Nach 20 Jahren steht Andrae erneut im Pokalfinale

Mit den Powervolleys Düren fordert der Berliner Björn Andrae am Sonntag die national bislang ungeschlagenen BR Volleys heraus. Dass er schon 38 Jahre alt ist, mindert sein Adrenalin kein bisschen.

Berlin-Bei seiner Online-Recherche hat Björn Andrae keine Fotos von sich und dem alten Volleyball-Pokal gefunden. Okay, vor 20 Jahren hatten Digitalfotografie und Online-Archive noch nicht die Bedeutung von heute. Und dass Andrae den Pokal des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) mit dem SCC Berlin zum ersten Mal gewann, ist eben 20 Jahre her. Aber auch von den DVV-Pokalsiegen aus den Jahren 2001 bis 2003 mit dem VfB Friedrichshafen fand Andrae keine Bilder. „Ich wollte den Jungs mal zeigen, wie der Pokal damals aussah: Wie so eine Glocke mit zwei Henkeln. Er war sehr viel schwerer. Den haste kaum hoch bekommen“, sagt der Außenangreifer der Powervollys Düren. 

Ein bisschen grauer als früher: Björn Andrae, 38. 
Ein bisschen grauer als früher: Björn Andrae, 38.

Der Berliner, der jahrelang Kapitän der Nationalmannschaft war, ist jetzt 38 Jahre alt und stolz darauf, dass er an diesem Sonntag   mit seiner Dürener Mannschaft erneut im Finale des DVV-Pokals (13.45 Uhr, Sport 1) steht. Gegner ist der deutsche Meister BR Volleys, das Team aus Andraes Heimatstadt Berlin – in Kaulsdorf hat sich der Volleyballer ein Haus gebaut. Er weiß: „Die Chancen, mit 38 Jahren noch einen Titel zu gewinnen, werden nicht größer. Ich weiß gar nicht, ob es schon mal einen Spieler im Pokalfinale gab, der so alt war.“

Wird das Finale auch spannend?

Andrae verdiente sein Geld ab 2003 in den lukrativen Ligen Italiens, Polens, Russlands.  Seit 2015 ist er zurück in der Bundesliga und beobachtet, wie es das Pokalfinale geschafft hat, „das Volleyball-Highlight in Deutschland zu sein, ein Riesenspektakel. Die Leute kommen aus ganz Deutschland. Dass das Finale live im Fernsehen kommt, ist ein Riesenschritt.“ 11 000 Zuschauer erleben in der Arena in Mannheim nach dem Männerfinale das Duell der Frauenteams aus Dresden und Stuttgart mit.

Volleyball in Deutschland, findet Andrae, ist auf dem richtigen Weg. Vereine und Verband arbeiten viel mit Social Media, die Plattform sei größer, die TV-Liveübertragung ein Riesending.  Aber wird das Finale auch spannend? Die Berliner sind dieses Saison national in 22 Spielen ungeschlagen. „In einem Finale sind die Karten anders gemischt“, sagt Andrae, „ein paar Prozent Glaube, Hoffnung, maximales Risiko – bei nur einem Spiel hat man immer die Chance, sie auf dem falschen Fuß zu erwischen.“

Düren kann unangenehm werden

Düren hat viele Waffen. Es ist ein offensives, erfahrenes Team. „Wir können unangenehm werden“, sagt Andrae. Er ist neben Tim Broshog und Egor Bogachev einer von drei Berlinern in Dürens Team. Er hat schon viele Finals gespielt, aber die Emotionen, die Euphorie, das Adrenalin, das „kann man nicht abstellen. Da ist der Ruhepuls nicht mehr auf 50.“  

Andrae glaubt, dass die Mannschaft, die ihre Anfangsnervosität schneller ablegt, einen  Vorteil haben wird.  Und falls er am Ende die dunkelgrau-goldfarbige Trophäe, die nur noch 8,5 Kilo wiegt, nach oben stemmen sollte, wird er vermutlich keine fünf Minuten später schon Fotos von sich und dem neuen Pokal im Internet finden.