Bad Kleinkirchheim - Um 17.15 Uhr schließt sich die letzte große Lücke im Kader des 1. FC Union. An der Seite vom Mannschaftsarzt schreitet Bobby Wood zur medizinischen Untersuchung, der Vertrag ist bereits unterzeichnet. Er gilt bis 2018.

Der Stürmer vom TSV 1860 München, zuletzt an Erzgebirge Aue verliehen, war von Beginn an die Top-Option für den Fall des Abschieds von Sebastian Polter. Zwischenzeitlich hatte es jedoch so ausgesehen, als ob der VfB Stuttgart den Köpenickern zuvorgekommen sei. „Es ist nicht immer das Geld, mit dem man einen Spieler überzeugen kann“, sagt ein sichtlich zufriedener Union-Trainer Norbert Düwel.

Sören Brandy kann sich nun also entspannt zurücklehnen. Er hat vorletzte Saison mit elf Treffern bewiesen, dass er zum Torschützen taugt. Aber den 14-Tore-Mann Polter ersetzen, der bei den Queens Park Rangers unterschrieben hat, diese Aufgabe möchte er lieber nicht erfüllen.

Der falscheste aller Neuner

„Polti war ein Ochse mit dickem Hintern, gutem Tempo und richtig gutem Kopfballspiel“, sagt Brandy. Allein schon der schmalere Po und der kürzere Körper lassen Zweifel daran aufkommen, dass er die entstandene Lücke füllen kann. Auch die Selbsteinschätzung spricht dagegen: „Ich definiere mich über Aggressivität und Zweikämpfe.“ Kein Wunder, dass die Foulstatistik bei ihm stets mehr verübte als gezogene Fouls ausweist.

Die Zahl auf seinem Trikot ist bloße Täuschung, nie hat es einen falscheren Neuner gegeben. „Ich bin eher ein Sechser, der vorne rumläuft“, findet er. Sein Vorbild heißt dementsprechend nicht Polter, sondern Marco „Toni“ Sailer von Bundesligaaufsteiger Darmstadt. „Der hat nur ein Tor gemacht, war aber enorm wichtig für den Erfolg.“

Am Sonntag wurde der 30-Jährige vom Physiotherapeuten genadelt. Das klingt brutal und soll verhindern, dass eine Verletzung dem Angreifer wie im Vorjahr die Form raubt. „Hendrik Schreiber haut ein paar Nadeln in die Muskeln“, sagt Brandy. „Für ihn ist das immer ganz lustig, für uns eher unangenehm.“ Deshalb trainierte der Genadelte am Montagvormittag nur teilweise mit der Mannschaft.

Im Vorjahr hatte Brandy den Großteil der Vorbereitung verpasst und lange gebraucht, um in Tritt zu kommen. Die schwere Schulterverletzung in der Rückrunde warf ihn dann endgültig zurück. Das soll sich nicht wiederholen, denn Union ist trotz der Verpflichtung von Wood auf Brandys Qualitäten angewiesen, zumal sich dessen Rolle seit seiner Verpflichtung vor zwei Jahren gewandelt hat.

Brandy will Führungsrolle übernehmen

„Als ich hierhergekommen bin, war ich der Spaßvogel“, sagt er. „Das verkörpere ich immer noch, aber mit 30 Jahren ist es schon angebracht, eine andere Führungsrolle zu übernehmen.“ Im derzeitigen Kader ist nur Torwart Daniel Haas älter, die jüngeren Spieler orientieren sich automatisch an dem erfahrenen Stürmer, der in 171 Zweitligapartien 38 Tore erzielt und 40 Vorlagen geliefert hat. „Ich weiß mittlerweile, wo ich hinlaufen muss, um den Raum für meinen Mitspieler zu öffnen“, sagt er.

Vier andere Angreifer sollen die freigemachten Wege nutzen. Collin Quaner deutete an, dass er ein Gespür für die richtige Positionierung im Sechzehner hat, und die Bewegungen von Steven Skrzybski Richtung Tor werden immer selbstbewusster.

Hinzu kommen Bajram Nebihi und jetzt Bobby Wood. „Er ist ein unheimlich dynamischer Spieler mit sehr guter Technik, der im spielerischen und athletischen Bereich viel mitbringt“, lobt Düwel. „Er kann im eins gegen eins viel auflösen und gleichzeitig sehr mannschaftsdienlich spielen.“

Aber ist er der Kracher, der den Klub dahin schießt, wo er hin will? „Wenn man in der Spitzengruppe mitspielen will, ist es wichtig, dass man einen Stürmer hat, der 10 bis 17 Tore garantiert“, sagt Brandy. Sein neuer Partner traf in 59 Zweitligaspielen sechs Mal. Den Auer Abstieg konnte er auch deshalb nicht verhindern, weil er acht Wochen verletzt ausfiel. Im Juni traf der US-Nationalspieler gegen die Niederlande und Deutschland zum Sieg. „Mit nicht einmal 23 Jahren ist sein Potenzial bei weitem noch nicht ausgeschöpft“, glaubt Düwel.