Überprüft die Reißfestigkeit seiner Maske: Joachim Löw vor dem DFB-Teamhotel in Stuttgart.
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StuttgartAus sicherer Entfernung schaute Joachim Löw zu den wartenden Journalisten hinter der Absperrung, der Bundestrainer zupfte seine weiße Maske zurecht und lehnte dankend die Interview-Wünsche ab. Auch die Nationalspieler um Kapitän Toni Kroos zogen am Montagmittag ohne ein Wort und mit Mund-Nase-Schutz ins Stuttgarter Wald-Hotel, wo sie als Erstes ihre Hände desinfizierten. Danach unterzogen sie sich einem Corona-Test und verbrachten die Zeit bis zum Ergebnis alleine auf dem Zimmer.

Knapp zehn Monate nach der letzten Zusammenkunft der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ist kaum noch etwas so, wie es einmal war. Das DFB-Team startet aus der Isolation heraus in die EM-Saison. Nichts soll den Auftakt in der Nations League mit den Spielen am Donnerstag in Stuttgart gegen Spanien und drei Tage später in Basel gegen die Schweiz (beide 20.45 Uhr/ZDF) gefährden.

Joachim Löw sprüht vor Tatendrang

Man werde „in einer Blase leben“, sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff. Für Löw ist es trotz der besonderen Umstände „schön, dass wir uns wieder der Normalität annähern“. Der 60-Jährige sprüht nach der mit dann 288 Tagen längsten Länderspielpause seit 70 Jahren vor Tatendrang. Viel Aufmerksamkeit wird er den Rückkehrern Leroy Sane und Niklas Süle widmen. Die Bayern-Profis sind nach ihren schweren Kreuzbandverletzungen wieder fit, müssen aber „in einen Trainings- und Wettkampfrhythmus kommen“, sagte Löw. Das Mantra des Bundestrainers gilt auch hier: „Die oberste Priorität hat die EM im nächsten Jahr.“

Der anstehende Doppelspieltag hat aber nicht nur Test-Charakter. Für das DFB-Team gilt es, anders als im Premierenjahr den sportlichen Abstieg aus der Nations League zu verhindern. Außerdem haben die Ergebnisse direkten Einfluss darauf, ob Deutschland bei der Auslosung zur WM-Qualifikation in Lostopf 1 oder 2 landet.

Trotzdem verzichtet Löw zum Start auf die vielbelasteten Münchner Triple-Sieger Manuel Neuer, Serge Gnabry, Leon Goretzka und Joshua Kimmich. Auch den Leipziger Champions-League-Halbfinalisten Lukas Klostermann und Marcel Halstenberg schenkt er eine Pause. „Niemand hat mich darum gebeten“, sagte Löw.

Der Bundestrainer weiß, dass er es sich in der Termin-Hatz nicht mit den Klubs verscherzen darf. Schließlich stehen bis zum Gruppenfinale der Nations League am 17. November in Spanien acht Länderspiele auf dem Plan. Selbst für Löw ist das ein „grenzwertiges“ Mammutprogramm, er persönlich hätte stattdessen gerne „zwei, drei Trainingseinheiten mehr“ gehabt. Doch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) braucht die Einnahmen aus diesen Länderspielen dringend, Generalsekretär Friedrich Curtius nannte sie zuletzt „unsere Lebensversicherung“.

Dass die Spiele in Stuttgart und Basel überhaupt stattfinden, freut vor allem Robin Gosens. Den Abwehrspieler hatte Löw schon länger im Blick, für sein Debüt im DFB-Trikot sagte er sogar dem niederländischen Verband ab - „eine Entscheidung des Herzens“, wie er betonte. Die beiden anderen Neulinge sind Florian Neuhaus (Mönchengladbach) und Oliver Baumann (Hoffenheim). (sid)