Leipzig - „Frustriert und genervt“ ist Oliver Bierhoff am späten Freitagabend ins Bett gegangen. Über einen Livestream auf DAZN musste der Teammanager der deutschen Nationalmannschaft mit Bundestrainer Joachim Löw (58) im Mannschaftshotel „The Westin“ in Leipzig den Abstieg tatenlos mit ansehen. „Das ist schon frustrierend“, sagte der 50-Jährige auch am frühen Morgen danach bei Temperaturen um den Gefrierpunkt am Leipziger Cottaweg noch zerknirscht. Man habe sich aber selbst in diese Situation gebracht.

Das 2:0 der Niederlande in Rotterdam gegen Weltmeister Frankreich besiegelte um kurz nach halb elf den deutschen Abstieg als Tabellenletzter aus der A-Gruppe der Nations League. „Das kommt jetzt noch zum schlechten Jahr oben drauf“, meint Bierhoff, der im gleichen Atemzug aber auch vorausschaut: „Vielleicht müssen wir den Boden mal berühren, um den Aufstieg jetzt wieder richtig anzugehen. Wir müssen uns Vieles wieder erarbeiten. Das wird spürbarer mit so einem Abstieg. Vielleicht ist es so sogar besser, als wenn wir gerade so vorbeigeschlittert sind.“

Auch Jogi Löw machte keinen Hehl daraus, dass „dieses Ergebnis natürlich bitter“ sei, weil man damit vor dem letzten Länderspiel im desaströsen WM-Jahr 2018 am Montag in Gelsenkirchen gegen Holland (20.45 Uhr/ARD) keine Chance mehr habe, in der Liga A zu bleiben. „Das müssen wir akzeptieren. Unser Blick richtet sich aber nach wie vor klar in Richtung der EM 2020, für die wir uns qualifizieren werden und bei der wir wieder eine starke Mannschaft ins Turnier schicken wollen.“

Spiel gegen den Erzrivalen alles andere als unbedeutend

Wer glaubt, dass das Spiel am Montagabend auf Schalke jetzt nur noch Testspielcharakter hat, hat sich allerdings gewaltig geschnitten. Für das DFB-Team geht es nicht nur darum, sich „von der guten Seite zu zeigen und mit einem guten Ergebnis von den Fans zu verabschieden“, wie der 22-jährige Thilo Kehrer, ein wichtiger Baustein im Umbruch des DFB-Teams, meint. Es geht um mehr. Bierhoff erklärt: „Wir haben am Montag ein Prestige-Duell, zweitens wollen wir unsere Entwicklung weiter vorantreiben und zu guter Letzt uns natürlich eine gute Ausgangsposition schaffen, sodass wir zumindest im ersten Lostopf für die EM-Quali bleiben. Daher hat das Spiel weiterhin eine hohe Bedeutung für uns.“

Tatsächlich ist das Spiel gegen den Erzrivalen alles andere als unbedeutend für das DFB-Team, schließlich hat das Abschneiden in der Nations League maßgeblichen Einfluss auf die Setzliste der Gruppenauslosung zur Qualifikation für die EM 2020 (März bis November 2019), die am 2. Dezember in Dublin stattfindet. Und da droht dem Weltmeister von 2014 nun Topf zwei.

Um schwierigen Gegnern wie Spanien oder Frankreich aus dem Weg zu gehen, muss Deutschland zwei der zwölf Nationen in der A-Liga der Nations League hinter sich lassen. Die zehn bestplatzierten Länder sind in Topf 1 gesetzt. Island (null Punkte aus vier Spielen) ist sicher hinter Deutschland. Um Topf zwei zu vermeiden müsste das DFB-Team entweder Italien (vier Punkte), England (vier), Polen (1) oder Kroatien (4) hinter sich lassen.

„Wir haben uns natürlich eine andere Ausgangslage gewünscht“, sagt auch der 23-jährige Leon Goretzka, „aber die Chance wurde uns nicht mehr gegeben.“ Beim 3:0 gegen Russland habe man mit einem jungen Team mit hohem Tempo gespielt. "Das wollen wir auch in Zukunft so machen“, blickt der Mittelfeldspieler voraus. Am besten schon am Montag gegen Holland, um mit einem Erfolgserlebnis aus diesem frustrierenden und enttäuschten WM-Jahr zu gehen und die Ausgangslage für die EM-Quali zu verbessern.