Für Serge Aubin ist die Entscheidung komfortabel und unangenehm zugleich: Weil bei den Eisbären derzeit nur Florian Busch ausfällt, herrscht seit der Verpflichtung Landon Ferraros ein Überangebot an fitten und einsatzwilligen Spielern. Der Trainer muss also im Laufe des Freitags einem Profi die Nachricht übermitteln, dass er beim Match in Düsseldorf (19.30 Uhr) zuschauen muss.

„Ferraro wird spielen“, sagte Aubin nach dem Training am Donnerstag. Der 28-Jährige, der vor einer Woche in Berlin gelandet war, hat in dieser Woche einen guten Eindruck hinterlassen. „Zum Glück spielen wir hier das gleiche System, dass ich zuletzt in Iowa gespielt habe“, sagte der Außenstürmer, der 84 Spiele in der NHL bestritt, aber er gesteht auch, dass er sich an die größere Eisfläche noch gewöhnen muss. „Ich muss mich immer erst orientieren, wo ich mich auf dem Eis befinde.“

Ferraros Trümpfe

In seiner erster Partie als Eisbärenprofi soll er sich an der Seite des Erfolgsduos Maxim Lapierre/Lukas Reichel ausprobieren. „Das könnte sich aber auch schnell ändern“, sagte Aubin, „es wird ein bisschen dauern, bis wir sehen, wie er mit dem europäischen Eishockey zurechtkommt und wo er am besten hinpasst.“ Ferraros größter Trumpf ist seine Vielseitigkeit. Beim letzten Training vor der Reise ins Rheinland, setzte Aubin ihn vor allem in Unterzahl ein. „Hier hat er mir sehr gut gefallen“, sagte Aubin. Aber auch im Powerplay wusste der Kanadier in der Vergangenheit zu gefallen.

Wen Ferraro in Düsseldorf letztlich verdrängen wird, lässt Aubin noch nicht durchblicken. „Ich habe eine gute Idee, aber die Entscheidung wird erst unterwegs fallen“, sagte der Coach. „Bis auf die Torhüter ist alles möglich.“

Eine Überlegung könnte sein, die Partie nur mit sechs Verteidigern zu bestreiten. Dann dürfte Florian Kettemer der überzählige Spieler sein. Beim 4:2 in Ingolstadt stand er nur eine Minute und 38 Sekunden auf dem Eis, kam auf insgesamt drei Wechsel. Der Shootingstar des vergangenen Herbstes, als er zwischenzeitlich bester EHC-Scorer war und sich dadurch eine Vertragsverlängerung erspielt, ist in der Verteidigerhierarchie abgerutscht.

Gefahr für den Kapitän

Etwas näherliegend ist die Option, dass es einen Austausch auf der Außenstürmerposition gibt. Dann könnte es André Rankel treffen. Der Kapitän erzielte am vergangenen Freitag zwar seinen ersten Saisontreffer, spielt aber längst nicht mehr die Rolle früherer Jahre. Zudem startete er zuletzt an der Seite von Lapierre und Reichel, wo Ferraro beginnen soll. Allerdings setzte Aubin Rankel beim Training auffällig oft in Unterzahl sein, wo er wie die Kollegen zuletzt immer besser wurde.

Denkbar wäre zudem, dass Sean Backman beziehungsweise PC Labrie der Auswahl zum Opfer fallen, je nachdem, welche Rolle Aubin für Ferraro vorgesehen hat. Der ist wie Backman ein guter Schlittschuhläufer, hat mit Ausnahme der letzten Saison mit Leistenverletzung auch Abschlussqualitäten offenbart. Als Labries Ersatz wären vor allem seine defensiven Qualitäten gefragt, wenngleich er einen halben Zentner weniger auf die Waage bringt.

Ferraro selbst beteiligt sich selbstverständlich nicht an solchen Spekulationen. Er ist vor allem froh, dass er endlich wieder Eishockey spielen kann. „Ich freue mich auf den Start meiner Karriere in Europa“. Die lange andauern soll.