Es gibt Anzeichen. Wenn zum Beispiel Alba Berlins Sportdirektor Himar Ojeda partout nicht ans Telefon geht. Wenn dann noch Gerüchte aufkommen, der Basketballklub sei an einem Spieler interessiert, steht dessen Verpflichtung offensichtlich bevor. So ist es jedenfalls an diesem Mittwoch gewesen. Das Gerücht ging um, Derrick Walton werde nach Berlin kommen, 23 Jahre alt, Spielmacher, Ersatz für den verletzten Stefan Peno. Am Nachmittag wurde die Verpflichtung bis zum Saisonende offiziell verkündet. Und der Sportdirektor äußerte sich.

„Derrick ist ein sehr junger und vielversprechender Spieler mit großem Potenzial, den wir schon länger verfolgen“, sagte Ojeda. „Wir glauben, dass er mit seinen spielerischen Fähigkeiten gut in unser Team passen wird und sind davon überzeugt, dass er uns für den Rest der Saison sehr helfen wird.“ Bereits an diesem Sonntag im Pokalfinale könnten die Berliner den Point Guard einsetzen, die Basketball-Bundesliga zumindest hat ihren Regularien zufolge keine Einwände.

Kurze Eingewöhnung

Ob Walton aber tatsächlich in Bamberg aufläuft, ist unklar. Die Zeit zur Eingewöhnung ist kurz, die Kenntnis der Spielsysteme für einen Point Guard entscheidend. Außerdem ist er der siebte ausländische Profi im Kader von Trainer Aito Garcia Reneses, der nun entscheiden muss, ob er den 1,85 Meter großen Guard aufstellt und dafür einen Teamkollegen auf die Tribüne setzt.

Im Eurocup nehmen Reneses die Transferregeln die Entscheidung ab. Da Walton bereits in der Euroleague für Zalgiris Kaunas im Einsatz war, darf ihn Alba in dieser Saison nicht mehr für die zweite kontinentalen Klasse berücksichtigen.

Diplomatische Litauer

Insgesamt internationale 17 Begegnungen hat Walton für den litauischen Topklub bestritten, erzielte im Durchschnitt 4,6 Punkte und gab 2,5 Assists. In Litauens Meisterschaft waren es 8,4 Punkte und 4,4 Assists in 15 Partien. Im Oktober war Walton zu dem letztjährigen Teilnehmer am Final Four der Euroleague gestoßen. Zuvor hatte er sich mit den Chicago Bulls auf die Saison vorbereitet.

Waltons Karriere nahm an der Universität von Michigan Fahrt auf, wo er mit dem Berliner Moritz Wagner in einem Team stand und überzeugte. Nach dem College sicherte sich Miami Heat seine Dienste. Auf 16 NBA-Einsätze kam Walton in der Saison 2017/2018, spielte zudem in der G-League für Sioux Falls.

Bei Zalgiris schien er nicht die in ihn gesetzten Erwartungen zu erfüllen. Geschäftsführer Paulius Motiejunas meinte diplomatisch: „Er ist ein individuell sehr starker Spieler, und wenn er eine passende Situation findet, wird er definitiv alles zeigen, wozu er imstande ist.“ Bei Alba hoffen sie nun, Derrick Walton diese Situation bieten zu können.