Berlin - Der unangekündigte Dopingtest nach dem dritten Spiel der Schach-WM verdarb Magnus Carlsen ein wenig die Stimmung. Die ganze Abendplanung des Weltmeisters - auf den Kopf gestellt! „Erstmal war Chelsea gegen Manchester United geplant, dann Real Madrid gegen Sevilla und dann Golden State Warriors gegen L.A. Clippers“, sagte der Norweger über seine erträumte Freizeitgestaltung.

Aber die Dopingkontrolle bringe „das alles ein wenig durcheinander“, ärgerte sich der 30-Jährige. Während der langen WM will sich Carlsen, großer Fan der Premier League und speziell von West Ham United, auf andere Gedanken bringen. Da waren Fußball und NBA-Basketball im Fernsehen für den besten Schachspieler der Welt vor dem Ruhetag am Montag ein ausgezeichnetes Alternativprogramm.

Die vergangenen 17 Partien endeten alle remis

Aber nicht nur für Carlsen, sondern auch für seinen Herausforderer Jan Nepomnjaschtschi. „Das ist tatsächlich ein guter Plan“, sagte der 31-jährige Russe: „Vielleicht werde ich mich da teilweise anschließen.“

Gemeinsam werden die Konkurrenten, zugleich Freunde seit Jugendzeiten, nicht geschaut haben - zu viel steht in Dubai auf dem Spiel. Insgesamt 14 Partien sind geplant, erst drei gespielt, und Fehler verboten. Denn eine Unachtsamkeit, eine Niederlage könnte bereits alles entscheiden.

Die vergangenen 17 WM-Partien endeten alle remis, Siege sind eine Seltenheit. Carlsen, seit 2013 Weltmeister, kommt die Erfahrung zugute. Er kennt die Abläufe, verteidigte den Titel bereits 2014, 2016 und 2018 erfolgreich, oft im Tiebreak bei verkürzter Bedenkzeit.

Drei Partien ohne große Fehler

Die ersten drei Partien gegen seinen Herausforderer „Nepo“ waren ein Abtasten, beide spielten ohne große Fehler. Ob Doping im Schach hilft, wurde Carlsen gefragt. „Menschen nehmen Aufputschmittel, um sich auf Tests vorzubereiten. Ich denke, dass diese im Schach auch helfen könnten. Also wenn mein Schach-Niveau irgendwann drastisch sinken sollte, wäre es möglich, dass ich anfange zu experimentieren“, sagte Carlsen verschmitzt: „Aber jetzt sehe ich keinen Grund dazu.“

Vielmehr setzt der Schach-Primus auf Ablenkung. Um sich an seinem 31. Geburtstag am Dienstag womöglich mit den weißen Steinen mit einem Sieg zu beschenken. Es wäre der erste in einem klassischen WM-Spiel seit fünf Jahren.