Berlin - Hansi Flick bedankte sich artig bei den Verantwortlichen von Bayern München für das große Vertrauen – Hasan Salihamidzic kam in seiner (Abschieds-)Rede nach dem jüngsten 3:2 in Wolfsburg nicht vor. Warum auch? Dem Sportvorstand ist Flick seit Monaten in tiefer Abneigung verbunden.

Doch längst ist Salihamidzic nicht nur beim scheidenden Trainer in Ungnade gefallen – auch für viele Fans des FC Bayern ist „Brazzo“ im Machtkampf der Buhmann. In diversen Umfragen sprachen sich zuletzt weit über 90 Prozent für einen Verbleib von Flick aus. Salihamidzic fiel dagegen klar durch. Dennoch: Flick geht, Salihamidzic bleibt. Dabei steht die Arbeit des Bosniers seit dessen Amtsantritt am 31. Juli 2017 in der Kritik. 

Petition gegen Salihamidzic hat bereits 16.000 Unterstützer

So sehr, dass die Fans des Rekordmeisters eine Petition für den Rauswurf des Sportvorstandes gestartet haben. Die Initiative „pro Hansi Flick, Brazzo raus“ fordert den „sofortigen Rücktritt“ von Salihamidzic und hatte am Dienstag schon mehr als 16.000 Unterstützer.  „Als Fans, Mitglieder, Fanclubs und Supporter des Vereins finden wir es inakzeptabel, wie mit dem weltbesten Trainer umgegangen wird! Er hat in einer schwierigen Situation die Position als Cheftrainer übernommen und das Maximum aus der Mannschaft geholt (6 Titel)“, begründeten die Initiatoren ihre Petition.

Als Nachfolger von Matthias Sammer war Salihamidzic allenfalls eine Kompromisslösung gewesen. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge präferierte Ex-Kapitän Philipp Lahm, der damalige Präsident Uli Hoeneß wollte unbedingt Max Eberl aus Gladbach verpflichten. Es wurde: Salihamidzic. „Notlösung? Ich fühle mich überhaupt nicht so“, sagte der nach seinem Amtsantritt als Sportdirektor forsch.

Ohne nennenswerte Erfahrung machte sich der Management-Anfänger, bis dato Markenbotschafter der Bayern, an die Arbeit – und tat sich vor allem in puncto Außendarstellung extrem schwer. Hoeneß und Rummenigge mussten Salihamidzic in der Öffentlichkeit immer wieder vor Häme und Anfeindungen schützen.

„Er ist ein junger Mensch – und für die Ausbildung als Sportdirektor gibt es keine Uni, die dich darauf vorbereitet. Du musst ins Wasser springen – und vom ersten Tag an ohne Reifen schwimmen“, sagte Rummenigge einmal. Salihamidzic sei fleißig und sehr engagiert. Er werde „24 Stunden, sieben Tage die Woche“ für den Verein da sein, versprach er selbst.

All das genügte den Münchnern, um Salihamidzic, der als emotional gilt, am 1. Juli 2020 zum Sportvorstand zu befördern und ihn mit einem Vertrag bis 2023 auszustatten. Vor allem Hoeneß, inzwischen Ehrenpräsident des Klubs, gilt als Fürsprecher und Mentor des 44-Jährigen. Aber auch in Präsident Herbert Hainer und Vorstand Oliver Kahn hat Salihamidzic prominente Unterstützer. Er sei „der richtige Mann, um die sportliche Zukunft des FC Bayern zu gestalten“, sagte Hainer.

Gestörtes Vertrauensverhältnis vertreibt Hansi Flick

Diese vereinsinterne Gemengelage führte letztendlich auch zum Wunsch von Flick, seinen 2023 auslaufenden Kontrakt im Sommer aufzulösen. Natürlich sieht Flick die große Chance, beim Deutschen Fußball-Bund Nachfolger von Bundestrainer Joachim Löw zu werden. Vor allem aber war es das gestörte Vertrauensverhältnis zu Salihamidzic, das Flick zu diesem weitreichenden Schritt veranlasste.

Flick fühlte sich wiederholt bei wichtigen Personal- und Planungsfragen nicht richtig eingebunden. Ein Mitspracherecht für den Coach? Gibt es beim FC Bayern nicht, kritisierte zuletzt auch Ex-Trainer Niko Kovac. 

Es sind Angriffe, die die Arbeit von Hasan Salihamidzic in keinem guten Licht erscheinen lassen. Fakt ist: „Brazzo“ („Das Bürschchen“) wird in den kommenden Wochen noch stärker unter Beobachtung stehen, der Druck wächst. Salihamidzic muss sowohl in Sachen Kader, vor allem aber bei der Neubesetzung des Trainerpostens liefern. Julian Nagelsmann von RB Leipzig soll der Wunschkandidat sein.