Bitte lächeln: Naomi Osaka geht es bei den Australian Open wieder sehr viel besser.
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MelbourneEs war eine merkwürdige Situation vor einem Jahr in Melbourne. Während des ganzen Turniers hatte sich Naomi Osaka immer wieder gesagt: Egal wie, aber irgendwie musst du da durch. Sie fühlte sich in der Gegenwart ihres deutschen Coaches Sascha Bajin nicht mehr wohl, der sie vier Monate vorher zum Titel bei den US Open geführt hatte, und der auch in Australien noch auf der Bank saß. Trotz der zum Teil lähmenden Stimmung gewann sie den Titel, den zweiten bei einem Grand-Slam-Turnier innerhalb kurzer Zeit, und sie hatten allen Grund, stolz auf sich und ihre Beharrlichkeit zu sein. Keine drei Wochen später verkündete sie das Ende der Partnerschaft mit der Erklärung, glücklich zu sein sei ihr wichtiger als Erfolg zu haben.

Es wurde ein schwieriges Jahr. Bis Ende Juni und noch mal drei Wochen im August hielt sie die Position an der Spitze der Weltrangliste, Sponsoren standen Schlange, und jeder wollte was von ihr. In Japan, dem Heimatland ihrer Mutter, für das sie spielt; in den USA, dem Land ihrer Kindheit und Jugend, und in der karibischen Heimat ihres Vaters. Anfang August ließ sie die Welt wissen, sie habe seit Monaten keinen Spaß mehr beim Tennis gehabt und habe sich selbst eine viel große Last aufgeladen. Es sei eine harte Zeit gewesen, aber sie werde sich Mühe geben, den verlorenen Spaß wieder zu finden.

Naomi Osaka und ein leicht schrulliger Humor

Wer Naomi Osaka dieser Tage in Melbourne erlebt, der sieht eine junge Frau, der es viel, viel besser geht. Die in Momenten unbeschwert wirkt, obwohl ihr das nicht in die Wiege gelegt wurde, und deren leicht schrulliger Humor neue Blüten treibt. Es gibt kaum jemandem auf dem Planeten Tennis, der so vielsagende Pausen in Sätze einbaut und dann hinterher um Entschuldigung bittet, weil die Pause zu lang und unhöflich war. Eine Kostprobe dieses Humors, der manchmal wie ein Wagen auf drei Rädern durch die Gegend holpert, gab sie bei einem kleinen Auftritt im Rahmen der Auslosung vor ein paar Tagen.

Als sie gefragt wurde, ob sie eine Chance gehabt habe, mit der von ihr bewunderten Serena Williams ein paar Ratschläge für eine erfolgreiche Titelverteidigung einzuholen, da folgte zunächst wieder eine Pause. Dann dozierte sie: „Okay, ich muss Sie wohl unterrichten, wie ich als Person so bin. Ich rede nicht mit Leuten. Ich starre sie nur aus der Entfernung an; das ist Lektion Nummer 1. Nummer 2 ist: Sollte ich mit Serena reden müssen, wird sie zuerst mit mir reden und ich bin dann so überrascht darüber, dass ich nicht antworten kann.“

In diesem Irrgarten von Wörtern und Pausen muss sich nun der neue Mann auf der Bank zurecht finden. Im Dezember verkündeten Naomi Osaka und der Belgier Wim Fissette den Beginn ihrer Zusammenarbeit; eben jener Fissette, der Angelique Kerber 2018 zum Wimbledontitel geführt hatte. Der sei wirklich nett, sagt sie, „wir nennen ihn Fissetti. Ich weiß, dass er mit vielen Top-Spielerinnen gearbeitet hat, und ich habe das Gefühl, dass ich von seinen Erfahrungen viel lernen kann.“

Der Coach ist nicht weniger angetan. Er sagt, zu Beginn der Zusammenarbeit habe er sich gefragt, wie sie wohl im Spiel ticke; ob sie ihrer Intuition folge oder eher klar denke und kalkuliere. Er fand es schnell heraus. „Sie ist eine sehr intellektuelle Spielerin und Person, die genau weiß, was sie tut. Und ich denke, das hilft ihr, in den entscheidenden Momenten cool zu bleiben. Sie ist super ehrgeizig für ihr Alter, und wenn ich mit ihr arbeite, dann muss es das Ziel sein, wieder die Nummer eins zu werden und Grand-Slam-Turniere zu gewinnen.“

Diesmal bin ich besser vorbereitet, hoffentlich geht es gut.

Naomi Osaka

Erste Etappe - das Unternehmen Titelverteidigung in Melbourne, diesmal in besserer Verfassung und in deutlich entspannterer Gesamtsituation. Bei den US Open vor vier Monaten sei sie mit dieser Aufgabe überfordert gewesen, sagt Naomi Osaka. „Diesmal bin ich besser vorbereitet, hoffentlich geht es gut.“ Wie weit sie kommen wird, wird sich zeigen; aber dass er ihr besser geht als vor einem Jahr ist nicht zu übersehen.