Berlin - Nadiem Amiri ist in Ludwigshafen am Rhein geboren, er hat 51 Länderspiele für die Junioren-Auswahlteams des DFB bestritten, gab im Oktober 2019 beim Test gegen Argentinien schließlich sein Debüt in der A-Nationalmannschaft. Womit für ihn, wie er selbst betont hat, ein Traum in Erfüllung gegangen ist. Am Freitagabend allerdings, beim Bundesligaspiel zwischen Union Berlin und Bayer Leverkusen, wurde der 24-Jährige Opfer einer persönlichen Beleidigung, die seinen Werdegang außer Acht lassend auf die Herkunft seiner Eltern zielte. Wobei er sich umgehend – und das spricht für seine Größe – an einer Deeskalation versuchte. Amiri sagte: „Er ist zu mir in die Kabine gekommen. Es sind aus den Emotionen heraus unschöne Worte gefallen, die ihm sehr leid tun. Er hat mir das glaubwürdig versichert, deswegen ist die Sache für mich erledigt.“

Erledigt ist leider nichts, weil Leverkusens Jonathan Tah noch vor laufender Kamera darüber geklagt hatte, dass Amiri von Unions Florian Hübner als „Scheiß-Afghane“ und aus seiner Sicht rassistisch beschimpft worden sei, wenig später aber gestand, nur vom Hörensagen von dieser Beleidigung erfahren zu haben. Und weil Hübner, der wiederum selbst von einem Leverkusener Profis als „Hurensohn“ bezeichnet worden sein soll, offensichtlich bei seinem Manager Oliver Ruhnert mit einem widersprüchlichen Bericht vorstellig wurde. Ruhnert jedenfalls gab in der Folge als Strafverteidiger eine eher unglückliche Figur ab. Es sei schwierig, ihm, also Hübner, „da was anzudichten“, sagte er, unter anderem mit einem Verweis auf Hübners Lebensgefährtin, die indische Wurzeln hat. Letztlich wäre es wohl klüger gewesen, wenn Ruhnert die Deutung der Vorkommnisse tatsächlich dem DFB-Kontrollausschuss überlassen hätte.

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