Jetzt war Bennet Hundt auch mal in Krasnodar. Nicht, dass er viel von der Stadt gesehen hätte. Schließlich hielt sich der 19-Jährige nicht als Tourist in Russland auf, sondern als einer der Spielmacher von Alba Berlin.

Trotzdem galt für den dienstlichen Trip, dass Reisen bildet, weil Hundt mit seinem Team am Mittwochabend das Eurocupduell bei Lokomotiv Kuban 59:75 verlor und dabei erlebte, wie es ist, wenn ein Gegner ständig Druck ausübt, extremen Druck, vor allem auf den Point Guard, also auf Hundt.

Seit Aito Garcia Reneses das Traineramt bei Alba übernommen hat, ist oft von der besonderen Gabe des 70-jährigen Spaniers die Rede, aus talentierten Basketballern Profis zu formen, die auf höchstem Niveau bestehen. Wie Reneses das macht, war in Krasnodar zu sehen, in einem kleinen Ausschnitt jedenfalls, am Beispiel von Bennet Hundt.

Das knapp 1,80 Meter große Talent kam insgesamt auf 21:09 Minuten Einsatzzeit, auf mehr als die älteren Spielmacherkollegen Stefan Peno, 20, mit seinen 18:51 und Joshiko Saibou, 27, mit 8:15 Minuten. Hundt profitierte davon, dass Peyton Siva wegen Knöchelbeschwerden pausierte. Und er profitierte von der Herangehensweise seines Chefs.

Bereits nach der Hälfte des ersten Viertels schickte Reneses die Nachwuchskraft ins Getümmel. Da führte Alba gerade 9:5. Es handelte sich um jene Phase, in der die Berliner noch mithielten. Eine von Hundts ersten Amtshandlungen war ein Duell mit Joe Ragland, in dem er Kubans Guard zu einem Foul trieb. Doch auch als die Gastgeber den Druck erhöhten, nach Art ihres Trainers Sasa Obradovic aggressiv verteidigten, über das gesamte Feld, als sie Albas Spielaufbau immer wieder zu unterbinden versuchten, blieb Hundt Teil der Rotation.

Lob vom Manager

„Bennet hat das ganz stark gemacht“, sagt Albas Geschäftsführer Marco Baldi, „ohne jegliche Aufregung.“ Und das gegen einen wie Joe Ragland, sieben Jahre älter und um einiges an Erfahrung reicher, unter anderem durch Engagements in der spanischen ACB, Europas stärkster Liga. Zuletzt spielte er mit Mailand in der Euroleague, der höchsten kontinentalen Klasse. Reicher ist er auch hinsichtlich des Gehalts, das ihm Lokomotiv überweist, der Klub mit dem mutmaßlich höchsten Personaletat im Eurocup.

Hundt hat seine Ausbildung bei TuS Lichterfelde erhalten und erste Erfahrungen in der Nachwuchsbundesliga JBBL gesammelt. Er war eine Saison an der Dalton High School bei den Catamounts. Nach der Rückkehr 2015 wechselte er zu Alba. Er trat im Juli bei der U19-EM mit der deutschen Nationalmannschaft an, die in der Endabrechnung Platz fünf belegte. Nun gehört er zu einem siebenköpfigen Kader aus Perspektivspielern, der Albas Profiteam angeschlossen ist.

Peyton Siva kehrt zurück

Eine Begegnung auf derart hohem Niveau wie in Krasnodar hat Hund bislang noch nicht bestritten. „Er hat die Aufgabe auf eine sehr reife Art gelöst“, sagt Baldi. Über die Reife des in Kürze 27 Jahre alten Peyton Siva kann Bennet Hundt allerdings noch nicht verfügen. „Mit Siva fehlte derjenige, der das Spiel hätte kontrollieren können“, sagt Baldi über die Niederlage in Russland.

Der Druck von Kubans Ganz-Feld-Presse zermürbte die ohnehin durch viele Spiele in kurzer Abfolge und eine lange Reise strapazierten Berliner, die zwar bis zum Schluss versuchten gegenzuhalten, aber große Mühe hatten, ihrem Spiel Struktur zu geben. 16 Ballverluste unterliefen ihnen. Nur 47 Prozent Trefferquote bei den Freiwürfen sprachen dafür, dass die Überzeugung schwand, an diesem Abend noch die Wende zu schaffen.

Hundt kam zwar nur auf einen Assist, zwei Punkte und einen Rebound, allerdings auch nur auf einen Ballverlust. Das mochte ihn trösten, wobei er nach eigenen Worten viel Motivation aus dem Vertrauen zieht, das ihm Coach Reneses schenkt. Der verhalf Hundt bereits am Sonntag beim 90:69-Sieg gegen Bonn zu einem Auftritt von 2:29 Minuten Länge. Mit der Philosophie des Spaniers scheint Hundt gut zurechtzukommen. „Der Trainer hat uns ein Grundgerüst gegeben, das wir ausgestalten können“, erzählte er neulich. „Wir haben viele Freiheiten, dürfen Entscheidungen treffen, das Spiel lesen.“

Allzu oft scheint er sich in Krasnodar nicht verlesen zu haben, unter den schwierigen Bedingungen jedenfalls, den vielleicht schwierigsten in der Saison, wie Geschäftsführer Baldi angesichts der beschwerlichen Reise und der Güte des Gegners meint. Am Sonnabend spielen sie wieder zu Hause.

In der Arena am Ostbahnhof empfangen sie um 18 Uhr den Aufsteiger aus Gotha. Dann soll Siva wieder einsatzbereit sein. Hundts Rolle im Spiel dürfte sich ändern. „Ich kann mich nicht beschweren“, sagt er gleichwohl. „Ich freue mich, hier zu sein.“ Bei Alba und manchmal derart unter Druck wie in Krasnodar.