Berlin - Thomas Müller muss jetzt nicht ständig seine E-Mails checken. In freudiger Erwartung der angekündigten WM-Hausaufgaben von Hansi Flick verwies der Bayern-Anführer gleich nach dem gelungenen Qualifikationsabschluss beim 4:1 in Armenien auf seine beim Bundestrainer bekannten Kontaktdaten. Post von Flick wird es vor Weihnachten für die Fußball-Nationalspieler aber ohnehin nicht geben. Erst nach der Winterpause sollen den Katar-Kandidaten die speziellen Trainingspläne für die Zeit bis zu den ersten harten WM-Tests im März zugestellt werden.

Klare Botschaft an Italien, Frankreich und Brasilien

Eine klare Botschaft an die Titel-Konkurrenz von Europameister Italien bis Weltmeister Frankreich und Rekord-Champion Brasilien hatte Flick aber noch in der armenischen Herbstkälte parat. „Ich glaube schon, dass wir eine gute Qualität haben. Wir brauchen uns nicht zu verstecken. Ich denke schon, dass die Spiele gezeigt haben, dass wir zurück sind. Gerade die Art und Weise, wie wir Fußball spielen“, sagte der 56-Jährige nach dem siebten Sieg im siebten Spiel unter seiner Leitung.

Das Projekt „Rückkehr zur Weltspitze“ läuft für Flick nach Plan. Er selbst ist längst im WM-Tunnel und machte klar, dass die Leistung seiner Spieler auch nach den leichten Erfolgen gegen die Kontrahenten der europäischen B- und C-Kategorie in der souverän gewonnenen Europa-Gruppe J weiter stimmen muss. „Aber wir werden sie anschauen, wir werden gucken, was sie anbieten und werden dann den Kontakt halten. Ab Januar geht es dann los“, sagte Flick über sein Spieler-Monitoring – und fügte an, was die Titelfavoriten für die Wüsten-Endrunde aufhorchen lassen dürfte: Das aufstrebende DFB-Team sei „noch lange nicht am Ende“.

Für Flick und DFB-Direktor Oliver Bierhoff beginnt die Detailarbeit. Im März soll ein Testspiel gegen einen „Hochkaräter“ weit entfernt von der Kategorie Liechtenstein oder Armenien Aufschluss über das wirkliche Leistungsvermögen geben, „weil für uns für den nächsten Schritt auch wichtig ist, dass wir einen richtigen Gegner haben“. In den kommenden Tagen wolle man möglichst Vollzug melden.

Nach einer Woche mit großem Corona-Wirbel und ungewöhnlicher Verletzungsmisere kann Flick als sportlich positiven Aspekt verbuchen, dass er eine größere Personalauswahl hat, als lange im selbstzweifelnden deutschen Fußball gedacht. „Es ist gut, dass wir einen breiten Kader haben, das hat sich jetzt auch wieder gezeigt, dass sich da der eine oder andere noch mal zeigen kann, wie man es in der Form vielleicht nicht erwartet hat“, sagte Flick. 

Im März dürfte die Startelf jedenfalls grundlegend anders aussehen als in Eriwan. Flick fehlten unter anderem der mit Corona infizierte Niklas Süle, der gelbgesperrte Antonio Rüdiger, die mit Süle als Kontaktpersonen in Quarantäne geschickten Joshua Kimmich und Serge Gnabry sowie der verletzte Leon Goretzka. Kapitän Manuel Neuer und Marco Reus wurden geschont. Die letzten vier der insgesamt 50 Treffer des Transformations-Jahres 2021 erzielten in Armenien Kai Havertz, Ilkay Gündogan als Doppeltorschütze sowie Jonas Hofmann.

Thomas Müller lobt die Arbeit

„Man sieht, dass wir die letzten drei Monate gute Arbeit geleistet haben“, sagte Müller bei RTL. „Einen neuen Bundestrainer hatten wir in Deutschland seit 2006 nicht mehr. Also das ist schon was Einschneidendes“, sagte der unter Flick unverzichtbare Team-Routinier nach seinem 110. Länderspiel. Müller ist ein Nutznießer des Wechsels zu Flick. Auch der Gladbacher Hofmann – unter Joachim Löw eine Randfigur – und Paris-Profi Thilo Kehrer – von Löw nicht mehr berücksichtigt – können sich als Gewinner fühlen.

Personelles Sonderlob vermied Flick. „Es ist einfach eine Sache, die mir gefällt, weil jeder gerne Nationalspieler ist, gerne dabei ist in diesem Kreis, ich würde schon sagen, fast eine familiäre Atmosphäre herrscht, und genau das kenne ich von der Nationalmannschaft“, sagte der Bundestrainer. Nicht nur Müller wird sich also über DFB-Post freuen. „Also, da kann schon was kommen und das zeigt dann dieses Bewusstsein, dass es wichtig ist, dran zu bleiben, und ich glaube, egal, wer auf dem Platz war, jeder ist voll da“, bekräftigte Thomas Müller.