Berlin - Die Mischung aus Stolz und Freude schien beinahe greifbar in der Geschäftsstelle von Hertha BSC. Viele Herren, die beim Bundesligisten viel zu sagen haben, konnten in ihren dunklen Anzügen ihr Glück kaum fassen. Es war, als hätte der Verein im Lotto gewonnen.

Tatsächlich aber feierte der Hauptstadtklub am Freitagnachmittag den Einstieg eines strategischen Partners, eines Investors von hohem Kaliber. Das Finanzunternehmen Kohlberg Kravis Roberts und Co. L.P., kurz KKR, hatte um 13.28 Uhr die letzte Unterschrift unter eine vertragliche Vereinbarung gesetzt, die Hertha BSC auf einen Schlag von allen Schulden befreite. Für etwa 20 Millionen Euro erwerben Herthas neue amerikanische Partner 9,7 Prozent der Hertha BSC GmbH & Co. Kommanditgesellschaft auf Aktien. Weitere rund 40 Millionen Euro investiert die Beteiligungsgesellschaft in „andere Komponenten“, wie es der Finanz-Geschäftsführer des Klubs, Ingo Schiller, formulierte.

Michael Preetz jubelt

„Das ist ein Quantensprung in der Entwicklung von Hertha BSC“, jubelte Manager Michael Preetz, auch wenn er die Anhänger vorwarnte, dass er mit dem Geldsegen nicht gleich den Spielertransfermarkt aufmischen werde: „Wir werden unsere Gesamtstrategie durch den Deal nicht ändern, sondern mit Augenmaß die Mannschaft entwickeln und verstärken.“

Seit dem Vormittag hatte sich der große Coup angebahnt. Um den Klub herrschte am Freitag eine Stimmung, als dürfte die Mannschaft nun ehrenhalber nachträglich noch in die Champions League einrücken und sich mit Weltstars verstärken. Doch so ist es nicht. Preetz sagte auch: „Wir werden jetzt keine Transfers in astronomischen Größenordnungen vornehmen und sind dazu auch nicht in der Lage.“ Vielmehr gehe es um Wettbewerbsfähigkeit hinter den Branchenführern der Bundesliga. Während der Pressekonferenz am Nachmittag musste sich Präsident Werner Gegenbauer kurz vom Podium entfernen. Der Vorstandschef der Deutschen Bahn, Herthas Hauptsponsor, habe zum Gratulieren angerufen. Dabei agieren Finanzinvestoren wie KKR nie aus den idealistischen Motiven eines Fans, sondern aus hartem wirtschaftlichen Renditekalkül.

Die Vereinsführung sagte, sie habe seit vielen Jahren einen strategischen Partner gesucht. Der Kontakt zu KKR sei vor zwei Jahren durch eine Schweizer Investmentfirma entstanden, die sich auf Investitionen im Sportbereich fokussiert hat: Der in Genf ansässigen IM 1872. Die wurde von Stefan Fueg gegründet, der einst bei IMG Manager war und auch Tennis-As Tommy Haas managte. Der Investor, sagt der Verein, habe keinerlei Einfluss auf die Geschäftsführung, sie bleibe völlig frei in ihren Entscheidungen. Ein Vertreter der KKR, die bei der Verkündung des Deals nicht vertreten war, rückt allerdings in den Aufsichtsrat der KG aA. auf.

Der nun geschlossene Vertrag sieht auch eine Option vor, die es KKR erlaubt, ihre Anteile an der KGaA auf insgesamt 33 Prozent aufzustocken. Der Kontrakt ist erst einmal auf sieben Jahre ausgelegt. Bemessungsgrundlage des Deals war ein Gesellschaftswert von Hertha BSC von 220 Millionen Euro. Weitere Millionen könnten fortan in die Kassen des Klubs fließen.

Goldene Zeiten

Bei Hertha BSC soll KKR daher nun goldene Zeiten einläuten. Zuletzt hatte Finanzchef Schiller bekanntgegeben, dass sich die Verbindlichkeiten des Vereins, obwohl sie zuletzt um 5,2 Millionen reduziert worden waren, zum 30. Juni 2013 noch immer auf 36,8 Millionen Euro beliefen. „KKR spielt an unserer Seite. Das ist bahnbrechend für die Zukunft“, schwärmte Vereinsboss Gegenbauer vor drei Fernsehsendern, „unsere finanzielle Verfassung ist ab heute nicht mehr zu vergleichen mit der von gestern.“

Sein Finanzchef Schiller propagierte vier Ziele, die der Klub durch den Deal erreichen wolle: Eine nachhaltige Kostenersparnis, eine umfangreiche Entschuldung, die Schaffung positiven Eigenkapitals und eine langfristige Planungssicherheit. Jahrelang übertrieb man bei Hertha BSC das finanzielle Risiko unter Manager Dieter Hoeneß, lebte oft von sogenannten Signing Fees, also Vorabzahlungen durch Vermarkter Sportfive. Man schloss langfristige Verträge ab und ließ sich den Großteil zugesicherter Summen sofort auszahlen.

Der Klub wolle nun auch die Rechte zurück erwerben, die zur Liquiditätssicherung in den vergangenen Jahren veräußert wurden wie etwa die Cateringrechte im Olympiastadion. „Ich bin 16 Jahre bei Hertha BSC“, sagte Schiller, Herthas Mann der Zahlen, nicht frei von Pathos, „das ist der wunderbarste Tag, seitdem ich hier arbeite.“