Auch der jüngste Vorstoß des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC stößt beim Land Berlin auf tiefe Skepsis: Herthas Pläne, in der Nähe des Olympiastadions, auf denkmalgeschütztem Gelände zwischen Coubertinplatz und Reiterstadion, eine neue Spielstätte zu bauen, dürften kaum eine Chance auf Realisierung haben.

Der Tagesspiegel hatte am Wochenende berichtet, die Pläne für eine neue, reine Fußball-Arena auf dem Reitergelände würden konkreter. Hertha wolle zwar „noch im März“ neue Pläne vorstellen, sagte der Sprecher der Senatsverwaltung für Inneres und Sport, Martin Pallgen, am Sonntag. „Das schauen und hören wir uns in Ruhe an.“ Doch weiter: „Wir sehen keinen Bedarf für einen Neubau.“

Die Überlegungen des Vereins werden schon seit Monaten ventiliert, sogar ein Gutachten gab Hertha BSC in Auftrag. Vereinspräsident Werner Gegenbauer liebäugelte zwischenzeitlich gar mit einer Lösung „jenseits der Stadtgrenzen“, womit er sich aber gerade auch unter Fans keine neuen Freunde machte.

Die Planung einer neuen Fußball-Arena in der Nähe des Reiterstadions auf dem Berliner Olympiagelände hat inzwischen auch der Manager von Hertha BSC, Michael Preetz, dementiert. Das sei „absoluter Blödsinn“, sagte er dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) am Sonntagabend.

Wirtschaftliche Gründe

Die Gründe für die Idee einer neuen Spielstätte sind vor allem wirtschaftliche: Der Verein, der inzwischen zuverlässig in der oberen Tabellenhälfte etabliert zu sein scheint, kann das Heimstadion aus eigener Sicht schlecht vermarkten. Namensrechte können nicht verkauft werden (wie es andere Vereine tun, etwa Bayern München), zudem ist im Olympiastadion das Fußballfeld durch die Laufbahn von den Zuschauerreihen getrennt.

Das sei atmosphärisch ein Nachteil, argumentieren die Herthaner, insbesondere bei weniger gut besuchten Spielen gegen Vereine wie etwa Ingolstadt oder Darmstadt. Dann kommen nur um die 30.000 oder 40.000 Zuschauer, die sich im Olympiastadion mit seinen rund 75.000 Plätzen geradezu verlieren. Dies koste auch Punkte in der Tabelle, glauben die Herthaner. Man könne zwei bis drei Spiele mehr gewinnen, wenn in einem kleineren Stadion ohne Distanz zum Spielfeld der Heimvorteil richtig zur Geltung komme.

Doch allzu große Hoffnungen, dass der Traum von einem reinen Fußballstadion auf dem Olympiagelände tatsächlich in Erfüllung geht, macht man sich auch beim Berliner Bundesligisten nicht. Ingo Schiller, der als Geschäftsführer für die Bereiche Finanzen, Organisation und Marketing im Vorstand des Klubs Verantwortung trägt, konterkarierte am Sonntag im Telefonat mit dieser Zeitung jedenfalls die Meldungen vom Wochenende. „Das ist Quatsch“, sagte der 51-Jährige: „Da spielt der Senat nicht mit, weil das alles unter Denkmalschutz steht.“

Wiederholt hat der Klub darauf hingewiesen, dass man erst Ende März eine Machbarkeitsstudie präsentieren möchte. Deren Ergebnisse sollen einzig und allein als Diskussionsgrundlage mit den Interessengruppen dienen.

Was für den Verein Vorteile bietet, hat für das Land – Eigentümer des gesamten Olympiageländes inklusive dem Stadion, das 1936 eröffnet und 2004 aufwändig saniert worden ist – eigentlich nur Nachteile. Hertha zahlt derzeit rund fünf Millionen Euro Stadionmiete im Jahr. Zusammen mit Einnahmen aus Konzerten sind die Betriebskosten der monumentalen Anlage damit gedeckt, heißt es. Sollte Hertha nur noch einzelne Spiele – etwa gegen Bayern oder Dortmund – im großen Olympiastadion spielen wollen, brächen diese Einnahmen weg.