall, ohne aber Ideen zu finden, die Festung zu stürmen. Immer wieder animierte Mittelfeldmotor Felix Kroos verzweifelt seine Mitspieler, bei Dresdner Ballbesitz aggressiver aufzurücken, um die Gäste zu Fehlern zu drängen − erfolglos. „Wenn wir zuhause in Überzahl spielen, müsste es eigentlich eine Torchance nach der anderen geben“, klagte Abwehrmann Marvin Friedrich nach dem Spiel.

Fast eine Stunde lang ließ Trainer Urs Fischer das offensive Elend zu, ehe er reagierte und mit Suleiman Abdullahi und Robert Zulj für Mees und Schmiedebach frische Offensivkräfte brachte. 18 Minuten später durfte dann mit Sebastian Polter auch der Spieler ran, der über den Matchplan hinaus stets seine eigene Spielweise einbringt und den Gegner mit unberechenbarem Stil immer vor Probleme stellen kann.

Zwölf Minuten Gefahr

Zwölf Minuten vor Schluss, mit nun drei zentralen Stürmern, fanden die Köpenicker so noch etwas Courage. Und beinahe hätte sich die Partie gegen Holstein Kiel wiederholt, als Last-Minute-Knipser Grischa Prömel - wer sonst - in der 83. Minute aus dem Nichts an den Pfosten schoss. Der folgende Kopfball von Abduhallhi wurde per Glanzparade von Dynamo-Keeper Schubert gehalten. In der 90+3. Minute schoss Gogia an denselben Pfosten. Es sollte einfach nicht sein.

Vielleicht war es aber auch gut so, der Augenöffner zum rechten Zeitpunkt. Denn wie schon in den Spielen gegen Kiel oder auch Duisburg, hätten am Ende wohl wieder die drei Punkte von der Tatsache abgelenkt, dass Union im Spielaufbau gegen Konterteams seit Saisonbeginn echte Schwierigkeiten hat. Entsprechend geknickt zeigte sich auch Trainer Fischer: „Ich bin wirklich enttäuscht über die Art und Weise unseres Auftritts.“ Nicht nur er...