Neymar versteht die Welt nach dem Platzverweis nicht mehr.
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ParisSeine Wut auf den angeblichen „Rassisten“ Alvaro Gonzalez raubte dem zornigen Neymar den Schlaf. „Ich respektiere dich nicht!“, giftete der völlig entrüstete Brasilianer um 3.50 Uhr morgens via Twitter: „Du hast keinen Charakter! Sei ein Mann!“ Dann klagte der aufgebrachte Ausnahmekicker das „Arschloch“ nochmals in Großbuchstaben an: „RASSIST!“ Seine wüste Tirade versah er mit drohend erhobener Faust.

Es war der vorläufige Tiefpunkt einer Fußball-Schlacht, die schon jetzt die Bezeichnung „Skandalspiel des Jahres“ rechtfertigt. Schläge, Tritte, Spuck-Attacken. Fünf Platzverweise in der Nachspielzeit, darunter Rot für Neymar nach einem Schlag auf Gonzalez' Hinterkopf. Ein handfester Rassismus-Eklat und andere wüste Beleidigungen. Bei der 0:1-Niederlage von Paris St. Germain beim Erzrivalen Olympique Marseille zeigte das Spiel sein hässliches Gesicht.

Schwächster Saisonstart seit 1984

Die Zeitung Le Parisien sah einen „Straßenkampf“, der Spielbericht im Fachblatt L'Equipe („Die große Keilerei“) las sich wie ein Asterix-Comic. Neymar beschwerte sich beim überforderten Schiedsrichter Jerome Brisard schon während der ersten Halbzeit mehrfach vergeblich über Gonzalez („Rassismus, nein?!“). Dieser rief ihm laut französischem TV beim wilden Gemetzel in der Schlussphase zu: „Halt deinen Mund, du dreckiger Affe!“

Neymar schimpfte beim Gang in die Kabine: „Er ist ein Rassist!“ Und bei Twitter legte er so richtig los. Um 0.41 Uhr schrieb der 28-Jährige wutschnaubend: „Das Einzige, was ich bedauere, dass ich diesem Arschloch nicht ins Gesicht geschlagen habe.“ Gonzalez habe ihn „Affensohn einer Hure“ genannt.

Der Spanier konterte rund eine Stunde später mit einem Foto, das ihn im Kreise mehrerer schwarzer Teamkollegen zeigt. „Es gib keinen Platz für Rassismus“, lautete sein süffisanter Kommentar, dann stichelte er gegen Neymar: „Manchmal muss man lernen zu verlieren.“ Das brachte den Superstar erst recht auf die Palme, es folgte die empörte Reaktion zu nachtschlafender Zeit.

Die wilden Szenen in der Nachspielzeit, in der auch Layvin Kurzawa (PSG) und Jordan Amavi (OM) Rot sowie Leandro Paredes (PSG) und Dario Benedetto (OM) Gelb-Rot sahen, hätten ihm „nicht gefallen", sagte Paris-Trainer Thomas Tuchel: „Es wäre besser gewesen, ruhig zu bleiben.“

Er selbst bewahrte trotz des mit jetzt zwei Niederlagen schwächsten Saisonstarts seit 1984 und der ersten Klassiker-Pleite seit 2011 die Fassung. „Wenn wir so weitermachen, werden die Ergebnisse kommen“, meint Tuchel.