Für die Gegner schwer zu überwinden: Stefan Peno.
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MünchenFast hätte man am Sonntagnachmittag das Gefühl bekommen können, als sei Stefan Peno nie weg gewesen. Keine Minute war in Alba Berlins Auftaktspiel beim BBL-Finalturnier gegen die Skyliners aus Frankfurt gespielt, als der Aufbauspieler seinen ersten Zug zum Korb setzte. Ein Dribbling von der Dreierlinie in die Zone, eine kurze Wurftäuschung, die den Gegner ins Leere fliegen ließ, gefolgt von Penos typischem hohen Floater. Das Ergebnis: die ersten zwei Alba-Zähler im Turnier und die ersten von Stefan Peno erzielten Punkte seit dem 2. Februar 2019.

Für den 22-Jährigen bedeutete dieses Spiel das Ende einer langen Leidenszeit. An besagtem 2. Februar letzten Jahres war Peno in einem Heimspiel gegen Bayreuth die linke Kniescheibe rausgesprungen. Eine ungemein schmerzhafte Verletzung, die eine lange Pause mit sich bringt. In Penos Fall exakt ein Jahr, vier Monate und fünf Tage. Peno ist dabei zu einem sportlichen Profiteur der von den Basketballern eingelegten Corona-Pause geworden und zeigte bei seiner Rückkehr gleich, wieso diese vor dem zweiten Spiel gegen Bamberg am Dienstag (20.30 Uhr, Magentasport) nicht nur ihn selbst, sondern auch seine Mannschaft zuversichtlich stimmt.

Wann immer man zuletzt mit Peno gesprochen hatte, schwang in den Worten des Serben viel Zuversicht mit, allerdings gepaart mit einiger Frustration. Peno ist mit seiner Verletzung erstaunlich gut umgegangen. Und dennoch: 16 Monate geprägt von Reha, Physiotherapie und lange aufs Werfen begrenztem Einzeltraining sind unabhängig von jeglicher Zuversicht nicht einfach zu ertragen. Die Erleichterung war also groß, als klar wurde, dass Peno fit genug ist, um als einer von 15 Alba-Spielern mit zu dem im Turniermodus ausgerichteten Saisonfinale der BBL fahren zu können.

„Ich bin wahrscheinlich fitter als einige der anderen Spieler“, hatte Peno mit einem Lachen vor der Abfahrt gen München gesagt. Fest steht, dass die dreimonatige Pause vom Spielbetrieb zumindest aus sportlicher Sicht von Vorteil für Peno war. Weil sie ihm erlaubt hat, noch drei Monate länger an seiner Fitness zu arbeiten und sein vermeintlich etwas eingerostetes Spielgefühl zurückzuerlangen.

Am Sonntag wurde Peno bei seinem Comeback dann nicht nur in den Kader, sondern auch gleich in die Alba-Startaufstellung beordert. Prompt erzielte er die ersten fünf Punkte seiner Mannschaft. Und obwohl der Guard nach knapp viereinhalb gespielten Minuten ausgewechselt und den Rest des Spiels nicht mehr eingesetzt wurde, hinterließ er einen körperlich fitten und auch spielerisch guten ersten Eindruck. Vorne organisierte Peno wie vor seiner Verletzung das Spiel der Berliner, hinten verteidigte er mit viel Einsatz. Und auch von der Bank aus fieberte er anschließend mit und motivierte die Kollegen. Die Freude darüber, wieder beim Team zu sein und mitwirken zu können, war ihm anzumerken.

Auch für Peno freuten sich viele, Fans, Mitspieler, Gegner: Sie alle sprachen Peno nach dessen Rückkehr auf verschiedenen Wegen anerkennende Glückwünsche aus. „Es war ein unglaubliches Gefühl, wieder mit meiner Mannschaft auf dem Parkett zu stehen“, sagte dieser selbst am Montag, ehe er ergänzte: „Und mein Knie fühlt sich sehr gut an.“

Penos Rückkehr ist nicht bloß eine großartige Geschichte, sondern auch sportlich wertvoll für Alba. Die Berliner müssen innerhalb des dreiwöchigen Turniers aller Voraussicht nach sechs bis acht Spiele bestreiten. Und weil in Makai Mason ohnehin ein Aufbauspieler fehlt, herrscht weiterer Bedarf auf den Guard-Positionen. Zwar scheinen übermäßig große Spielanteile für Peno in Anbetracht dessen langer Pause zunächst unwahrscheinlich, dennoch hilft seine Genesung, diesen Bedarf zu decken.

Peno hat dabei keine großen Erwartungen an die eigene Rolle. „Ich habe keine persönlichen Erwartungen“, sagte der Guard einen Tag nach seinem Comeback und ergänzte: „Ich will einfach bereit sein, meiner Mannschaft genau das zu geben, was sie braucht. Und wenn das nur bedeutet, von der Seitenlinie anzufeuern, dann mache ich halt das.“

Fünf Punkte gegen Frankfurt am Sonntag legten den Grundstein für Albas ersten Sieg im Finalturnier. Auf seinen patentierten Floater ließ der Guard übrigens einen sicher verwandelten Dreier folgen – einen Wurf, der ein Jahr, vier Monate und fünf Tage früher noch nicht zu seinen Stärken gehört hat.