Matthias Große leitet den Eisschnelllauf-Verband bis mindestens September.
Foto: Matthias Koch

BerlinDer neue starke Mann im deutschen Eisschnelllauf verkündete seine Vision für die Zukunft mit kämpferischem Blick und einem klaren Anspruch an sein Amt. Drei Werbetafeln des von ihm kürzlich gewonnenen neuen Hauptsponsors B&O-Gruppe ließ Matthias Große als Beleg für seinen Tatendrang hinter sich platzieren, ehe der Lebensgefährte von Claudia Pechstein in einer rund 30-minütigen Rede für sich selbst warb.

Wirtschaftliche Stabilität für die finanziell angeschlagene Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG), die erwartete Trennung von Bundestrainer Erik Bouwman und neue Annehmlichkeiten für die Athleten – mit Maßnahmen wie diesen will der kommissarische DESG-Präsident Große bis zur Mitgliederversammlung am 19. September die Wähler hinter sich bringen und sich im Amt bestätigen lassen.

„Wir brauchen als allererstes Ruhe und Gelassenheit. Aus dieser Stärke heraus können wir arbeiten“, sagte Große am Donnerstag in Berlin. Dabei machte Große zugleich klar, wie er seine Rolle im Verband versteht. Die Zeit der öffentlichen Schlammschlachten, an denen er mit Pechstein einen nicht unerheblichen Anteil hat, sollen ein Ende haben: „Jegliche Auseinandersetzung, die jemand zu führen hat, egal wer, die führt er mit mir und mir allein.“

Die Auseinandersetzung mit Bouwman endete mit dem Kündigungsschreiben für den Bundestrainer. Die Zusammenarbeit endet zum 31. Juli. „Er ist nicht der Richtige“, sagte Große zur wenig überraschenden Trennung. Bis zur „Klärung des Sachverhalts der Neubesetzung“ übernimmt der langjährige Teamleiter Helge Jasch die sportliche Koordinierung. Eine Aussprache mit Bouwman gab es laut Große nicht.

Das Pechstein-Lager und Bouwman hatten sich in der Vergangenheit einen öffentlichen Streit geliefert. Der für den Langstreckenbereich zuständige Bouwman hatte Pechstein vor der Saison 2019/20 mitgeteilt, dass er „keinen Bock“ darauf habe, dass sie zu seiner Trainingsgruppe gehöre. Es entbrannte ein heftiger Disput, Pechstein forderte eine Entschuldigung und trainierte in der Folge mit der polnischen Mannschaft.

Nach einem vermeintlichen Burgfrieden entbrannte der Streit im Februar erneut, als Bouwman Pechstein heftig attackierte („boshaft“, „peinlich“, „populistisch“). Auch Große wurde nicht verschont. Dass dieser eine ernsthafte Option auf das Amt des DESG-Präsidenten sei, „ist der größte Witz, den ich je im Spitzensport erlebt habe“, hatte Bouwman gesagt. Große forderte Konsequenzen – und sorgte für diese in seiner neuen Funktion nun selbst.

Ein zentraler Punkt in Großes Agenda ist die Akquise neuer Sponsoren für den finanziell angeschlagenen Verband. Am Donnerstag verkündete er die Partnerschaft mit dem Wohnwirtschafts-Unternehmen B&O-Gruppe. Die Langfristigkeit des Engagements ist jedoch an Großes Wahl im September gekoppelt. Was mitunter seltsam anmutet, weil eine derartige Abmachung gehöriges Druckpotenzial birgt. Für potenzielle Gegenkandidaten ergibt sich daraus eine gewaltige Bürde.

Bauunternehmer Große bezeichnete die in Bad Aibling ansässige B&O-Gruppe als „sehr, sehr starken Partner“. Es sei ein großer Tag für die DESG, der Sponsor werde den Verband finanziell über Jahre sichern: „Die DESG wird bis Olympia 2022 keine finanziellen Probleme mehr haben. Das ist die Grundvoraussetzung, damit der Verband in ruhige Fahrwasser gerät“, sagte Große, der versicherte, dass die DESG schuldenfrei sei.