Sascha Pfeffer (l.) und Djamal Ziane trauern der verpassten Aufstiegschance hinterher.
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BerlinSchon 45 Minuten vor Spielbeginn hatte der Mitteldeutsche Rundfunk seine Sendung „Sport im Osten“ begonnen und einige Helden des 1. FC Lok Leipzig aus den glorreichen 80er-Jahren, als Lok im Europacup für Aufsehen sorgte, aufgeboten. Torhüter René Müller oder Abwehrchef Frank Baum kamen zu Wort, hoffen im zweiten Duell um den Aufstieg in Liga drei inständig auf einen Triumph ihrer Nachfolger. Geholfen hat es am Ende nicht.

Dabei hatte es noch frohe Kunde für Lok und den Relegationsgegner SC Verl seitens des DFB gegeben. Beide Klubs erhielten im zweiten Anlauf die Lizenz für die Dritte Liga. Aber die Bürde nach dem 2:2 im Hinspiel in Leipzig gegen den Vertreter der Regionalliga West war für Lok zu schwer. Im Bruno-Plache-Stadion hatte Lok-Keeper Fabian Guderitz in der 88. Minute einen Blackout und griff bei einer harmlosen Flanke daneben. Im zweiten Duell, ausgetragen auf der „Alm“, dem Stadion des Erstliga-Aufsteigers Arminia Bielefeld, blieb Guderitz stabil, konnte aber das entscheidende 1:1 des SC Verl durch Maik Schallenberg (73.) nicht verhindern. Zuvor war Lok durch ein Eigentor von Julian Stöckner in Führung gegangen (44.) und wähnte sich 72 Minuten in der Dritten Liga. Als das Spiel wegen einer Verletzung von Referee Arne Aarnink für knapp acht Minuten unterbrochen wurde, ging bei Lok der Spielfluss verloren. Ein Treffer fehlte am Ende.

Der Traum vom Aufstieg im „wichtigsten Spiel der letzten zwanzig Jahre“, so Lok-Präsident Thomas Löwe, war geplatzt. Verl feierte und bei Lok herrschte „absolute Leere“, wie Angreifer Matthias Steinborn schilderte. „Wir haben als Team über zwei Jahre für diesen Traum, diese Vision von der Dritten Liga gekämpft und stehen mit leeren Händen da. Das ist eine Katastrophe.“ Trainersohn Patrick Wolf, einer der besten im Lok-Trikot: „Ich bin unfassbar traurig. Ich bin leer!“ Rund 50 mitgereiste Fans beschimpften noch in Bielefeld gar die Mannschaft – als diese später in der Nacht in Leipzig ankam, wurde sie aber gefeiert.

Auf Lok kommen nun komplizierte Zeiten eines personellen Umbruchs zu. „In der Regionalliga werden wir viele Spieler nicht halten können“, sagte Präsident Löwe, „wir müssen den Gürtel enger schnallen und ein Team zusammenstellen, das guten Fußball spielen kann. Aber angesichts der Stärke der Liga in der kommenden Saison wäre es vermessen zu sagen, wir können gleich wieder angreifen.“ Nur Mittelfeldmann Paul Schinke besitzt einen Vertrag über den 30. Juni hinaus.

Wolfgang Wolf, unter dem das Team seit Oktober in Liga und Relegation ohne Niederlage geblieben war, wollte sich zur Zukunft am Mittwoch noch nicht äußern. Er sagte: „Am Donnerstag haben wir mit der Mannschaft eine letzte Sitzung mit der Vorstellung des neues Trainers.“ Gerüchte bezüglich eines Nachfolgers gibt es bereits. Der Name Almedin Civa, einst Coach bei Babelsberg, wird mit Lok in Verbindung gebracht. „Der Verein ist die Treppe hinuntergefallen und muss wieder aufstehen“, so Wolf. Auf die Frage, ob er selbst weiter als Sportdirektor beim Umbruch helfen wird, sagt er knapp: „Das wird man sehen.“