Fußball-Zweitligist Dynamo Dresden darf nach dem Willen des DFB-Sportgerichts in der kommenden Saison nicht am DFB-Pokal teilnehmen. Das entschied das Gericht am Donnerstagabend, weil Dynamo-Fans am 25. Oktober beim Pokalspiel in Dortmund mehrfach Pyrotechnik gezündet und vorher den Eingangsbereich gestürmt hatten.

Richter Hans Lorenz begründete das harsche Urteil: „Nie war die Gewalt in Stadien größer als in diesem Jahr. Tote gab es noch keine. Wenn es so weiter- geht, werden wir die ersten Toten zu beklagen haben.“ Dem Gericht sei daran gelegen, „ein Signal abzugeben: Wir können auch anders“. Lorenz nannte den Ausschluss englischer Mannschaften aus den europäischen Wettbewerben in den 80er-Jahren nach der Heysel-Tragödie mit 39 Toten als beispielhaft. Danach seien in England praktisch keine Ausschreitungen mehr zu beklagen gewesen: „Es geht also, und es geht auch in Deutschland.“

Bereits zahlreiche Strafen für Dynamo Dresden

Seit 2002 hatte es zuvor bereits 28 Verurteilungen mit Geldstrafen von bis zu 45 000 Euro, 16 Abmahnungen sowie drei Ausschlüsse oder Teilausschlüsse von Fans für Dynamo Dresden durch den DFB gegeben. Fußball-Staatsanwalt Anton Nachreiner war nach mehr als fünfstündiger Verhandlung bei seiner Forderung nach einem „Ausschluss von Dynamo Dresden bei den DFB-Pokalspielen der nächsten Verbandsrunde“ geblieben. Denn: „Die Sanktionen der Vergangenheit waren augenscheinlich zu mild.“ Dem folgte das Gericht in Gänze.

Der von Dynamo beauftragte Anwalt Christoph Schickhardt hatte in seinem Plädoyer darauf hingewiesen, er halte die Strafe „für unrichtig, weil sie nicht die Straftäter beim Schopf packt“. Schickhardt konstatierte „eine gewisse Hilflosigkeit bei Kontrollausschuss, Sportgericht und uns.“ In seinem Plädoyer kritisierte er die Polizeitaktik im Grundsatz: „Wenn die Staatsmacht zurückschreckt vor der brutalen Gewalt des Mobs, kann Dynamo Dresden als armer Zweitligist mit diesem Umfeld auch nicht mehr klarkommen.“ Dynamo sei ein Verein, der sich gerade aufrappele.

Über eine Berufung will er sich mit dem Verein beraten. In seiner Zeugenbefragung hatte der Dortmunder Einsatzleiter Peter Andres die Vorwürfe von Schickhardt zurückgewiesen. „Wenn wir während des Marsches einer Solidarisierungsmasse von 4 500 Menschen zum Stadion eingegriffen hätten, hätten wir bürgerkriegsähnliche Zustände erlebt.“