Ismet Akpinar hält einen persönlichen Rekord, der sich in der Basketballwelt sehen lassen kann: 49 Punkte hat er einmal in einem Spiel erzielt. „Und das innerhalb von 27 Minuten“, erzählt der Korbwerfer. Sechs Dreier waren darunter, einige Korbleger und, natürlich, auch mehrere Freiwürfe. Die sind eine Spezialität des 1,90 Meter großen Aufbauspielers.

Der 18-Jährige erzielte die Körbe vor einem Jahr in einem Spiel in der NBBL-Nachwuchsliga. Mit dem NBBL-Team von Alba Berlin kämpft er derzeit recht erfolgversprechend in den Playoffs um die Teilnahme am Final-Four-Turnier. Die bisher letzte Teilnahme eines Alba-Jugendteams liegt einige Jahre zurück. In dieser Saison hat der NBBL-Nachwuchs der Berliner in den Playoffs bereits einen Sieg geschafft – auch dank der Qualitäten Ismet Akpinars.

Der wirft und trifft nicht nur für die U19-Mannschaft, sondern gehört seit dieser Saison auch fest zum Team der Alba-Profis. „Ich bin in jedem Bundesligaspiel dabei und trainiere zwei Mal am Tag mit den Profis“, sagt Akpinar nicht ohne Stolz. Vier Mal kam er bisher zu Kurzeinsätzen, neun Punkte stehen immerhin für ihn zu Buche. Profitrainer Sasa Obradovic ist voll des Lobes über sein junges Talent. Akpinar habe das Zeug zu einem Stammspieler, sagt er. Man werde ihn behutsam aufbauen.

Ausbilden statt kaufen

So wie Akpinar sollen in den kommenden Jahren schrittweise weitere junge Talente in das Profi-Team integriert werden. Selbst ausbilden statt kaufen, heißt die Devise. Zwar ist Akpinar vor einem Jahr aus Hamburg zu den Berlinern gestoßen, „doch in unseren Nachwuchsmannschaften spielen derzeit gleich mehrere talentierte Berliner Jungs, die schon bald wie Ismet behutsam in das Profiteam integriert werden sollen“, berichtet der Sportliche Leiter für die Alba-Jugend, Konstantin Lwowsky.

Das ist ein Teil der Früchte, die Alba nun zumindest erst mal in den Nachwuchsteams erntet, seit es das 2005 begonnene, umfassende Jugendprogramm gibt: Alba macht Schule. In Zusammenarbeit mit Schulen unterstützen Alba-Trainer die Sportlehrer bei ihrer Arbeit. Der Verein hilft beim Aufbau von Schulvereinen und Basketball-AGs. „Mit 70 Berliner Schulen arbeiten wir inzwischen auf diese Weise zusammen, hinzu kommen 54 Schulen in Brandenburg“, berichtet Lwowsky, der eng mit ehemaligen Alba-Spielern wie Henning Harnisch, heute Vizepräsident, JBBL-Coach Patrick Femerling, Mithat Demirel, Sportdirektor bei den Profis, und Profitrainer Obradovic zusammenarbeitet.

Daneben soll jungen Berlinern mit Hilfe der Basketball-Akademie die Sportart schmackhaft gemacht werden. Dahinter verbirgt sich ein Wettbewerb, bei dem ein Parcours mit mehreren Disziplinen wie Korblegen, Dribbeln oder Freiwürfen absolviert wird. Für jeden erfolgreich gemeisterten Abschnitt gibt es ein andersfarbiges T-Shirt, insgesamt kann man sechs Hemden erringen. „Das ist erstmals im Vorjahr einem Teilnehmer gelungen“, sagt Lwowsky.

In den Meisterschaftsjahren von Alba – allein zwischen 1997 und 2003 errang das Profiteam sieben Meistertitel nacheinander – lebte der Verein noch von der Kooperation mit TuS Lichterfelde. „Bis wir 2005 beschlossen, bei Alba eine eigene Nachwuchsabteilung aufzubauen“, sagt Lwowsky. Das war zwar ein lobenswerter Gedanke, führte jedoch in den ersten Jahren dazu, dass nicht mehr wie früher eigene Talente den Weg in das Profiteam fanden. „Es gab damals noch keine eigenen jungen Spieler, die so weit waren“, sagt Lwowsky. „Wir hatten mit acht- bis neunjährigen Kindern begonnen. Es brauchte also alles seine Zeit.“

Was aber nur ein Teil der Wahrheit ist. In jenen Jahren war das erfolgsverwöhnte Profiteam ohnehin stärker auf den Zukauf fertiger Spieler fokussiert. Doch das war auf Dauer kein Weg. Selber ausbilden ist letztlich günstiger, als viel Geld in fertige Spieler zu investieren. Zumal es inzwischen in der Bundesliga eine strenge Quotierung gibt. Mindestens sechs deutsche Spieler müssen zu jedem Team gehören. Auch das verlangt, mehr für den Nachwuchs zu tun.

Ohne Chance in Köpenick

Ganz so einfach ist das nicht in einer Stadt, in der sich auch erfolgreiche Fußballvereine, Handballer, Volleyballer oder die Eisbären um Nachwuchs bemühen. „In Köpenick“, weiß Lwowsky zu berichten, „war in den meisten Schulen, in denen wir uns engagieren wollten, bereits Union Berlin an Bord. Da ging so gut wie nichts.“

Doch Alba ist dabei, alle Mühen allmählich zu bewältigen. „Rund 2 500 Kinder und Jugendliche spielen heute unter dem Alba-Dach Basketball“, sagt Nachwuchschef Lwowsky. Ihnen stehen beim Verein und an den Schulen rund 80 Trainer zur Verfügung. Insgesamt eine Million Euro lässt sich Alba die Nachwuchsarbeit im Jahr kosten. Das Geld kommt mehr und mehr von Sponsoren. Aber auch der Senat und die Profiabteilung sind beteiligt.

So langsam soll sich diese kontinuierliche Nachwuchsarbeit auch für die Profimannschaft auszahlen. „Ab der Saison 2015/2016 rechnen wir damit, dass pro Spielzeit mindestens ein neues Talent aufrücken kann“, sagt Lwowsky. Es werde aber auch weiter in Vereinen aus der Region und bundesweit nach jungen Talenten Ausschau gehalten, um Spieler wie Ismet Akpinar nach Berlin zu locken. Der bereut seinen Wechsel nicht: „Seit ich bei den Profis mitspiele, lerne ich jeden Tag dazu“, sagt er. „Ich wusste gar nicht, dass ich noch so viel verkehrt mache.“