Berlin - Als das erste Gefühlschaos verarbeitet war, dachte Antonio Di Salvo kurz ans Durchatmen und Genießen. Eine Zigarre, wie sie sein Vorgänger Stefan Kuntz sich nach großen Triumphen anzündete, „mag ich überhaupt nicht“, sagte der neue U21-Cheftrainer nach seinem Debütsieg. „Aber ein richtig kühles Bier aus Ostwestfalen“, fügte der gebürtige Paderborner in seiner Heimatstadt an, „das tut gut.“

Auf die Frage von Mittelfeldspieler Angelo Stiller nach einer Belohnung für das Team nach dem hart erkämpften 3:2 (1:1) gegen Israel entgegnete Di Salvo milde lächelnd: „Die muss man sich über mehrere Spiele verdienen, das weißt du doch.“ Die U21 und ihr neuer Chef stehen noch ganz am Anfang eines langen Weges.

Im ersten Spiel nach der erfolgreichsten Ära der U21-Geschichte drohte bis kurz vor Schluss die erste Niederlage nach 394 Tagen. Die DFB-Auswahl war zweimal in Rückstand geraten – und in der Folge am israelischen Torhüter Omar Nir On und an sich selbst verzweifelt. Erst die späten Tore von Kevin Schade (88.) und Kapitän Jonathan Burkardt (90.) erzwangen den dritten Sieg im dritten EM-Qualifikationsspiel.

„Ich hätte es lieber etwas ruhiger gehabt, wir haben es uns selbst schwer gemacht“, erklärte Di Salvo, der vor allem Tempo und Zielstrebigkeit vermisste. Zeitgleich war der 42-Jährige „stolz“ auf die „deutschen Tugenden“ seines Teams. Die von ihm eingeforderten Attribute „Herz, Teamgeist und Spaß“, die unter Kuntz zu zwei EM-Titeln und einer weiteren Finalteilnahme führten, habe Di Salvo auf dem Platz erkannt.

Als es spielerisch nicht mehr lief, stellte der frühere Videoanalyst Di Salvo sein taktisches Geschick unter Beweis. Gemeinsam mit Trainer-Urgestein Hermann Gerland sah er, „dass es extrem schwer war, über das Zentrum zu kommen. Wir wollten deshalb in den letzten Minuten vermehrt über Flanken kommen.“ Der Plan ging auf, der späte Doppelschlag entstand nach hohen Hereingaben von außen.

„Beim 3:2 ist ein Riesen-Rucksack abgefallen“, sagte Di Salvo nach der emotionalen Achterbahnfahrt erleichtert: „Das schweißt das Team noch weiter zusammen. […] Wir sind immer noch in der Findungsphase, die Entwicklung der Spieler geht immer weiter voran.“

Um wieder eine untrennbare Gemeinschaft auf dem Spielfeld zu formen, die den EM-Titel erfolgreich verteidigen kann, zählt für Di Salvo in den kommenden eineinhalb Jahren „jede Einheit und jedes Spiel“. Die nächste Möglichkeit dafür gibt es am Dienstag (17.30 Uhr, ProSieben Maxx) in Ungarn. Allerdings ohne den Stuttgarter Roberto Massimo, der nach einem positiven Corona-Test am Freitag vom DFB-Team abreiste.