Eine Epoche ungewöhnlicher Fußballkultur geht zu Ende – in Berlin. Deutschlands erstes Fan-Radio, das Hertha-Echo, wird nach 30 Jahren verstummen, für immer. Sendeschluss ist am 16. Februar.

„Ich habe vor ein paar Jahren gesagt: ,Wenn ich irgendwann das Gefühl habe, dass das Hertha-Echo zu einem Senioren-Echo wird, dann hören wir auf.‘ Der Zeitpunkt ist jetzt gekommen“, sagte der Begründer des Hertha-Echos und Moderator Manfred Sangel, 59, der Berliner Zeitung. Das Datum ist ganz bewusst gewählt. Am 16. Februar 1989 ging Manfred Sangel mit seinen Freunden zum ersten Mal auf Sendung. 30 Jahre lang, jeden zweiten Donnerstag von 19 bis 20 Uhr.

Einmaliges Langzeitprojekt

Die Geschichte der Gründung dieses einmaligen Langzeit-Projekts ist so verrückt wie so manche Episode beim Hauptstadtklub. Ende der 80er-Jahre wurde in West-Berlin das Kabelnetz eingeführt. Nicht nur die Profisender bekamen Frequenzen, sondern auch Amateure konnten im sogenannten Offenen Kanal ihre eigenen Sendungen über den Äther ausstrahlen.
„Zu der Zeit ging es Hertha gar nicht gut. Es wurde kaum und wenn, dann meistens negativ in den Medien über unseren Verein berichtet.

Wir wollten das mit dem Hertha-Echo ändern und aus Fan-Sicht über den Verein berichten“, so Sangel. Aus der euphorischen Spinnerei wurde Realität, mit viel Enthusiasmus bekam das Hertha-Echo eine Frequenz und eine Sendezeit, am Anfang nur im Kabelnetz. Sangel erinnert sich mit einem schelmischen Grinsen: „Ex-Präsident Wolfgang Holst fragte mich dann irgendwann, wie er das im Autoradio hören kann. Ich sagte ihm nur: So ein langes Kabel haben Sie nicht.“

Nicht nur der Fußball hat sich geändert

Seit 2003 konnten die Hertha-Fans dann auch auf einer terrestrischen UKW-Frequenz ihr Radio hören. Die Frequenz änderte sich immer mal wieder, aktuell ist sie 91,0 MHz. „Wir haben ein Magazin-Format, das es so nur noch in Frankfurt mit Fanomenia gibt. Die haben sich aber rund drei Jahre später als wir gegründet“, erzählt der Herthaner mit der sonoren Radiostimme, die in diesem Moment besonders stolz und etwas wehmütig klingt. „Nein, es geht nicht mehr. Ich hatte vergangenes Jahr einen Bandscheibenvorfall. Wir sind alle älter geworden. Mir fehlen die Zeit und die Kraft dafür.“

Seit der ersten Sendung hat sich nicht nur der Fußball geändert. „Heute geht das für uns als Hobby-Journalisten nicht mehr so mal eben. Das ist viel mehr Aufwand. Der Spaß ist in den letzten Jahren immer mehr auf der Strecke geblieben. Wir haben das jetzt so beschlossen: Zum 30-jährigen Jubiläum wollen wir es mit einem Knalleffekt beenden.“