Berlin - Am Ende stand das Bedauern. „Ich habe mich beim Schiedsrichter entschuldigt, es war zu viel“, sagte Christian Streich, der sich ausgerechnet bei der Pflichtspielpremiere im neuen Stadion daneben benommen hatte: „Ich habe mich nicht korrekt verhalten am Spielfeldrand und völlig berechtigt die Gelbe Karte bekommen.“

Der emotionale Ausbruch des Trainers in der ersten Hälfte war allerdings nicht das Einzige, was beim 1:1 (0:1) des SC Freiburg gegen RB Leipzig für ein ungutes Gefühl sorgte. Obwohl der Sport-Club auch nach acht Spieltagen der einzig ungeschlagene Bundesligist bleibt, wurde es nichts mit dem erhofften Feiertag im Breisgau.

Das lag vor allem an einem tragischen Zwischenfall während der Partie. Kurz nach dem Beginn der zweiten Hälfte richteten sich die bangen Blicke der Fans weg vom Platz auf den Oberrang der Tribüne, wo ein Zuschauer nach SC-Angaben „unter Reanimationsbedingungen ins Krankenhaus“ eingeliefert wurde. Die Anhänger reagierten sensibel auf den Einsatz der Rettungskräfte und stellten die Anfeuerung ein – ab diesem Zeitpunkt blieb von der zuvor hervorragenden Stimmung in der neuen Arena nicht viel übrig. „Daran sieht man, dass es Dinge gibt, die viel wichtiger sind als ein Spiel“, sagte der Freiburger Sportvorstand Jochen Saier.

Schon zuvor hatte sich Streich – im Gegensatz zu seinen Gewohnheiten – emotional zurückgenommen. Der Coach war wohl selbst erschrocken von seinem Ausraster nach einer halben Stunde. Grund für Streichs Aufregung war die umstrittene Entscheidung von Schiedsrichter Daniel Siebert (Berlin), der nach einem Kontakt von SC-Verteidiger Philipp Lienhart mit RB-Stürmer Christopher Nkunku auf den Elfmeterpunkt zeigte – Emil Forsberg verwandelte (32.). Streich sah im Nachgang ebenso die Gelbe Karte wie sein Kollege Jesse Marsch. Auch nach dem Spiel blieb Streich allerdings dabei, dass es für ihn kein Strafstoß war. Doch auch wenn die Strafstoß-Entscheidung tatsächlich äußerst umstritten war, hatte es Streich mit seinem Protest übertrieben.

Und dann schlug auch noch das Ergebnis den Freiburgern aufs Gemüt. Schließlich hätten die überlegenen Gastgeber, die in der Verfassung der vergangenen Wochen ein Europacup-Anwärter sind, gewinnen müssen. Der wieder einmal überragende SC-Kapitän Christian Günter sprach zwar von einem „insgesamt gelungenen Einstand“, gab aber gleichzeitig zu Protokoll, dass „mehr für uns drin gewesen ist“.

So blieb vor allem die Hoffnung auf das, was Streich schon kurz vor dem Anpfiff gesagt hatte. „Wir müssen schauen, dass wir das neue Stadion mit Leben füllen und uns mit der Zeit hier zu Hause fühlen“, kommentierte der Coach bei Sky den Umzug aus dem Dreisamstadion nach 67 Jahren an der alten Kultstätte: „Ich hoffe, dass der Verein das beibehält, was ihn stark macht.“