Sasa Obreadovic lächelt. Der Trainer hat gerade erzählt, wie es bei seinem Verein Lokomotiv Kuban in Russland so läuft. Er hat halb im Scherz, halb im Ernst von einem Dreieck erzählt, in dem er sich täglich bewegt: „Vom Training ins Spa, von dort ins Restaurant und zurück in die Halle.“ Die Strukturen bei Lokomotiv seien denen bei Alba ähnlich. „Vielleicht sind sie sogar noch besser.“ Obradovic muss es wissen. Er war von 2012 bis 2016 Chefcoach des Berliner Basketballklubs. An diesem Abend kehrte er in die Arena am Ostbahnhof zurück, um das vierte Playoffduell gegen die Bayern zu verfolgen. Er hat ein spannendes, umkämpftes Spiel gesehen mit einem unglücklichen Ausgang für seinen ehemaligen Verein (82:87).

Dass Obradovic zu Albas letztem Saisonauftritt erschien, ist Zufall, die Familie lebt weiterhin in Berlin. Doch wirkte es so, als schlösse sich ein Kreis. Im vergangenen Sommer war Obradovic gegangen, weil Alba neue Impulse setzen wollte. Jetzt steht fest: Der Versuch ist gescheitert. Obradovics Nachfolger Ahmet Caki wurde vor einem Monat entlassen. Obradovics damaliger Assistent Thomas Päch hat das Team immerhin noch zu einer starken Leistung in den Playoffs geführt. Obradovics früherer Chef Marco Baldi erklärt nun ein paar Meter von dem Coach im VIP-Raum entfernt, dass sich etwas ändern muss. Wieder einmal.

Zwei Verträge laufen weiter

„Alles auf Ahmet Caki zu schieben, wäre mir zu einfach“, sagt der Geschäftsführer und erklärt noch einmal die Strategie, mit der Alba etwas näher an die finanziell deutlich stärkeren Bayern und Bamberger herankommen will. „Wir brauchen einen Kern von talentierten Spielern. Die müssen nicht unbedingt jung, sondern gewillt sein, den nächsten Schritt zu machen. Sie müssen bereit sein, sehr viel zu investieren.“ Das war zuletzt offenbar nicht bei allen Profis der Fall.

Die Mannschaft erhält jedenfalls ein neues Gesicht. Nur der Vertrag von Point Guard Peyton Siva gilt noch für die nächste Saison, der von Center Bogdan Radosavljevic für zwei weitere Jahre. Power Forward Tony Gaffney hat die Option auf eine Verlängerung. Alle anderen sind mit dem Saisonende am Dienstag nicht mehr an Alba gebunden. Niels Giffey gehört dazu, die Identifikationsfigur des Klubs. Ebenso die deutschen Ismet Akpinar und Akeem Vargas. Außerdem Center Elmedin Kikanovic und Kapitän Dragan Milosavljevic, die während der zurückliegenden zwei Jahre eine tragende Rolle spielten.

Die zunächst wichtigste Frage, mit der sich Marco Baldi und sein Sportdirektor Himar Ojeda befassen müssen, ist die nach dem Trainer. Thomas Päch hat in den drei Wochen und sechs Partien unter seiner Führung die Befähigung für diese Aufgabe unter Beweis gestellt, auch wenn er selbst sagt: „Die Jungs haben in dieser kurzen Zeit Unglaubliches geleistet und meinen Job unglaublich einfach gemacht.“

Pächs Vertrag ist weiter gültig. Spekulationen, der 34-Jährige würde als Assistent von Thorsten Leibenath in Ulm anfangen, weist Baldi zurück: „Thomas Päch bleibt Coach bei Alba. Ob als erster oder zweiter Assistent, werden wir sehen.“ Assistent, nicht Chef? „Das kann ich momentan nicht sagen.“ Fest steht für den Manager: „Wir wollen einen Trainer, der bereit ist, mit Spielern zu arbeiten, die Entwicklungspotenzial haben.“

Femerling muss gehen

Weil Denis Wucherer nach dieser Maßgabe zuletzt beim Bundesligisten aus Gießen erfolgreich tätig war und dort eine Vertragsverlängerung nicht zustande kam, hält sich hartnäckig das Gerücht, der 44-Jährige komme nach Berlin. Doch wer auch immer an der Spitze des Trainerstabs stehen wird, der abermalige Umbruch macht diesmal nicht einmal vor den Basisarbeitern halt. Der bisherige Leiter der Alba-Jugend Konstantin Lwowsky wird Sportchef beim Zweitligisten Chemnitz in der Pro A. Der Vertrag von Patrick Femerling läuft im Juni aus und wird nicht verlängert, da das von ihm betreute Regionalligateam wegfallen soll. „Das Programm muss gestrafft werden“, sagt Baldi. Mehr als zwei Millionen steckt Alba in die Nachwuchsarbeit. „Wir wollen sie unter leistungssportlichen Gesichtspunkten stärken.“ Im Verein ausgebildete Talente sollen das Korsett des Profikaders bilden. „Das geht nicht in einem halben Jahr, das soll mittelfristig realisiert werden.“ Deshalb wird erneut kurzfristig umgebaut.

Heute präsentiert sich die Mannschaft ein letztes Mal in dieser Konstellation den Fans. Um 19 Uhr tritt sie in der Arena am Ostbahnhof auf. Dort, wo sie in der Nacht zu gestern müde auseinanderging. Auch Sasa Obradovic hat sich verabschiedet, da war es schon halb zwölf. Er hat Baldi umarmt, hat gesagt: „Wir telefonieren morgen.“ Dann war der Coach verschwunden. Zurück blieb ein verdutzter Manager. „Mit dem habe ich hier jetzt überhaupt nicht gerechnet“, hat Marco Baldi gesagt. Und dann hat er gelacht.