Trotz Mundschutz wortgewaltig: Altglienickes Assistenztrainer Torsten Mattuschka findet klare Worte zur Meisterschaft in der Regionalliga Nordost.
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BerlinEs bleibt schwierig in der Fußball-Regionalliga Nordost. Und die Zeit ist knapp. Bereits am 26. Juni will der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) die kommende Saison vorbereiten. Wobei Geschäftsführer Holger Fuchs gegenüber der Deutschen Presse-Agentur einräumt, dass „der Rahmenspielplan kaum zu halten sein wird“. Bisher ist sogar noch unklar, wann genau es losgehen könnte.

Schwierig war auch die Meisterkür. Herbstmeister der Regionalliga Nordost, zehnmal Tabellenführer, zuletzt im März, bevor die Saison wegen des Corona-Virus unterbrochen wurde – und doch ist die VSG Altglienicke kein Staffelsieger, der Traum vom Drittliga-Aufstieg geplatzt. „Wir sind alle traurig. Es ist nicht schön, aber wir müssen das jetzt so hinnehmen, wie es ist“, sagte VSG-Geschäftsführer Marco Schröder, der aber auf rechtliche Schritte verzichtet.

Schröder erläuterte im RBB: „Wir wollen schon noch das Thema Drittligalizenz in Angriff nehmen, damit wir die auf dem Papier haben, für alle Eventualitäten, die da noch kommen könnten.“ Denn: Die VSG erhielt wie der nun per Quotientenregel gekürte Meister 1. FC Lok Leipzig im ersten Anlauf keine Lizenz. Bei beiden Vereinen ist die Stadionfrage ungelöst.

Echt zum Kotzen, dass wir so ein Ding in die Fresse kriegen.

Torsten Mattuschka

Altglienickes Assistenztrainer Torsten Mattuschka reagierte mit klaren Worten: „So was kann ich nicht nachvollziehen. Die Leute, die so etwas entscheiden, haben wahrscheinlich nie Fußball gespielt. Echt zum Kotzen, das wir so ein Ding in die Fresse kriegen.“ Cheftrainer Karsten Heine fragte: „Wie hätten sich wohl die abstiegsbedrohten Vereine in Sachen Quotientenregel verhalten, wenn es tatsächlich Absteiger gegeben hätte?“

Heine lobte seine Mannschaft, die die beste Saison aller Zeiten gespielt habe: „Großartig, was meine Spieler geleistet haben. Darauf werden wir aufbauen und nun intensiv die neue Saison planen.“ Die Entwicklung der VSG, die zu DDR-Zeiten keine Rolle im Berliner Fußball spielte, ist beeindruckend. Mehrere Aufstiege seit 2010 führten die Mannschaft bis in die Regionalliga, wo nach den Plätzen 15 und 14 nun fast zum Titel.

Auch der Tabellendritte Energie Cottbus verzichtet auf rechtliche Schritte. „Das haben wir nach reiflicher Überlegung beschlossen“, sagte Energie-Präsident Matthias Auth. Cottbus bedauere die Titelvergabe. „Wir können in diesem Zusammenhang nicht von einem Meister oder Sieger sprechen, wir hätten uns erhofft, dass der Sieger auf dem grünen Rasen ermittelt wird.“

Energie hatte ein Viererturnier vorgeschlagen mit Cottbus, Leipzig, Altglienicke und Hertha BSC II – allesamt Vereine, die einen Lizenzantrag für die Dritte Liga gestellt hatten. Dieser Vorstoß hatte ebenso keine Chance wie der Vorschlag der VSG, den Meister in einem Entscheidungsspiel gegen Lok Leipzig zu küren. Im Hinspiel in Berlin hatten sich beide Spitzenteams 2:2 getrennt.

Benjamin Plötz, der Manager des Tabellenelften Lichtenberg 47, drückte wohl die Meinung der meisten Berliner Vereine dieser Liga aus: „Trotz der umstrittenen Entscheidung drücken wir nun Lok die Daumen, damit der Vertreter unserer Staffel in die Dritte Liga kommt.“

Als Aufsteiger in die Regionalliga Nordost stehen Tennis Borussia und der FSV Luckenwalde fest.