Als Fabian Dietz am 3. Mai nach Berlin gezogen ist, um seinen neuen Job als Eishockeyprofi der Eisbären Berlin anzutreten, war ihm noch nicht klar, dass er in der Hauptstadt gleich noch mehrere Nebenjobs zu erledigen hat. Das Sommertraining gehört zum Beruf als Eishockeyprofi, klar. Nebenbei betätigte er sich aber noch als Umzugshelfer für einige Teamkollegen, und vor allem verpflichteten Freunde und die Familie den 20 Jahre alten Stürmer als Reiseführer. Dietz kommt wie der ehemalige EHC-Angreifer Thomas Oppenheimer aus dem oberbayrischen Peißenberg. „Das ist mit 12 500 Einwohnern ein Dorf im Vergleich zu Berlin, das ist natürlich spannend.“ Dass er selbst in unmittelbarer Nähe zum Touristen-Hotspot Checkpoint Charlie wohnt, trifft sich natürlich bestens.

Die ersten drei Monate in Berlin waren für Dietz in erster Linie aber deshalb so erfüllend, weil sein großer Traum von der Eishockeykarriere in die nächste Runde geht. Vor zwei Jahren noch spielte er für den EC Peiting in der Oberliga. Weil er selbst nicht so recht daran glaubte, dass er eines Tages ausschließlich mit Eishockeyspielen sein Geld verdienen kann, machte er nach der Schule eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Weil er jeden Tag von seinem Elternhaus eine dreiviertel Stunde zur Arbeit brauchte, blieb nicht allzu viel Zeit fürs Eishockey.

Kontakt mit Bundestrainer

Dennoch konnte er in der dritthöchsten deutschen Spielklasse überzeugen und stand in der vergangenen Saison zunächst vor einem Engagement beim SC Riessersee in der DEL 2 mit dem heutigen Bundestrainer Toni Söderholm. Doch aufgrund finanzieller Schwierigkeiten musste der Klub Insolvenz anmelden, spielte fortan in der Oberliga.

Dietz’ Aufstieg wurde dadurch aber nicht ausgebremst. Im vergangenen Sommer durfte er beim Development Camp der Eisbären in Kooperation mit den LA Kings teilnehmen. EHC-Sportdirektor Stéphane Richer empfahl ihn beim Kooperationspartner Lausitzer Füchse in der DEL 2. „Ein riesiger Sprung“ sei das für ihn gewesen, erzählt er. „Du musst Entscheidungen viel schneller treffen, jeder Fehler wird bestraft.“ Mit 13 Toren und sieben Vorbereitungen wusste Dietz aber zu überzeugen, so dass er einen Zweijahresvertrag in Berlin unterschrieb.

Erfüllter Traum

Derzeit hat es den Anschein, dass die Eisbären jungen Spielern mehr Chancen einräumen wollen. Im Vergleich zur Vorsaison ist der Kader deutlich geschrumpft. Und so darf sich Dietz, der nach wie vor in Weißwasser spielberechtigt ist, berechtigte Hoffnungen machen, auch in der DEL sein Können zu zeigen. Als er in der vergangenen Saison in der Arena war, dachte er noch: „Es wäre schon ein Traum, hier mal zu spielen.“ Dieser dürfte schon bald Realität werden.