Berlin - Beinahe wäre für Florian Wellbrock nur die Silbermedaille übrig geblieben. Nicht, weil der Schwimm-Olympiasieger beim Kurzbahn-Weltcup in Berlin seiner Favoritenrolle nicht gerecht geworden wäre. Sondern weil sein geschlagener Widersacher Kirill Martynytschjew bei der Siegerehrung versehentlich Gold vom roten Kissen schnappte. Doch der Russe erkannte seinen Irrtum und legte die Medaille zurück, die sich Wellbrock anschließend nicht ohne Stolz um seinen Hals hängte.

„Ich bin hier, um international um die Medaillen zu schwimmen“, sagte der 24-Jährige, „und da fühlt sich die Goldmedaille natürlich besser an als ein vierter Platz.“ Einen Tag zuvor hatte der Doppel-Weltmeister von 2019 auf seiner Nebenstrecke 400 Meter Freistil als Vierter angeschlagen. Im 1500-Meter-Rennen lieferte ihm der 19-Jährige Martynytschjew lange Zeit ein hartes Duell, am Ende distanzierte Wellbrock den Junioren-Europameister aber souverän um zwei Sekunden. Seine Siegerzeit von 14:35,23 Minuten lag zwar sieben Sekunden über seiner persönlichen Bestzeit auf der 25-Meter-Bahn, aber damit war Wellbrock nach drei Wochen Training absolut einverstanden: „Es war härter als angenommen, aber auch schneller als angenommen.“

Trotzdem wird sich Wellbrock steigern müssen, will er auch bei der Kurzbahn-EM in Kasan (2. bis 7. November) und der -WM in Abu Dhabi (16. bis 21. Dezember) Siege einfahren. Technisch fühle er sich derzeit pudelwohl im Wasser, doch die Tempohärte sei nach drei Wochen Training noch nicht da. Wellbrock startet auch bei der zweiten Weltcup-Station in Budapest (7. bis 9. Oktober).

Seinen zweiten Sieg im zweiten Finale in Berlin fuhr derweil Rückenschwimmer Christian Diener ein. Der Potsdamer, der bei Olympia mit dem Vorlauf-Aus enttäuscht hatte, triumphierte nach den 200 auch über die 50 Meter. Wellbrock war einer von sieben aktuellen und zwei früheren Olympiasiegern, die in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) am Start waren. Insgesamt kämpften mehr als 300 Athleten aus 32 Nationen um Top-Zeiten und -Platzierungen. Der Weltverband Fina schüttet beim Weltcup insgesamt 1,452 Millionen US-Dollar an Preisgeldern aus.