Nationalmannschaft voller Talente: Die Fünf-Sterne-Spieler

Düsseldorf - Am Sonntag hat der Bundestrainer den Meistertrainer angerufen. Kollege Joachim Löw teilte dem Dortmunder Chefcoach Jürgen Klopp mit, dass er für das EM-Qualifikationsspiel am Dienstagabend gegen Belgien auf Mario Götze verzichten könnte. „Ich habe Kloppo gesagt, dass Mario am besten zwei Tage frei bekommt und so auch psychisch mal wieder aufladen kann.“

Götze ist erst 19 Jahre alt und wird in den kommenden Wochen in der Champions League und der Bundesliga stark gefordert sein. Die Maßnahme spricht für das Verantwortungsbewusstsein des Bundestrainers. So was wissen Klubtrainer sehr zu schätzen.

„Die schwerste Nominierung aller Zeiten“

Götze hat erst dreimal für Deutschlands A-Nationalmannschaft gespielt, so gut jeweils, dass er sich keine Sorgen um einen Platz im EM-Kader machen muss. Aber einen Platz in der ersten Elf hat das Ausnahmetalent keineswegs sicher. Der Konkurrenzkampf ist in der deutschen Nationalmannschaft auf einem solch hohen Niveau aus Sicht der meisten anderen Nationen beneidenswert.

Klopp sagt freudig erregt: „Dass wir so früh so viele gute junge Spieler in der Nationalelf hatten, gab’s noch nie. Das ist der Wahnsinn.“ Er glaube, die Auswahl der Spieler für die EM werde „die schwerste Nominierung aller Zeiten“. Klopp hat Recht. Drei Beispiele für das harte Ausleseverfahren erlebt er derzeit hautnah: Aus seiner Meistermannschaft der vergangenen Saison sind zuletzt Marcel Schmelzer, Sven Bender und Kevin Großkreutz nicht mehr in den A-Kader berufen worden. Teamkollege Mats Hummels saß in der Türkei nur auf der Bank.

Löw ist seit fünf Jahren und drei Monaten Bundestrainer, die Zeit reichte, um gegen die Türken den 50. Sieg unter seiner Führung zu erleben, unter der sich einiges geändert hat. Sein Credo: „Das Thema Stammspieler ist bei mit passé.“ Es herrsche ein „berechtigter Kampf um die Plätze.“

Das Wort „Kampf“ betont er dabei besonders und fügt an, wie „enorm froh“ er über diese Konkurrenz sei, denn: „Große Mannschaften haben einen großen Durchlauf.“ Der Dortmunder Mittelfeldspieler Ilkay Gündogan, 20, sollte gegen Belgien als 49. Debütant unter Löw seinen Einstand erleben. Am vergangenen Freitag in Istanbul war der Mönchengladbacher Marco Reus, 22, als 48. Neuling in der 90. Minute noch schnell eingewechselt worden und somit nach langem, von Verletzungen und Krankheit immer wieder gestoppten Anlauf endlich zu seinem ersten A-Länderspiel gekommen.

Lücke hinter Gomez und Klose

Gemeinsam mit Jürgen Klinsmann hatte der damalige Assistent Löw zwischen 2004 und 2006 zwölf Debütanten nominiert. Übrig geblieben ist von diesem Dutzend – man glaubt es kaum - einzig Per Mertesacker. Seit seiner Amtsübernahme nach der WM 2006 hat Löw das Tempo nicht nur auf dem Platz spürbar angezogen.

Die Bundesliga lieferte ihm Profis in lange nicht gesehener Qualität und Quantität, und Löw griff zu. Manuel Neuer, Thomas Müller, Mesut Özil und Mario Gomez haben sich in Klubs und Nationalteam in die Weltklasse gespielt. Holger Badstuber, Sami Khedira, Mario Götze und Toni Kroos befinden sich auf einem guten Weg zur internationalen Spitze.

Während vor allem im Mittelfeld ein reichhaltiges Angebot an Fünf-Sterne-Spielern herrscht, hat Löw eine klaffende Lücke hinter seinen beiden Top-Angreifern Gomez (26) und Miroslav Klose (33) ausgemacht. „Da fehlen uns weitere Stürmer dieses Typs. Die Fülle ist da nicht so vorhanden.“

Dabei war Löws Suche so hoffnungsvoll angelaufen: Patrick Helmes hatte bei seinem Einstand als Einwechselspieler beim 0:1 gegen Dänemark im März 2007 reihenweise starke Aktionen präsentiert. Doch längst ist nicht nur der lebensfrohe Stürmer vom VfL Wolfsburg im heftigen Verdrängungswettbewerb aus dem Blickfeld geraten.