Es war irgendwie bezeichnend, dass nach der Niederlage der deutschen Nationalmannschaft in Amsterdam nur noch wenige Unentwegte im Stadion tapfer schwarz-rot-goldene Fahnen schwenkten, als ihnen Mats Hummels und Kollegen nach dem 0:3 in der Nations League zuwinkten. Der Rest saß traurig auf den Stufen oder war längst gegangen. Deshalb befahl Klassensprecher Hummels gleich den geordneten Rückzug. Die Bühne gehörte nun der Ehrenrunde der niederländischen Kollegen. Irgendwie schmecken Siege gegen Deutschland doch noch ein bisschen süßer.

Holland, die stolze Fußball-Nation, verspürte wenigstens für einen Tag das alte Hochgefühl. Es schien die Antwort darauf, dass einige deutsche Anhänger es zuvor beim traditionellen Grachtenrennen am zweiten Sonnabend im Oktober nicht lassen konnten, von den Touristenbooten das längst nicht mehr lustige „Ohne Holland fahren wir zur WM“ zu schmettern. Womöglich muss bald Deutschland nach niederländischem Vorbild um die Zulassung zu großen Turnieren zittern.

Argumente fehlen 

Wer historisch schlecht bei einer WM abschneidet und dann gleich einen neuen Wettbewerb nicht zur Besserung nutzt, dem fehlen die Argumente. Es ist dann allerdings umso irritierender, wenn von Einsicht nur wenig zu erkennen ist. Und wenn mit dem beim FC Bayern beschäftigten Hummels ausgerechnet der klügste Kopf die Contenance verliert. Man habe ihm vorgeworfen, er sei zu kritisch, aber jetzt wollte er nicht kritisch sein: Man habe immer noch eine gute Mannschaft. Basta. „Es wird ja momentan auf alle und jeden draufgeschossen, es ist respektlos! Wir werden teilweise behandelt wie Vollamateure.“

So schimpfte der 68-fache Nationalspieler ausführlich über Medien und Kritiker, die nicht drauf schauen würden, was auf dem Platz passiere, sondern – sobald ein Ergebnis mal nicht passe – nur versuchten, was Schlechtes zu finden.

Nur ist dem deutschen Fußball gerade nicht geholfen, wenn er sich in der Trutzburg wähnt. Der Münchner Hummels ist gerade mittendrin: Aus seiner Sicht habe man immer noch „eine wirklich gute Mannschaft, das Große und Ganze, die Spielanlage ist wahrlich nicht schlecht.“ Der überwiegende Teil des Publikums hatte die Ereignisse an dem herrlich milden Herbstabend in der Arena von Amsterdam anders wahrgenommen. Hummels sollte nur mal die deutschen Fans fragen, die dafür am Wochenende extra angereist waren.