Nach 17 Jahren bei den Eisernen : Skrzybski Abschied im Winter?

Am Anfang hat es Steven Skrzybski als Piksen empfunden. Als Aufforderung, noch mehr zu leisten. Mittlerweile fühlt es sich wie ein Faustschlag an. „Die letzten Wochen sind nicht so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt habe“, sagt er. 25 Jahre ist er alt und in der laufenden Saison der zweiterfolgreichste Angreifer des 1. FC Union. Trotzdem fand er sich beim 3:3 gegen Darmstadt wieder nicht in der Startaufstellung. Zum sechsten Mal. Plötzlich scheint möglich, was undenkbar war: Dass Skrzybski den Verein verlässt, für den er seit 17 Jahren spielt. „Die Situation wird ja nicht einfacher. Dann ist es für beide Seiten vielleicht sinnvoller, wenn wir sie im Winter neu überdenken“, sagt er.

Es war eine von allen Beteiligten mit großer Freude verbreitete Nachricht gewesen, als Skrzybski im April 2017 seinen Vertrag vorzeitig bis 2020 verlängerte. Der Junge aus Mahlsdorf, groß geworden an der Alten Försterei, Traumtorschütze vor der roten Wand im DFB-Pokal in Dortmund. „Aus vollster Überzeugung“ sei die Unterzeichnung erfolgt, erinnert sich der Stürmer. „Es hat geheißen, dass ich eine tragende Rolle spiele und wichtig für die Mannschaft bin“, sagt er und er fügt einen Satz an, der in dem Wirbel, den seine Aussagen auslösen, nicht übergangen werden darf: „Das will ich auch nach wie vor sein.“

Trainer bevorzugt Hedlund und Gogia

Derzeit ist er jedoch nur die dritte Wahl bei der Besetzung der beiden Außenposten im Angriff. Trainer Jens Keller bevorzugt Simon Hedlund und Akaki Gogia. Den dazugehörigen Mittelstürmer gibt Sebastian Polter. Damit greifen für Union die drei teuersten Spieler der Vereinsgeschichte an. In einem kurzen Gespräch hatte Keller Skrzybski am Tag vor der Partie gegen Darmstadt mitgeteilt, dass er die anderen beiden aktuell für besser hält. „Akzeptieren muss man es, weil er der Trainer ist“, sagt Skrzybski, „aber man muss es nicht verstehen.“

Die Frage, die sich anschließt, ist die, ob er sein Unverständnis der Medienöffentlichkeit mitteilen sollte − drei Tage, nachdem Klubpräsident Dirk Zingler von allen unbedingte Leistungsbereitschaft gefordert hatte. Ein Gespräch unter vier Augen mit Jens Keller scheint jedenfalls nicht den gewünschten Verlauf genommen zu haben. „Wir waren nicht unbedingt einer Meinung“, berichtet Skrzybski.

Was die Situation für ihn so verzwickt macht: Er nahm das Piksen professionell hin, als ihn Keller nach dem neunten Spieltag aus der Startelf nahm. Er murrte nicht, er trainierte. Als er letzte Woche für Hedlund einsprang, traf er sogleich doppelt. Fünf Tore hat er diese Saison somit erzielt, drei weitere vorbereitet. Ein besseres Argument gibt es für Stürmer nicht, doch es verfing beim Coach nicht.

Das nährte Skrzybskis Zweifel, dass da Grundlegendes nicht mehr stimmt: „Wenn man der Meinung ist, dass ich der Mannschaft nicht mehr weiterhelfen kann, muss man sich zusammensetzen und ehrlich miteinander umgehen.“ Und die Freigabe zum Wechsel erteilen, soll das heißen. Denn die Zeit, in der ein Fußballer Großes leisten kann, ist begrenzt. „Es macht mich stolz, dass ich es hier geschafft habe. Aber ich muss gucken, wie es weitergeht“, sagt er. Wohl nicht im Guten bei Union. Denn Keller lässt sich von Worten noch weniger beeindrucken als von Toren.

Es ist auffällig, dass bei Union die Zahl der Spieler, die laut Keller „in dieser Saison noch wichtig werden“, es aber aktuell nicht sind, stetig zunimmt. Mit diesen augenscheinlich freundlichen Worten hat der Coach eine Reihe ehemaliger oder prädestinierter Leistungsträger aus der Stammelf gelobt − zuletzt Felix Kroos. Damit saßen gegen Darmstadt der Kapitän (Kroos), sein Stellvertreter (Skrzybski) und der Ex-Spielführer (Damir Kreilach) auf der Bank − und Philipp Hosiner auf der Tribüne. „Felix will unheimlich viel, er setzt sich sehr unter Druck. Diesen Druck wollten wir ihm etwas nehmen“, erklärte Keller.