Berlin - Erik Lesser „schämte sich wirklich“, Arnd Peiffer plagten gar „Schuldgefühle gegenüber dem Team, wenn man als Athlet nicht liefert“: Ausgerechnet beim Saisonhöhepunkt stecken die erfolgsverwöhnten Biathleten in einer Krise. Doch nach dem historischen Debakel in Sprint und Verfolgung wollen die schwer angeschlagenen DSV-Männer bei der WM in Pokljuka nun den Reset-Knopf drücken und im Einzel angreifen.

„Das muss man abschütteln. Jetzt geht es in die zweite Hälfte der WM. Wir haben schon noch was vor und wollen die WM nicht über uns ergehen lassen“, sagte Sprint-Olympiasieger Peiffer vor dem Klassiker über 20 Kilometer am Mittwoch (14.30 Uhr/ZDF und Eurosport) trotzig.

Der Druck ist nach dem unerwarteten Fehlstart groß. Doch trotz der herben Rückschläge war auch Bundestrainer Mark Kirchner nach einer Krisensitzung um Zuversicht bemüht. „Am Mittwoch geht es von null los, da wollen wir beweisen, dass wir zu den besten Nationen gehören“, betonte Kirchner. Gerade im Biathlon könne es sich „ganz schnell drehen“.

Das Selbstvertrauen ist angeknackst

Das Selbstvertrauen ist jedoch angeknackst, nachdem Peiffer und Co. in den ersten beiden Einzelrennen das jeweils schlechteste WM-Ergebnis abgeliefert haben. Peiffer war auf den Rängen 36 und 20 jeweils der „beste“ deutsche Athlet. Lesser hatte sich als 66. im Sprint erst gar nicht für den Verfolger qualifiziert. Auch die Frauen konnten den schlechtesten deutschen WM-Start seit acht Jahren mit ihren Leistungen nicht verhindern.  Denise Herrmann, die nach Platz vier im Sprint am Sonntag beim letzten Schießen die Medaille verspielte, redete nach der nächsten Enttäuschung und vor dem Einzel am Dienstag (12.05 Uhr/ARD und Eurosport) Klartext. „Mir sind doch ein bisschen die Nerven durchgegangen. Ich war ganz schön angeknackt und habe die Spannung nicht halten können. Das letzte Schießen mit zwei Fehlern ärgert mich extrem“, sagte Herrmann nach Platz acht in der Verfolgung frustriert. 

Insbesondere deshalb, weil vor allem am Schießstand bisher wenig bis gar nichts klappte. Bereits 29 (!) Fehler erlaubten sich die DSV-Männer bei sechs Einlagen, 13 sind es bei den Frauen. Nur Vanessa Hinz kam im Verfolger ohne Fehler durch, gehört aber läuferisch nicht zu den stärksten Biathletinnen im Feld. Das sah bei Arnd Pfeiffer schon ganz anders aus. Aber: „Bei 80 Prozent Trefferleistung kann man so schnell laufen wie man will, da werden nie Topergebnisse drin sein. Das ist der Punkt, an dem wir uns steigern müssen“, sagte er. Man sei deshalb auch nicht „in bester Stimmung“, ergänzte der 33-Jährige.

„Es fuchst einen. Es ist für die Psyche nicht einfach“, räumte Benedikt Doll ein. Ihm fehle „die Sicherheit. Es geht schwierig von der Hand. Zaubern kann man nicht, man muss einfach den Rhythmus finden. Ich versuche es weiter.“

Das ist das Motto der DSV-Männer vor dem Einzel am Mittwoch, der Staffel und dem Massenstart: Weiter, immer weiter! Zumal Peiffer mit einem Sieg sowie einem zweiten und dritten Platz und auch Lesser mit einer Podiumsplatzierung in diesem Winter schon gezeigt haben, dass sie mit den überragenden Norwegern, den Schweden und Franzosen mithalten können.

Lesser ist noch optimistisch

Er sei „noch optimistisch“, sagte Lesser und erinnerte an die Winterspiele 2018 in Pyeongchang. Da habe er auch zunächst „gehadert“, im Massenstart sei er dann „aber da gewesen“, am Ende verpasste er Bronze im Zielsprint hauchdünn. Auch derzeit sei seine „grundsätzliche Form nicht so schlecht“. Er wisse ja, dass er es „eigentlich drauf habe“. Der Spruch hätte auch von Peiffer oder Doll kommen können.