Alarmierende Zahl: Nur 45 197 Zuschauer wollten das Spiel zwischen Deutschland und Argentinien sehen.
Foto: Matthias Koch

DortmundWenn der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Länderspiele der Frauen-Nationalmannschaft im Kartenvorverkauf abwickelt, spuckt das Ticket-Portal die Plätze nur blockweise aus. Damit wird verhindert, dass die Zuschauer sich später im Stadion so verstreut wiederfinden wie Pusteblumen auf einer Grünfläche. In Perfektion wurde die Positionierung der Kulisse beim DFB-Pokalfinale der Frauen zwischen dem VfL Wolfsburg und SC Freiburg (1:0) in Köln am 1. Mai vorgeführt: Bereiche oberhalb der Gegengerade und Kurven blieben verwaist. Der Fernsehzuschauer bekam trotz der nur 17.048 Zuschauer eine schöne Kulisse vorgegaukelt, weil die Führungskamera meist nur über die unteren Tribünen des 50.000 Plätze bietenden Stadions schwenkte. Verwerflich war die geringe Resonanz nicht, denn viel mehr gibt das Frauen-Event nicht her.

Wenn allerdings dieselben Tricks plötzlich für den Länderspielklassiker Deutschland gegen Argentinien der Männer greifen müssen, ist Gefahr im Verzuge. Dass der Stadionsprecher triumphierend die Zahl von 45.197 Zuschauern ausrief, muss in Wahrheit als ein Alarmschrei gewertet werden. Denn die gewaltige Heimstätte von Borussia Dortmund mit ihrer Kapazität für 80.000 Menschen ist eigentlich immer voll bis unters Dach.

Tristesse am Tivoli

Gewiss, das lange feststehende Fehlen des gesperrten Lionel Messi dürfte für das Länderspiel mindestens 5000 Fans gekostet haben, aber der DFB ist gut beraten, eine vertiefende Analyse über den Vertrauensverlust bei seiner Stadionkundschaft anzustellen. Die späten Anstoßzeiten, die vielen Absagen bei Testspielen, die mitunter lässige „Ergebnis-ist-egal“-Grundstimmung des Bundestrainers Joachim Löw und die fragwürdige Preisgestaltung sind eine Grundsatzdebatte wert. Wer beispielsweise sich am 19. November in Frankfurt das vermutlich bedeutungslose EM-Qualifikationsspiel Deutschland gegen Nordirland ansehen will, zahlt zentral auf der Gegengerade 80, hinter dem Tor 45 Euro.

Denkverbote sollte es nicht geben. Nur kann die Lösung nicht sein, Männer-Länderspiele vermehrt in kleinere Stadien und Städte zu vergeben. Die DFB-Frauen haben kürzlich ihr EM-Qualifikationsspiel gegen die Ukraine (8:0) in Aachen ausgetragen. Gerade 5504 Interessierte kamen auf den schönen Tivoli mit seinem Fassungsvermögen für fast 33.000 Zuschauer. Da herrschte auf weiten Teilen der Tribüne noch mehr Tristesse als in Dortmund – darf aber bestimmt kein Trost sein.