Berlin - Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) hat mit einer Verschärfung ihrer Teststrategie auf das zunehmende Corona-Chaos reagiert – und den Impfdruck auf die Protagonisten erhöht. Die neuen Maßnahmen werden nämlich nur für Mannschaften fällig, die ab dem 1. November noch ungeimpfte Spieler oder Offizielle in ihren Reihen haben.

Personen ohne Impfschutz müssen dann dreimal in der Woche mittels PCR-Methode getestet werden, Geimpfte oder seit mehr als zwei Monaten genesene Personen einmal wöchentlich. Bisher war die Testung dieser beiden Gruppen (Geimpfte und Genesene) gemäß des 31-seitigen Corona-Leitfadens der DEL freiwillig. Die aktuelle Impfquote bei den Klubs liegt nach Ligaangaben bei 93 Prozent.

Schutz der Mitarbeiter ist oberstes Ziel in der DEL

„Wir haben in den letzten Tagen gemerkt, dass die Dynamik der Infektionen zunimmt und die Behandlung durch die Behörden deutlich restriktiver geworden ist“, sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke: „Das oberste Ziel ist für uns, dass alle unsere Mitarbeiter sich bestmöglich geschützt fühlen und wir damit auch unseren Spielbetrieb sichern.“ Zuvor waren in Red Bull München und Düsseldorfer EG zwei komplette Teams und bei den Iserlohn Roosters zunächst 16 Spieler nach mehreren Corona-Fällen von den Gesundheitsämtern in Quarantäne geschickt worden. Bei den Roosters hatten am Sonnabend vor der Isolations-Anordnung des Gesundheitsamtes 48 Stunden nach dem 5:2-Erfolg gegen Vizemeister Grizzlys Wolfsburg zwei PCR-Tests ein positives Ergebnis ergeben und außerdem laut einer Vereinsmitteilung „mehrere Spieler bereits Symptome einer Corona-Erkrankung“ aufgewiesen.

„Insbesondere die Tatsache, dass nach dem Spiel am Donnerstagabend keinerlei Beschwerden auftraten, und wir dann am Sonnabend mehrere Spieler mit Symptomen hatten, hat alle Alarmglocken schrillen lassen“, sagte Iserlohns Sportchef Christian Hommel und begrüßte die ergriffenen Maßnahmen der Behörden ausdrücklich. Ein Nachholtermin für den Auftritt in Augsburg soll in den nächsten Tagen festgelegt werden.

Und das ist längst nicht die einzige betroffene Partie. Zahlreiche Spiele mussten bereits verlegt werden, der Spielplan ist schon jetzt reichlich verzerrt. Viel Puffer hat die DEL im Terminkalender nicht, da in dieser Saison neben der WM in Finnland (13. bis 29. Mai) auch die Olympischen Spiele in Peking (4. bis 20. Februar) auf dem Plan stehen.

Die DEL hat keine Zeit zu verlieren. Für Red Bull München ging es bereits am Dienstagabend im Heimspiel gegen die Bietigheim Steelers wieder weiter – mit einem Rumpfteam. Viele Spieler und auch Cheftrainer Don Jackson befinden sich noch immer in Quarantäne. Am Tag zuvor waren aus dem Profikader nur neun Feldspieler und zwei Torhüter auf dem Eis, sodass einige Youngster aus der Akademie das Training auffüllen mussten.

Red Bull München klagt über zahlreiche Impfdurchbrüche

Zumindest die Münchner, bei denen 22 Tests positiv ausfielen, klagten über „zahlreiche Impfdurchbrüche“ bei Geimpften. Diese können sich - sofern symptomfrei - laut Protokoll nach fünf Tagen freitesten. Bei Ungeimpften ist diese Zeitspanne doppelt so lang. Auch deshalb hofft die Liga auf Impf-Nachzügler. Jeder Ungeimpfte erhöhe „das Risiko für sich selbst, seine und die anderen Mannschaften und den gesamten Spielbetrieb“, sagte DEL-Spielbetriebsleiter Jörg von Ameln den Eishockeynews.

Bleibt die Frage, warum sich gerade im Eishockey derzeit so viele Personen mit dem Virus anstecken, obwohl die Impfquote relativ hoch ist. Gesundheitsökonom Florian Kainzinger, der auch für das DEL-Hygienekonzept zu Rate gezogen wurde, vermutet, dass die im Eishockeysport stets übervolle Kabine mit Spielern, Trainer und Betreuern ein kritischer Übertragungsort sei.