Berlin - Auch zum Wochenende hatten die Eisbären Berlin in dieser Woche noch mal schlechte Nachrichten zu verkünden: Diesmal ging es allerdings nicht um Corona und damit verbundene Quarantäne und Spielausfälle. Völlig überraschend beendet Maxim Lapierre seine Karriere. Ein Spieler, der schon unter normalen Umständen kaum zu ersetzen ist, knappe zwei Wochen vor dem Start in die neue DEL-Saison ist das gar unmöglich.

Geschockte Führungsriege

„Die Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen, auch wenn ich schon ein bisschen länger darüber nachgedacht hatte“, lässt sich der kanadische Mittelstürmer in einer Vereins-Pressemitteilung zitieren. „Es war einfach Zeit, meine aktive Karriere zu beenden. Das hat weder etwas mit meiner momentanen Verletzung noch mit den Eisbären zu tun.“ Dabei war der 36 Jahre alte Kanadier mit seiner Frau und den drei Töchtern nach der langen Sommerpause als erster Spieler aus Übersee für die Einschulung eines seiner Mädchen zurückgekehrt.

Schon damals hatte er eine gewisse Vorahnung, was seinem Verein blüht, wenn es nach der Corona-Zwangspause weitergeht. Er sagte: „Wir müssen einfach geduldig sein und die Situation verstehen, dass alle so lange nicht gespielt haben und die Routine nicht die gleiche ist.“

Vielleicht ist in den vergangenen Tagen und Wochen die Erkenntnis gereift, dass sich die Situation noch schwieriger darstellt, als er sich das im Sommer noch vorgestellt hatte. Was zum einen daran liegt, dass die zweite Coronapandemie das deutsche Eishockey und zuletzt auch die Eisbären viel härter erwischt hat, als es im August abzusehen war. Zudem offenbarte sich zuletzt, dass der Kader der Berliner noch erhebliche Schwächen aufweist.

Mittelachse ist weggebrochen

In der vergangenen Saison zählte gerade das Potenzial auf der Centerposition zu den Stärken der Eisbären. James Sheppard zog es dank eines besseren Vertragsangebots nach Köln, Louis-Marc Aubry, der in der Hauptrunde seine Rolle im Spiel von Trainer Serge Aubin suchte, spielt jetzt für den ERC Ingolstadt. Diese Lücken adäquat zu ersetzen, wäre schon in normalen Zeiten schwierig geworden. Nun kam hinzu, dass aufgrund der unsicheren Lage Investitionen ausgeblieben sind, ja ausbleiben mussten. Und nun bricht der nächste Mittelstürmer weg.

Für die EHC-Führung ist Lapierres Entscheidung ein gravierender Rückschlag. Der ehemalige NHL-Profi genoss nicht nur höchste Wertschätzung, weil er eben die richtigen Entscheidungen traf. Ganz entscheidend half er dabei, dass Lukas Reichel sich derart weiterentwickeln konnte, dass er in der ersten Runde des NHL-Drafts von den Chicago Blackhawks ausgewählt wurde. „Es war ein Schock für uns als Maxim zu uns kam und uns darüber informierte, dass er seine Karriere sofort beenden wolle“, sagt Sportdirektor Stéphane Richer. „Selbstverständlich respektieren wir Maxims Entscheidung, auch wenn wir ihn nur sehr schwer ersetzen werden können.“

Knappe zwei Wochen vor dem Saisonstart sind die Eisbären nur bedingt wettbewerbsfähig, zumal die nachverpflichteten Stürmer Kris Foucault und Giovanni Fiore noch gar nicht richtig angekommen sind. Hinzu kommt, dass frühestens am kommenden Freitag das Training beginnt, also genau eine Woche, bevor es gegen die Fischtown Pinguins wieder um Punkte in der Liga geht. Auf die Unterstützung von den Rängen, die das eine oder andere Defizit kompensieren kann, müssen derzeit bekanntlich ohnehin alle Fans verzichten. Bei aller Vorfreude, dass es bald wieder losgeht, die Perspektiven aktuell sind eher ernüchternd.