Berlin - An der Stadt wird es sicher nicht gelegen haben. Hamburg, diese Perle des Nordens, ist schließlich auch für jemanden aus Berlin eine Reise und einen längeren Aufenthalt wert. Für größer angelegte Ausflüge aber ist nun mal die Urlaubszeit da, und die wollen die Spieler von Alba Berlin nach Möglichkeit so weit wie möglich nach hinten schieben. Frühestens erst am 9. und dem dritten, spätestens aber nach dem 13. Juni und einem möglichen fünften Finalspiel um die deutsche Meisterschaft soll die Saison enden. Und damit es in diese Urlaubszeit auch im besten Fall mit dem Gewinn des Titels geht, kann der kürzere Aufenthalt in der Hansestadt von Vorteil gewesen sein. Alba Berlin, der Meister des Vorjahres und Zweite der Hauptrunde, hat die Hürde Hamburg Towers am frühen Montagabend übersprungen, die Best-of-Five-Serie mit 3:0 gewonnen und weilte am Dienstag schon wieder in der Heimat.

Bayern München bekommt Tipps für Sehenswürdigkeiten

Während die anderen drei Playoff-Serien noch über den Montag hinaus liefen, konnten die Berliner damit perspektivisch wichtige Kräfte schonen und mussten sich auch keine Sticheleien gefallen lassen. Anders die Spieler des FC Bayern München. Die erhielten über Twitter folgende Nachricht des Maskottchens der Crailsheimer, dem Zauberhut Hutini: „Schön, dass ihr noch ein paar Tage hier seid. Ich habe ein paar Ausflugstipps für euch, damit ihr Crailsheim auch kennenlernen könnt.“ Garniert wurde diese Nachricht mit einem Link zu den Sehenswürdigkeiten des knapp 33.000 Einwohner zählenden Bundesligastandorts in Baden-Württemberg, in welchem die Münchner nach der überraschenden Niederlage vom Sonntag noch ein weiteres Mal spielen mussten.

Auch Ludwigsburg musste nach der deutlichen 60:96-Klatsche gegen Bamberg nach einer 2:0-Führung nachsitzen. Zudem ernteten die Riesen ligaweit dafür Häme, dass in den Playoffs noch nie zuvor der Erste derart klar ein Spiel gegen den Achten der Hauptrunde verloren hatte. „Diese Spiele waren noch einmal eine Bestätigung für uns, dass es wichtig ist, wie wir von Anfang an auftreten“, sagte Malte Delow am Mikrofon von Magentasport, angesprochen auf die Niederlagen der Münchner und Ludwigsburger.

Für den Aufbauspieler und seine Teamkollegen von Alba Berlin hingegen gab es am Montagabend nur Anerkennung. Insbesondere für überzeugende Auftritte in allen drei Playoff-Partien gegen eine Hamburger Mannschaft, der man sich in beiden Spielen der regulären Saison noch geschlagen geben musste. Nicht nur wegen dieser Vorgeschichte, sondern auch wegen den verletzungsbedingten Ausfällen von Luke Sikma und Johannes Thiemann war mit diesem klaren Ausgang nicht unbedingt zu rechnen, hätte man eher vermutet, dass Alba die Serie nicht in nur drei Spielen gewinnt. Aber: „Wir haben es extrem gut geschafft, die Ausfälle zu kompensieren“, so Delow weiter, „aber auch die Energie, die wir gebracht haben, war sehr wichtig für uns. Wir haben direkt im ersten Spiel gezeigt, dass wir die bessere Mannschaft sind und sie schlagen können.“

Der Youngster hat in dieser Serie noch einmal einen weiteren Schritt in seiner Entwicklung gemacht. Auch deshalb, weil er in den Playoffs das Vertrauen vom Trainerteam bekommt. In Spiel eins wurde er überraschend in die Starting Five beordert, gab der Mannschaft die Energie und die Emotionen, die es für einen erfolgreichen Start in so eine Playoff-Serie braucht, nachdem man wenige Tage zuvor mit dem verlorenen Pokalfinale gegen Bayern München einen Rückschlag hatte hinnehmen müssen.

Der erst vor einem Monat 20 Jahre alt gewordene Delow steht sinnbildlich für den großen Berliner Trumpf in dieser Saison: die unglaubliche Tiefe im Kader. Während es sich kaum ein Team der Liga leisten könnte, bei den Ausfällen von Sikma und Thiemann, der kleinen Auszeit von Jayson Granger, der wenige Tage zuvor zum zweiten Mal Vater geworden war, mit Maodo Lo und Marcus Eriksson weitere Leistungsträger zum Start eines Spiels auf der Bank sitzen zu lassen, stand Malte Delow auf dem Feld und das Berliner Spiel wurde dadurch keineswegs schlechter.

Alba Berlin verteilt Einsatzzeit sehr ausgeglichen

Diese Ausgeglichenheit und Qualität im Kader machen es überhaupt erst möglich, die Einsatzzeit während der Partien so zu verteilen, dass nur in Ausnahmefällen ein Alba-Spieler mal länger als 25 Minuten auf dem Feld stehen muss. Nach einer bereits langen Saison und bislang 75 Spielen in drei Wettbewerben kann das Energiemanagement die entscheidende Komponente im Kampf um die Meisterschaft sein. Dabei muss ein Gegner nicht immer so deutlich wie die Hamburg Towers in Spiel eins mit 23 Punkten Unterschied geschlagen werden.

Die Partien zwei und drei waren jeweils knapper, die Siege aber nie ernsthaft in Gefahr. Und deshalb „haben wir jetzt die Möglichkeit, dass sich die Spieler erholen können“, sagte Trainer Aito Garcia Reneses. Für die Regeneration der gesunden, aber insbesondere der verletzten Spieler verzichtet der Hobbyfotograf Reneses, der bei Auswärtsspielen stets die Kamera zum Einsatz bringt, auch auf die Möglichkeit, noch mehr Bilder in Hamburg zu schießen. Die Perle des Nordens kann er schließlich auch in ein paar Wochen besuchen. Und das dann möglichweise erneut als Meistertrainer.