Berlin - Antonio Brown hatte keine Lust mehr. Der Skandal-Profi der NFL warf sein Trikot den verdutzten Fans zu, schickte die Handschuhe hinterher und lief dann halbnackt und hüpfend durch die Endzone in Richtung Ausgang. Das Spiel seiner Tampa Bay Buccaneers bei den New York Jets war da noch im vollen Gange.

Also hatte auch Bruce Arians wenig später keine Lust mehr. „Er ist kein Buc mehr“, sagte der Cheftrainer nach dem seltsamen Auftritt, den er entgeistert verfolgt hatte: „Das ist das Ende der Geschichte.“

Antonio Brown sieht sich als Super Gremlin

Einer Geschichte, die mit Eskapaden gespickt ist. Brown hatte gerade erst eine Sperre abgesessen, weil er einen gefälschten Impfpass vorgelegt hatte. 2018 soll er Möbel aus einem Hotelfenster geworfen und dabei beinahe ein 22 Monate altes Kind und dessen Großvater getroffen haben. Mehrmals wurde ihm sexuelle Belästigung vorgeworfen, was er stets abstritt.

Die Beweggründe für seinen Abgang – Brown soll vor dem Stadion vergeblich Polizisten um eine Mitfahrgelegenheit zum Flughafen gebeten haben – blieben unklar. Der 33-Jährige äußerte sich nur kurz in den Sozialen Netzwerken, wo er einem Foto von sich die Überschrift „Super Gremlin“ gab. Gremlins sind Fabelwesen, zwischen Kobold und Monster, die eine Menge Unsinn anrichten.

Tom Brady wirbt um Mitgefühl

Teamkollege Tom Brady deutete nach dem Spiel an, Brown benötige Hilfe und habe Probleme. „Jeder sollte Mitgefühl und Empathie zeigen angesichts einiger sehr schwieriger Sachen, die passieren“, sagte Brady, der „AB“ zu den Buccaneers geholt hatte: „Wir alle lieben ihn, er bedeutet uns viel.“

Browns Rauswurf ist Sinnbild einer außergewöhnlichen Karriere zwischen sportlichem Genie und Eskapaden. Siebenmal stand der Ballempfänger im Pro Bowl der besten und beliebtesten Profis in der NFL, gehörte von 2014 bis 2017 sogar zu den Top-Drei Wide Receivern der Liga. Erst vor elf Monaten gewann er an der Seite von Brady seinen ersten Meisterring. Das Wichtigste am Football seien die Beziehungen zu Freunden und Teamkollegen, betonte Brady. „Sie gehen über das Spiel hinaus.“

Sorgen um Browns mentale Gesundheit

Brown war vorige Saison acht Wochen von der Liga wegen eines Verstoßes gegen den Verhaltenskodex gesperrt gewesen. 2018/2019 stritt er sich bei den Pittsburgh Steelers mit Quarterback Ben Roethlisberger, forcierte das Ende bei seinem langjährigen Team. Von den Oakland Raiders wurde er ohne Einsatz entlassen, die New England Patriots trennten sich nach einer Partie von ihm.

Ob Brown nun wieder ein neues Team findet, ist fraglich. Vielmehr rückte in den US-Medien der weitere Umgang mit dem Profi in den Fokus. „Die mentale Gesundheit von Antonio Brown ist kein Witz, der durch Memes im Internet trivialisiert werden sollte“, schrieb die Nachrichtenagentur AP. „Brown braucht eindeutig Hilfe.“