Michael Ballack hat den unausweichlichen Schritt erst vergangene Woche vollzogen, die Torhüter-Rivalen Oliver Kahn und Jens Lehmann sind schon längst als TV-Experte tätig und Abräumer Torsten Frings lässt seine Karriere im fernen Kanada ausklingen. Die Protagonisten des Sommermärchens 2006 sind in die Jahre gekommen. Nun hat auch Verteidiger Christoph Metzelder seinen Abschied von Schalke 04 zum Saisonende angedeutet, womöglich wird er die Fußball-Bühne ganz verlassen.
Metzelder wäre mit diesem Schritt nicht der erste Spieler aus der 2006er Mannschaft, die Fußball-Deutschland unter Bundestrainer Jürgen Klinsmann in fünf Wochen so verzückt und einen Imagewandel der Nationalelf eingeleitet hatte. Sieben der 22 Spieler haben sich bereits in den sportlichen Ruhestand verabschiedet. Der letzte von ihnen war Ballack, der die monatelange Suche nach einem neuen Verein vor einer Woche eingestellt hat und nun mit einer Trainerkarriere liebäugelt.

Nur noch fünf 2006er im Nationalteam vertreten

Metzelder und Ballack hatten in den vergangenen beiden Jahren mit vielen Verletzungen zu kämpfen. Ähnlich war es auch Jens Nowotny, Bernd Schneider und Tim Borowski ergangen, bei denen der Körper nicht mehr so recht wollte. Bei den Torhütern Kahn (jetzt Experte beim ZDF) und Lehmann (Sky) war dagegen wie bei Oliver Neuville schlichtweg die Altersgrenze erreicht.
So sind im aktuellen Team von Bundestrainer Joachim Löw nur noch fünf Akteure - Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Per Mertesacker, Lukas Podolski und Miroslav Klose - vertreten, die am 4. Juli 2006 begleitet von vielen Tränen den Traum vom vierten WM-Titel nach einem 0:2 gegen Italien begraben mussten.

Uschhorod, Chicago oder Fürth

In den Wochen zuvor hatten sie eine kaum für möglich gehaltene Euphorie entfacht. Wie etwa David Odonkor bei seiner Vorlage zu Neuvilles 1:0-Siegtreffer gegen Polen in letzter Sekunde. Heute spielt der pfeilschnelle Außenstürmer bei einem ukrainischen Klub namens FC Hoverla-Zakarpattya Uschhorod. Oder etwa Gerald Asamoah, der bei der WM als DJ unverzichtbar war und nun beim Bundesliga-Aufsteiger SpVgg Greuther Fürth seine Karriere ausklingen lässt. Bei Frings führte der Weg in die Major League Soccer zum Toronto FC, genauso wie bei Arne Friedrich, der für Chicago Fire spielt. Thomas Hitzlsperger ist bei der zweiten Mannschaft des FC Everton gelandet.

Echte Leistungsträger auf höchstem Niveau sind neben den fünf übrig gebliebenen Nationalspielern nur noch Sebastian Kehl (Borussia Dortmund), Marcell Jansen (Hamburger SV), Mike Hanke (Borussia Mönchengladbach) und Timo Hildebrand (Schalke 04). Robert Huth verteidigt als Stammspieler für Stoke City in der Premier League.
Leistung bringt Metzelder fast nur noch im Training, trotz auskurierter Leisten- und Fingerverletzung sitzt er bei Huub Stevens meist auf der Tribüne. „Das ist der normale Zyklus eines Leistungssportlers. Ich habe mit 19 Jahren Jürgen Kohler und Alfred Nijhuis den Platz abgejagt“, sagt der frühere Innenverteidiger von Real Madrid. Er sei nicht jemand, der sich in die Kummerecke setze und hängen lasse. „Aber das Ende ist in der Ferne sichtbar“, ergänzt Metzelder, der mit 31 Jahren zum alten Eisen gehört. (dapd)