Riga - Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft muss bei dieser Weltmeisterschaft zunehmend erkennen, wie schwer es ist, sich in der Weltspitze festzusetzen. Denn auf den Rausch der Anfangsphase mit dem Höhepunkt eines 3:1 gegen Kanada folgte am Montag nun die dritte Niederlage in Serie. Durch das 0:2 (0:0, 0:1, 0:1) gegen die USA, bei dem Jason Robertson 64 Sekunden vor der zweiten Pause in Überzahl die US-Führung erzielte und die Entscheidung mit einem Schuss ins leere Tor kurz vor der Schlusssirene (Colin Blackwell) fiel, spielt das Team von Bundestrainer Toni Söderholm am Dienstag ausgerechnet gegen Gastgeber Lettland (19.15 Uhr, Sport1) um den Einzug in das Viertelfinale und gegen das vorzeitige Ausscheiden.

Lukas Reichel gibt sein Comeback nach Check 

Mit dem Turnierdebüt von NHL-Profi Dominik Kahun und der Rückkehr von Eisbären-Stürmer Lukas Reichel, der sich rasch von einem Check im Spiel gegen Kasachstan gegen den Kopf erholt hat, erhöhten sich die offensiven Optionen im Vergleich zu den vorherigen Niederlagen gegen Kasachstan (2:3) und Finnland (1:2). Dennoch gelang es den DEB-Cracks zu selten, in einem an sich gefälligen Auftritt die US-Defensive zu überraschen und wirklich gefährliche Torgelegenheiten zu kreieren. Und die erste von zwei Unterzahlen reichte aus, um gegen die US-Boys entscheidend ins Hintertreffen zu geraten.

Dieses Spiel stand zugleich sinnbildlich für den aktuellen Zustand des deutschen Eishockeys: Dass eine deutsche Eishockey-Nationalmannschaft inzwischen ebenbürtig in ein Duell mit den USA geht, spricht ja für den Aufschwung, der spürbar mit Olympiasilber 2018 begonnen hatte. Zugleich sorgen die gestiegenen Ansprüche dafür, dass dieses Turnier natürlich als Enttäuschung gewertet wird, sollte die WM schon am Dienstagabend beendet sein. In der anfänglichen Euphorie waren ja bereits Finalträume formuliert und vermeintliche Parallelelen zum Silbercoup in Pyeongchang gezogen worden. Bei einer Niederlage gegen Lettland zählt auch nicht mehr, dass beim 3:1 gegen Kanada Historisches geleistet wurde und der Eisbären-Torwart Mathias Niederberger einen Arbeitstag nach Lehrbuch hinlegte.

Allerdings hat das deutsche Team gute Erfahrungen gesammelt, in Riga gegen Lettland eine Art Endspiel zu bestreiten. 2017 qualifizierte man sich hier für die Olympischen Spiele in Südkorea. Ein ähnliches Erweckungserlebnis braucht es dreieinhalb Jahre später erneut.