Neue Tribüne in der Alten Försterei: Union Berlin baut auf Eisern-Art

Es staubt gewaltig in der Alten Försterei. Wo vor kurzem noch Zuschauer von ihren Sitzplätzen aus die Spieler des 1. FC Union anfeuerten, graben Bagger tiefe Löcher in die Erde. Die kleine alte Sitzplatztribüne im Stadion des Zweitligisten ist verschwunden. Abgerissen von Union-Fans, die auch die Eisernen genannt werden – weil sie so unermüdlich für ihren Verein da sind. Gut 2000 von ihnen hatten vor drei Jahren die Stehplatztribünen neu gebaut, ihre Namen sind auf dem Denkmal für die Stadionbauer im Biergarten verewigt. Jetzt helfen sie beim Bau der neuen Haupttribüne.

Diese soll im nächsten Sommer fertig sein und dann auf vier Etagen 3 557 Sitzplätze bieten. Neben sanitären und medizinischen Einrichtungen für die Fußballer sind dort auch die Arbeitsplätze für Journalisten, Schiedsrichter und Ordnungskräfte untergebracht. Und natürlich die Eisern-Lounges, Business-Seats und Logen für die Sponsoren. 1700 Plätze für die VIP’s soll es geben. Außerhalb der Spieltage kann man einige der 25 Logen auch für Feiern mieten. Hochzeit in der Alten Försterei – ein Traum für viele Fans.

Ursprünglich war die Tribüne über sechs Etagen geplant. Wieso es jetzt nur vier werden, begründet Union-Präsident Dirk Zingler so: Die Symmetrie zu den umliegenden Stehtribünen sei so besser, zudem spare man Geld. Schon im kommenden Winter soll das Dach auf dem Rohbau sitzen, so Zingler. Der Präsident ist stolz, dass die Alte Försterei, die es seit 1920 gibt und seit der Gründung des Vereins 1966 Heimstätte für Union ist, endlich Gestalt annimmt. „Niemand hat uns einst zugetraut, dass wir die Alte Försterei bundesligatauglich machen können“, so Zingler. Und jetzt gelinge das sogar ohne öffentliches Geld: Die 15 Millionen Euro, die die Haupttribüne kostet, werden ausschließlich privat finanziert. Zwei Millionen Euro kommen vom Verein, die eigens gegründete Stadionbetriebs AG gibt drei Millionen, die hauptsächlich aus den Einnahmen vom Verkauf der Stadion-Aktien an Mitglieder stammen.

Zwei neue Trainingsplätze hinter dem Stadion

Sieben Millionen Euro sind Kredite der DKB Bank, und der Vertriebspartner UFA Sports steuert drei Millionen Euro zu. Den Antrag auf drei Millionen Euro Lottomittel hat Union zurückgezogen. Hintergrund für den Verzicht: Weil Lottogeld nicht für den Profisport gedacht ist, hätte Union akribisch nachweisen müssen, dass das Geld für die Nachwuchsförderung ausgegeben wird. Zingler: „Wir haben deshalb beschlossen, später einen neuen Lottoantrag für unser neues Nachwuchsleistungszentrum zu stellen.“

Wo das einmal sein wird, darüber redet man gerade mit dem Bezirk. Eine weitere Million Euro investiert der Verein in zwei neue Trainingsplätze östlich vom Stadion – auf den bisherigen Plätzen entstehen 600 Parkplätze. Flutlicht, Rasenheizung und -beregnungsanlage werden auf den neuen Plätzen gebaut. Auf der Sportanlage am Bruno-Bürgel-Weg in Treptow, wo derzeit der Union-Nachwuchs trainiert, wird ein Rasenplatz geschaffen.

Eisernen bekommen eigenes Fan-Haus

Die eisernen Fans bekommen – auch das ist Union-typisch – sogar ein eigenes Haus auf dem Stadiongelände, mit Kneipe und Fan-Shop. Das Fanhaus wird ab 2013 gebaut, wenn die Tribüne fertig ist. Es kommt dorthin, wo jetzt noch die Umkleide-Container der Fußballer stehen. Insgesamt soll die neue Alte Försterei ab dem Sommer 2013 rund 23 000 Plätze haben. In der kommenden Saison wird man aber erst mal zusammenrücken müssen. 1600 Plätze fehlen wegen der Bauarbeiten. Der Verein verkauft deshalb aktuell nur 8 000 Dauerkarten, im Vorjahr waren es mehr als 10 000. „Wir wollen auch anderen Zuschauern die Gelegenheit geben, zu uns zu kommen“, sagt der Präsident.